Eifelverein in Swisttal

Karl-Kaufmann-Weg wegen NS-Vergangenheit umbenannt

Region. Historiker untersuchen die Rolle des früheren Vorsitzenden Karl Kaufmann in der NS-Zeit. Auch Swisttal befasst sich mit dem Thema, weil in der Gemeinde eine Straße nach dem ehemaligen Euskirchener Landrat benannt ist. Der Wanderweg heißt künftig "Ville-Eifel-Weg".

"Wir lassen uns nicht in die rechte Ecke drängen", sagte Rolf Seel. Damit wehrte sich der Hauptvorsitzende des Eifelvereins in einer Pressekonferenz in der Jugendherberge in Hellenthal gegen die Kritik, der Verein stelle sich nicht seiner Geschichte. Nach Vorwürfen einer anonymen Wandergruppe "Eifelgold", die kurz vor der Jahrestagung im Mai öffentlich gemacht wurden, der Eifelverein stelle sich seiner Vergangenheit nicht, versucht dieser nun den Befreiungsschlag. Einstimmig votierte das Gremium dafür, den Hauptwanderweg 2 von "Karl-Kaufmann-Weg" in "Ville-Eifel-Weg" umzubenennen.

Wer hinter den Vorwürfen steckt, ist immer noch nicht bekannt. "Die Leute sind gut informiert und professionell aufgestellt", war sich Wolfgang Schmid, Professor für Landeskunde und Kulturwart des Hauptvereins, sicher. Im Mai war ein anonymes Schreiben an den Verein sowie mehrere Redaktionen gesandt worden, in dem die Tatsache, dass der von Brühl nach Trier führende Wanderweg immer noch nach dem langjährigen Vorsitzenden des Eifelvereins benannt ist, angeprangert wird.

Zeitgleich wurden die Beschilderungen des Weges mit Aufklebern versehen, auf denen Zitate von Kaufmann aus der Nazi-Zeit zu lesen waren. Unter der Überschrift "Hitler-Verehrung unter Karl Kaufmann" ist Kaufmann dort so zitiert: "Ich bitte Sie, mit mir auszurufen: Das große Deutschland und sein großer Führer: Siegheil." Dies rief Kaufmann im Juni 1938 bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen des Eifelvereins in Trier den Mitgliedern zu. Es war der letzte Satz seiner letzten Rede: Nach 34 Jahren verabschiedete er sich als Vorsitzender. 1936 hatte Kaufmann bei einem Vereinstreffen in Bad Münstereifel gesagt: "Mit Freude erkennen wir, dass das Dritte Reich seine besondere Fürsorge der Eifel angedeihen lässt."

Bildungspolitische Aufklärung

"Bildungspolitische Aufklärung" nennen das die unbekannten Verfasser. Dass diese sich nicht öffentlich machen, verbittert vor allem Schmid. "Ich habe dafür kein Verständnis, gerade als Historiker lebe ich von offenem Diskurs", bemängelte er. "Wir hätten uns gern positioniert", fügte Heinz-Peter Thiel, Landrat des Vulkaneifelkreises und Zweiter stellvertretender Vorsitzender des Hauptvereins, hinzu. Nach der Jahrestagung am 25. Mai, so Schmid, habe er Kontakt mit Helmut Rönz, Dagmar Hänel, beide vom LVR, und Heike Pütz vom Kreisarchiv Euskirchen gehabt. "Wir waren uns einig in der Bewertung, dass von Kaufmann keine Kriegsverbrechen bekannt sind, er aber in die Zeit verstrickt war", erläuterte er. Allerdings sei die Aktenlage dünn. Um den Komplex richtig aufzuarbeiten, werde 2020 eine Historikertagung zu Karl Kaufmann organisiert.

Dass Karl Kaufmann in Teilen der Südeifel immer noch eine "legendäre Person" sei, habe dazu geführt, dass mehrere Ortsvereine 2015 gegen eine Umbenennung gestimmt hätten. "Kaufmann ist immer noch Ehrenbürger mehrerer Städte", so der Historiker. Auch Straßen sind nach ihm benannt, zum Beispiel in Swisttal-Buschhoven und in Kyllburg. Ob die Straße in Buschhoven umbenannt wird, steht noch nicht fest. Die Gemeindeverwaltung hat den Eifelverein sowie einige andere Kommunen, in denen Straßen nach Karl-Kaufmann benannt sind, um Stellungnahmen gebeten. Über die Antworten wird der Hauptausschuss informiert. Der soll dann über das weitere Vorgehen beraten.

1904 übernahm Kaufmann den Vorsitz des Eifelvereins und leitete ihn 34 Jahre lang bis 1938. "Kaufmann war kein Parteigenosse der NSDAP", betonte Schmid. Doch er sei aufgrund seiner Autorität auch bei der Gleichschaltung und Arisierung der Vereine 1933 nicht aus dem Amt entfernt worden. Anders als zum Beispiel der Alpenverein blieb der Eifelverein aber immer eigenständig. "Unser Verein ist gleichgeschaltet und missbraucht worden", sagte Thiel.

"Wir als Eifelverein müssen uns zwei Punkte vorwerfen lassen", fasst Schmid die Erkenntnisse zusammen. So sei die Eifelvereinszeitschrift mit ihrer hohen Auflage von 30.000 Stück zu Propagandazwecken genutzt worden, um die Erfolge in der Eifel, am Westwall und in Kronenburg zu feiern.

Auch der Umgang mit dem langjährigen Ehrenvorsitzenden Josef Schramm sei kritikwürdig. "Der Eifelverein hat sich nicht getraut, die Vergangenheit Schramms aufzuarbeiten", bemängelte Schmid. Die Aufarbeitung der Geschichte sei in der Festschrift anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Vereins "sehr zurückhaltend" gewesen. Erst 2015 sei der Hauptwanderweg 4 von "Josef-Schramm-Weg" in "Felsenweg" umbenannt worden. "Wir wollen die Umbenennung der Wege mit regionalen Bezeichnungen", so Thiel. Insofern habe es jetzt auch keinen Sinn gemacht, einen ehemaligen Vorsitzenden als Namensgeber eines Wanderweges hervorzuheben.