Rhabarber in Voreifel und Vorgebirge

Je röter die Staude, desto süßer

Wilfried Kuhl aus Bornheim pflanzt auf 4,5 Hektar Rhabarber an. "Eine Schwierigkeit im vergangenen Jahr war die Trockenheit.", sagt er.

Wilfried Kuhl aus Bornheim pflanzt auf 4,5 Hektar Rhabarber an. "Eine Schwierigkeit im vergangenen Jahr war die Trockenheit.", sagt er.

Rhein-Sieg-Kreis. Die Rhabarber-Ernte ist angelaufen. Landwirte verzeichnen mit einem recht kalten Winter und viel Sonne in den vergangenen Wochen gute Wachstumsbedingungen für das gefragte Gemüse.

Manche Menschen lieben seinen Geschmack, anderen ist er zu sauer: Rhabarber. Inzwischen hat die Frühernte mit dem unter Folie gezogenen Gemüse auch im Vorgebirge begonnen. Von 7 bis 18 Uhr stehen die Landwirte im Feld und ziehen die Stangen mit einem Ruck aus der Staude. Die Wachstumsbedingungen waren mit einem relativ kalten Winter sowie den Sonnenstrahlen der vergangenen Wochen recht gut.

Für den Swisttaler Landwirt Joachim Heinen ist es in diesem Jahr die dritte Ernte im Bereich Sonderkulturen, zu denen neben Rhabarber auch Johannisbeeren und Kürbisse gehören. Auch wenn der 54-Jährige in der vierten Generation in der Landwirtschaft tätig ist, fühlt sich der Buschhovener im Gemüseanbau noch ein wenig unerfahren, wie er sagt. Denn bisher hat die Familie ausschließlich Ackerbau betrieben, den nun Sohn Oliver Heinen (25) übernommen hat.

Von den 25 Hektar an Sonderkulturen auf den Feldern Heinens im Umkreis von Buschhoven wachsen auf rund fünf Hektar rund 40 000 Rhabarber-Stauden. Sieben Erntehelfer sind den ganzen Tag im Einsatz, Heinen kontrolliert die Qualität und entscheidet, ob das Gemüse reif ist. „Durch die Sonne der letzten Wochen, sind die Stangen schneller gewachsen. Die Dicke ist normal, aber durch das schnelle Wachstum unter der Folie ist die rote Ausfärbung nicht so ausgeprägt“, bedauert der Landwirt – zumal es sich um die Sorte „Frambozen“ handele, deren Merkmal die besonders rote Ausfärbung sei.

Sorte "The Sutton" wird nur noch bis 2018 angebaut

Noch hat Heinen allerdings die in ihrer Rotfärbung weniger ausgeprägte Sorte „The Sutton“ im Sortiment. Dieser Stangentyp ist zwar deutlich milder, dafür aber sehr säuerlich im Geschmack. „Den werden wir wohl nur noch bis 2018 anbauen. Dann wollen wir die Anpflanzung ausschließlich auf roten Rhabarber ausrichten. Denn der kommt bei den Kunden besser an. Im Allgemeinen ist der auch voller im Geschmack“, erläutert der Buschhovener, der seine Produktion über den Ringener Zwischenhandel Frutania an den Lebensmitteleinzelhandel verkauft.

Mitten in der Ernte befindet sich seit Ende März auch der Bornheimer Gemüsebauer Wilfried Kuhl. Auf 4,5 Hektar, davon 3,5 unter Folie, pflanzt der 63-Jährige wie sein Swisttaler Kollege die englische Rhabarber-Sorte „The Sutton“ an. Es sind kräftige Stangen – in Deutschland eine Rarität – die zur Hälfte rot und zur Hälfte grün sind. Mit der bisherigen Ernte ist der Landwirt trotz der Trockenheit des vergangenen Herbstes zufrieden.

Allerdings sei der Ertrag unter der Folie geringer als im Jahr zuvor. „Die Stangen sind normal. Das Problem letztes Jahr war die zu große Trockenheit, sodass der Ackerboden zu wenig Kraft für die Pflanze aufgebracht hat“, erklärt Kuhl. „Denn als Sumpfpflanze braucht der Rhabarber im Herbst viel Wasser. Der Saft in den Blättern geht in die Staude zurück, und damit wächst sie schneller.“

Kuhl verkauft seine Produktion über den Zwischenhändler Landgard an verschiedene Discounter. Enttäuscht zeigt sich der Bornheimer über den Preisverfall, der sich schon in den ersten Tagen des Verkaufs bemerkbar gemacht habe. Lag dieser zu Erntebeginn noch bei 1,20 Euro das Kilo, erhält der Bornheimer jetzt nur noch 60 Cent für dieselbe Menge.

Trockener Herbst macht Rhabarber zu schaffen

Für zwei Euro und 1,50 Euro das Kilo verkauft Landwirt Helmut Hartmann seine Stangen im Hofladen beziehungsweise beim Kölner Großmarkt. Auf 1,2 Hektar baut der Sechtemer sowohl unter Folie als auch im Freiland das fruchtige Gemüse an. Die Trockenheit des Herbstes hat auch seinem Rhabarber zu schaffen gemacht. „Die Stangen sind in diesem Jahr ein wenig dünner, denn sie konnten nicht genügend Energie und Wasser sammeln“, beobachtet der 50-Jährige, der die Ernte gemeinsam mit Lebensgefährtin Cornelia Schröder (40) und dem 82-jährigen Seniorchef Severin Hartmann ohne weitere Hilfe einholt. „Je röter die Staude, desto süßer schmeckt sie. Allerdings ist der frühe Rhabarber geschmacklich nicht so ausgereift wie der spätere im Freiland“, macht der Sechtemer Gemüsebauer deutlich.

Mit seinem „Holsteiner Blut“ verkauft Hartmann eine rotstielige Sorte mit besonders vitaminreichem Fruchtfleisch und einem milden, leicht säuerlichen Geschmack. In Kürze rechnet er auch mit dem Start der Freilandernte – falls die Sonne mitspielt. Geerntet wird Rhabarber voraussichtlich noch noch bis zum Johannistag am 24. Juni.