Petition gestartet

Kölner will Rosenmontag zum Feiertag machen

Feiern an Rosenmontag? Dafür müssen sich viele freinehmen.

Feiern an Rosenmontag? Dafür müssen sich viele freinehmen.

Köln. Bekommt NRW einen neuen gesetzlichen Feiertag? Die Petition eines Kölner Unternehmers will genau das erreichen: Rosenmontag soll offizieller Feiertag werden. Schon nach einer guten Woche sind mehr als 6000 Unterschriften eingegangen.

Wer am Rosenmontag den Zoch erleben und Karneval feiern will, der muss sich im Normalfall freinehmen. Doch sollte dieser Tag nicht zumindest in den Karnevalshochburgen des Rheinlands ohnehin ein Feiertag sein? Helmut Schmidt findet: Ja. Der Kölner hat am 4. März, also dem vergangenen Rosenmontag, eine Petition gestartet, mit Hilfe derer Rosenmontag zum Feiertag in NRW erklärt werden soll. Bis Mittwoch hatten bereits weit mehr als 6000 Unterstützer unterschrieben. 29.000 sind nötig, um das Quorum zu erreichen. Dann müsste sich der Petitionsausschuss im NRW-Landtag mit dem Begehren befassen. Diesen hat die Petition bislang allerdings nicht erreicht, teilt Landtagssprecher Stephan Malessa auf Anfrage mit.

"Sollte die Petition beim Landtag eingereicht werden, wird sie auf Ihre Zulässigkeit geprüft. Grundsätzlich ist es möglich, das der Petitionsausschuss auch Anregungen für Gesetzgebung aufnimmt", so Malessa weiter. Nach Eingang der Petition, die grundsätzlich jeder einreichen könne, müsse die Prüfung und Beratung des Petitionsausschusses abgewartet werden.

Schmidt, der selbst in der Kölner Prinzengarde aktiv ist, bezieht sich in seiner Begründung auf die in Thüringen und Berlin kürzlich neu eingeführten gesetzlichen Feiertage: In Thüringen wird in diesem Jahr erstmals am 20. September der Weltkindertag offiziell gefeiert, und in Berlin hatten Arbeitnehmer am 8. März erstmals aus Anlass des internationalen Weltfrauentages frei. "Im Gegensatz zu diesen beiden Tagen wird am Rosenmontag ja tatsächlich wortwörtlich gefeiert", sagte Schmidt dem GA. Er habe mit seiner Petition also "offenbar einen Nerv getroffen".

Auslöser für seine Initiative: "Ein Freund, der sehr intensiv bei der Stadtgarde Köln aktiv ist, konnte am Rosenmontag nicht mit zum Zug, weil er einen geschäftlichen Termin wahrnehmen musste - und das ausgerechnet in Düsseldorf", berichtet Schmidt. Der Freund habe dann aus eine Bürofenster den Düsseldorfer Rosenmontagszug sprichwörtlich an sich vorbeiziehen sehen.

Helmut Schmidt ist Geschäftsführer eines Kölner IT-Unternehmens, das aber einem internationalen Konzern angegliedert ist und somit seinen Angestellten an Karneval keine freien Tage gewährt. "Wir müssen also Urlaub nehmen", so Schmidt. Das sei vor allem für die vielen engagierten Karnevalisten, die viel Mühe und auch Geld investierten, ärgerlich.

Warum also nicht den Rosenmontag zum Feiertag machen? Schließlich gehört er "in den Karnevalshochburgen am Rhein zu einem festen Bestandteil der Tradition", so Helmut Schmidt. Er meint: "Es sollte keinem Bürger in NRW verwehrt sein, an einem der Züge teilzunehmen oder ihn sich anzuschauen." Nennenswerte negative Auswirkungen auf die Wirtschaft hält er für unwahrscheinlich. "Stattdessen könnten sogar diejenigen Menschen, die in weniger karnevalistisch geprägten Regionen in NRW wohnen, an diesem Tag ins Rheinland kommen und mitfeiern", meint er. Dass nicht jeder gern Karneval feiere, ist für Schmidt kein Argument: "Wir haben auch katholische Feiertage, und es ist nicht jeder Katholik", sagt er.

Weltkulturerbe oder provinzielle Peinlichkeit?

Viele sind Schmidts Meinung. Im Minutentakt trudeln online die Unterschriften ein, und das bei weitem nicht nur aus Köln: Die Unterzeichner kommen aus Bonn, dem ganzen Rhein-Sieg-Kreis, aber auch aus Kreuztal im Siegerland, Lüdenscheid im Sauerland und sogar aus Mannheim, das bekanntlich in Baden-Württemberg und nicht in NRW liegt. Die Befürworter haben überzeugend Argumente: Karneval zu feiern, schreibt einer, "ist seit fast 200 Jahren Tradition am Rhein und die Bewahrung dieses immateriellen Weltkulturerbes sollte einen Feiertag wert sein."

So begeistert sind aber nicht alle: Ein bekennender "Karnevalsflüchtling" aus Köln bezeichnet die fünfte Jahreszeit als "provinzielle Peinlichkeit, (...) Komasaufen, (...) Kotze überall, (...) Wildpinkeln, Ruhestörung, Zusammenbrechen der Infrastruktur und Vandalismus". Dem wiederum entgegnet ein Befürworter: "Dann wäre es doch auch für Sie schön, einen Feiertag zu haben, dann könnten Sie einen Tag länger der Stadt fern bleiben." Die Logik ist nicht von der Hand zu weisen - ob Rosenmontag jedoch tatsächlich zum Feiertag wird, bleibt abzuwarten: Zwei Monate lang hat die Petition noch Zeit, die nötigen Stimmen zu sammeln.