Anschlag mit Ammoniumnitrat geplant?

Kölner Polizei sucht Verdächtigen

26.01.2016 Köln. Knapp zwei Wochen vor dem Rosenmontagszug in Köln fahndet die Polizei nach einem Terror-Verdächtigen. Er soll in einem Pulheimer Baumarkt eine verdächtige Menge an Ammoniumnitrat gekauft haben.

Mit den Substanzen könne "mit entsprechenden Kenntnissen ein explosionsfähiges Gemisch" hergestellt werden, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstag mit. So wurde der Stoff beispielsweise beim Anschlag in Oklahoma 1995 genutzt. Und auch bei der Rohrbombe vom Bonner Hauptbahnhof hatten Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts den pulvrigen Feststoff gefunden (siehe Kasten unten).

Die Kölner Polizei sucht nun einen bisher nicht identifizierten Mann. Der Unbekannte, der von Mitarbeitern des Knauber-Marktes vom Aussehen als "aus dem Nahen Osten stammend" beschrieben wird, hatte am vergangenen Freitag in dem Baumarkt die Chemikalien gekauft. Ein Mitarbeiter des Baumarktes informierte die örtliche Polizei am Tag darauf, teilte die Polizei am Dienstag mit.

Intensive Ermittlungen des polizeilichen Staatsschutzes der Polizei Köln haben bis jetzt nicht zur Identifizierung des Mannes geführt. Der 170 bis 175 cm große, schlanke Unbekannte sprach gut Deutsch. Er hat eine spitze Nase und hohe Geheimratsecken. Er trägt einen kurzen dunklen Vollbart, im Kinnbereich leicht grau. Er soll 45 bis 50 Jahre alt sein.

Nach bisherigen Ermittlungen hat der Unbekannte um 16.20 Uhr den Baumarkt an der Siemensstraße in Richtung Pulheim zu Fuß verlassen Aufnahmen des Baumarktes zeigen den Gesuchten.

Absage des Rosenmontagszuges bisher nicht geplant

Zu Mutmaßungen, eine möglicherweise ergebnislose Fahndung nach dem Mann könne Auswirkungen auf den bevorstehenden Karneval in Köln haben, sagte ein Polizeisprecher: "Wir ermitteln jetzt erst mal in dem Fall." Noch sei nicht gesichert, ob die Chemikalien zur Herstellung von Sprengmitteln gekauft worden seien. Zum Rosenmontagszug in der Karnevalshochburg Köln werden rund eine Million Zuschauer erwartet.

Die Sprecherin des Festkomitees Kölner Karneval, Sigrid Krebs, sieht den Rosenmontagszug trotz der Fahndung nach einem mutmaßlichen Bombenbauer nicht gefährdet. „Wir haben keinen Grund, den Kölner Rosenmontagszug abzusagen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Fahndung und dem Karneval. Das bestätigt uns die Polizei.“

Die „Bild“-Zeitung meldete dagegen am Dienstagnachmittag, dass durch die Fahndung der Rosenmontagszug in Köln abgesagt werden könnte. Eine Quelle nennt die Zeitung dafür jedoch nicht.

"Nehmen Hinweis sehr ernst"

Wie die Polizei mitteilte, sei es nicht gesichert, dass der Kauf der üblicherweise für Reinigungsmaßnahmen bestimmten Chemikalien im Zusammenhang mit einer zweckfremden, kriminell motivierten Verwendung steht. Aber: "Staatsanwaltschaft und Polizei nehmen den Hinweis insbesondere mit Blick auf die aktuelle Sicherheitslage und die Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger sehr ernst."

Sofern sich der Gesuchte selbst wiedererkenne und die Chemikalien für den Hausgebrauch bestimmt sei, solle er sich umgehend bei der Polizei melden. Zeugen, die den Mann kennen, werden gebeten, sich über Notruf 110 an die Polizei zu wenden. (Michael Wrobel)