Fahrscheinloser Tag

Kölner dürfen am Sonntag kostenlos Bus und Bahn fahren

Eine Straßenbahn fährt in Köln an parkenden Autos vorbei.

Eine Straßenbahn fährt in Köln an parkenden Autos vorbei.

03.06.2018 Köln. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) machen am Sonntag Busse und Bahnen für jedermann kostenlos zugänglich. Wäre das auch eine Option für Bonn?

Kölner haben am 3. Juni die Möglichkeit, kostenlos mit Bussen und Bahnen zu fahren. Die Veranstaltung, die zum ersten Mal stattfindet, soll Kölner, die sonst nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, vom Nutzen der KVB-Angebote überzeugen.

Daneben wollen die KVB einen Beitrag zur Luftqualität liefern: "Das kann dazu führen, dass diese neuen Fahrgäste zukünftig gelegentlich, häufiger oder auch sehr häufig in Bus und Bahn einsteigen und das Auto stehen lassen", sagt KVB-Sprecher Stephan Anemüller. Das Angebot diene, so schreibt man, der Luftqualität, dem Klimaschutz und der Vermeidung von Staus. Die Kölner Verkehrsbetriebe rechnen an dem Tag allerdings auch mit Einbußen von insgesamt 150.000 Euro.

Die Benutzung der KVB-Leihräder soll am 3. Juni in den ersten dreißig Minuten kostenlos sein, danach fallen die regulären Gebühren an. Um das Angebot zu nutzen, müssen sich Radler einmalig mit der "KVB mobil"-App registrieren und den Frei-Code 579157 eingeben.

Auch Bonner und andere Auswärtige dürfen das Angebot nutzen - aus Bonner Sicht schade, dass dies nur auf dem Kölner Stadtgebiet möglich sein wird und nicht in Zügen auf den Linien 16 und 18, die zwischen Bonn und Köln fahren. Gibt es auch Überlegungen bei der SWB, einen kostenlosen Tag einzuführen?

Werner Schui von den Bonner Stadtwerken sagt, dass "fahrscheinfreie Tage sicherlich eine geeignete Werbemaßnahme" seien. Für die Zukunft habe man eine Aktion wie in Köln aber nicht geplant. "SWB Bus und Bahn zählt mehr als 140.000 Dauerkunden", so Schui. Das sei bereits "eine stolze Zahl, bezogen auf die Größe unserer Stadt".

In Köln kann man sich derzeit trotzdem noch nicht vorstellen, den öffentlichen Nahverkehr in ferner Zukunft generell kostenlos anzubieten. Sprecher Anemüller sieht das "kritisch": "Insbesondere müsste das gesamte System für die Aufnahme eines hohen Fahrgastzustroms wesentlich ausgebaut und die bestehende Infrastruktur müsste an vielen Stellen erneuert werden." Anemüller befürchtet, dass neue Strecken, erweiterte Strecken, mehr Fahrzeuge vonnöten seien, was viel Geld koste.

Umfangreiche Erweiterung des Nahverkehrs

Geplant ist außerdem in Köln, fast die gesamte Stadtbahnflotte (derzeit 382 Fahrzeuge) schrittweise von 2020 an zu erneuern sowie das Busangebot in der Domstadt zu erweitern. Die neuen Bahnen sind länger und können laut Stadt um bis zu 50 Prozent mehr Fahrgäste mitnehmen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker unterzeichnete am Montag eine entsprechende Vorlage.

"Gerade auf den bestehenden Strecken sind die sogenannten Langzüge, die jetzt erstmals in Köln eingesetzt werden sollen, das Mittel der Wahl, um die dringend benötigten Kapazitätssteigerungen zu erreichen.", so Andrea Blome, Dezernentin für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur in einer Mitteilung der Stadt.

Ab 2022 sollen zwei Lang- und zwei Kurzzüge getestet werden, die Auslieferung der Serienfahrzeuge sei ab Mitte 2023 vorgesehen.

Das Busangebot soll bereits zum Fahrplanwechsel 2018 erweitert werden. Die „Unibus-Linie“ 142 soll im Abschnitt zwischen Bahnhof Ehrenfeld und Weißhausstraße auf einen Zehn-Minuten-Takt verdichtet werden. Die Strecke der Linie 144 wird zum Gewerbegebiet Girlitzweg verlängert, wo auch eine neue Gesamtschule am Wasseramselweg entstehen soll. Dieses Angebot soll bereits nach den Sommerferien 2018 realisiert werden.

Außerdem soll eine neue Linie 124 als Direktbuslinie den Hauptbahnhof mit Ford und dem Gewerbegebiet Feldkassel verbinden. Das Neubaugebiet Sürther Feld soll durch die Buslinie 130 über einen neuen Linienast an das ÖPNV-Netz angebunden. Die Gesamtkosten für diese Verbesserungen betragen 1,76 Millionen Euro. Im Jahr 2019 kommt es zu zusätzlichen Erweiterungen.

Die Stadt rechnet mit Kosten von insgesamt 413 bis 472 Millionen Euro. Der Rat soll in seiner Sitzung am 7. Juni über die Vorschläge entscheiden.

Der Rat der Stadt Köln hat die Verwaltung am 11. Juli 2017 (AN/1008/2017) außerdem damit beauftragt, gemeinsam mit den KVB und in Abstimmung mit der RheinEnergie einen Plan für den weiteren Ausbau des E-Bus-Netzes zu erstellen. Ziel dieser Planung soll eine Umstellung der kompletten Busflotte auf elektrischen Antrieb sein. An der Umsetzung dieses weiteren zentralen Bausteins in der Verbesserung des ÖPNV und des Klimaschutzes in Köln arbeite die Verwaltung derzeit mit Hochdruck. Eine entsprechende Beschlussvorlage soll noch in diesem Sommer in die politischen Gremien eingebracht werden.

(mit Material von dpa) (Felix Schröder)