Gläubige wollen Bischof wählen

Kölner Kircheninitiative startet Fragebogenaktion unter Katholiken

Kardinal Joachim Meisner steht im Dom am Altar. Seine Nachfolge beschäftigt jetzt schon viele Gläubige.

KÖLN. "Lasst uns den Bischof wählen" - unter diesem Motto setzen sich reformorientierte katholische Priester, Ordensleute und Laien in der Kölner Kircheninitiative (KKI) für mehr Mitbestimmung der Gläubigen bei der Wahl des nächsten Erzbischofs von Köln ein.

Seit Gründung der KKI Anfang Dezember haben 1200 Menschen einen offenen Brief an Papst Franziskus und das Kölner Domkapitel unterzeichnet. Sie fordern die Einbeziehung der Gläubigen und mehr Transparenz bei der Wahl des Nachfolgers von Joachim Kardinal Meisner.

Nun hat die Initiative dazu eine Fragebogenaktion gestartet. Die zwei Millionen Katholiken im Erzbistum Köln werden aufgerufen, Angaben zu den gewünschten Eigenschaften des nächsten Erzbischofs zu machen, Kandidaten vorzuschlagen und Aufgaben zu benennen, die der Neue vorrangig anpacken sollte. Das Ergebnis soll nach der Annahme von Meisners Rücktrittsgesuch veröffentlicht werden.

Den Fragebogen habe man anhand der Rückmeldungen von 400 Unterstützern entwickelt, die ihre persönlichen Erwartungen an den Bischof geschildert hätten, sagte Diakon Hanno Weinert-Sprissler, ein Mitbegründer der Initiative, jüngst bei einer Podiumsdiskussion in Köln vor rund 170 Teilnehmern. Er wies Kritik zurück, die KKI zeige "schlechtes Benehmen", wenn sie vor Meisners Rücktritt über dessen Nachfolge spreche. Dies sei legitim, zumal nicht nur die Medien über das Thema berichteten, sondern auch der Kardinal selbst seit Langem in der Öffentlichkeit über seinen Rücktritt rede.

Der Kirchenhistoriker Gerhard Hartmann erinnerte an die in altchristlicher Zeit übliche Wahl der Bischöfe durch die Gläubigen. So habe etwa Papst Cölestin I. (422-432) "den Grundsatz vertreten, dass niemand gegen den Willen der Gemeinde zum Bischof bestellt werden darf". Die bis weit ins Mittelalter übliche Beteiligung des Volkes sei zurückgedrängt worden zugunsten eines freien Ernennungsrechts des Papstes. Das führe dazu, dass bei der Bischofsbestellung "weiterhin Einflüsterer und gewisse Seilschaften das Sagen haben", so Hartmann. Für diese "Fehlentwicklung" gebe es keine biblischen Grundlagen.

Der Kirchenrechtler Prof. Thomas Schüller (Universität Münster) unterstrich, dass "in 99,9 Prozent der Fälle der Papst die Bischöfe bestellt". Regelungen wie in Köln, wo formal das Domkapitel den Erzbischof wählt, seien die absolute Ausnahme. Papst Franziskus habe zwar gesagt, dass er dezentralisieren wolle. Doch eine Beteiligung der Gläubigen an der Bischofswahl bedeute "Machtverlust für den Papst und das Domkapitel" - und "Macht zu verlieren, fällt in der Kirche, wo so viel von Demut und Dienen die Rede ist, sehr schwer", sagte Schüller.

Vertreter des Domkapitels hatten eine Teilnahme an der Debatte abgelehnt. Die KKI schlägt vor, dass das Domkapitel Rom nur Kandidaten nennen solle, die von den Gläubigen ausgewählt wurden - etwa über Wahlmänner und Wahlfrauen oder diözesane Beratungsgremien.

Info: Der Fragebogen steht zum Download bereit unter www.koelner-kircheninitiative.de