Ilka von Boeselager zieht sich aus der Politik zurück

"Ich will Adenauer nicht nacheifern“

Ilka von Boeselager kandidiert 2017 nicht mehr für den nordrhein-westfälischen Landtag.

Ilka von Boeselager kandidiert 2017 nicht mehr für den nordrhein-westfälischen Landtag.

Rhein-Sieg-Kreis. Nach 27 Jahren kandidiert Ilka von Boeselager (CDU) 2017 nicht mehr für den Landtag. Die 71-Jährige möchte mehr Zeit fürs Privatleben haben.

27 Jahre im nordrhein-westfälischen Landtag sind genug für Ilka von Boeselager aus Swisttal-Dünstekoven. Im Mai 2017 wird sie nicht mehr für ein Mandat in Düsseldorf kandidieren. „Es gibt auch ein Leben nach der Politik“, sagte die 71-Jährige gestern im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Sie möchte mehr Zeit für ihr Privatleben haben, sich aber weiter für soziale und kulturelle Belange einsetzen.

Seit 1990 vertritt Ilka von Boeselager die linksrheinischen Kommunen Alfter, Bornheim, Swisttal, Meckenheim, Rheinbach und Wachtberg in Düsseldorf. Ihr Mandat holte sie stets direkt, auf eine Absicherung über einen Listenplatz verzichtete sie. „Ich möchte Adenauer nicht nacheifern“, sagte sie gestern. Sie habe die Aufgaben für die Region und den Wahlkreis gerne und mit Leidenschaft wahrgenommen. Es sei aber an der Zeit, diese Verantwortung bald einer anderen Person zu übertragen. Über ihre Landtagskandidatin oder ihren Landtagskandidaten für die Wahl am 14. Mai 2017 wird die linksrheinische CDU voraussichtlich im Herbst entscheiden.

Von den 27 Jahren im Landtag, die es 2017 sein werden, hat Ilka von Boeselager 22 in der Opposition verbracht. Das war nicht immer leicht, dennoch, so sagt sie, habe sie wichtige Anliegen sachlich begründet auch im Gespräch mit SPD-Ministern auf den Weg bringen können. Sie habe ihre Arbeit in Düsseldorf immer überparteilich verstanden. Entscheidend sei für sie, was für die Region herauskomme. Sie sei in Düsseldorf nicht in erster Linie einer Partei verpflichtet, sondern allen Bürgern in ihrem Wahlkreis. Zu den Erfolgen, an denen sie mitgewirkt habe, zählt sie beispielhaft unter vielen anderen Projekten Maßnahmen zur Stärkung der Infrastruktur – wie etwa den Autobahnanschluss Bornheim samt Gewerbegebiet Bornheim-Süd, die Bornheimer Umgehungsstraße, den Kampf gegen eine Ausweitung des Kiesabbaus in Bornheim, Alfter und Swisttal sowie den Bau der Lärmschutzwand an der A 61 bei Miel, der nun im Herbst endlich gebaut werden soll. Dass der Baubeginn sich ständig verzögert, schreibt von Boeselager dem Personalmangel beim Landesbetrieb Straßen.NRW zu. Es seien landesweit einfach zu viele Projekte in Arbeit. Hauptproblem sei noch nicht einmal fehlendes Geld, sondern fehlendes Personal, um die Planungen auch umzusetzen.

Ein Thema, um das sich Ilka von Boeselager seit Jahren kümmert, ist die Sicherheit. „Das ist schon gravierend“, sagt sie im Hinblick auf die Zahl der Einbrüche. Deshalb fordert sie eine stärkere Polizeipräsenz: „Polizisten müssen von Verwaltungstätigkeiten entlastet werden, damit sie sich auf ihre Kernaufgabe, die Verbrechensbekämpfung, konzentrieren können.“ Außerdem fordert sie härtere Strafen, um potenzielle Täter abzuschrecken. Das Thema Flüchtlinge werde die Gesellschaft noch Jahre beschäftigen. Die kurzfristige Unterbringung sei das eine, die größere Aufgabe warte noch: diesen Menschen Wohnraum und Arbeitsplätze zu verschaffen.

An all den genannten Aufgaben will Ilka von Boeselager als Sprecherin für Europa- und Entwicklungspolitik der CDU-Fraktion sowie im Wirtschaftsausschuss des Landtags noch bis zum letzten Tag ihrer Wahlperiode „mit Leidenschaft“ arbeiten. Und dann? „Zunächst einmal will ich von der 60-Stunden-Woche runter“, sagt sie. Auf sozialem und kulturellem Gebiet will sie sich weiter engagieren, ohne jetzt schon konkrete Projekte zu nennen. Die ausgebildete Reisebürokauffrau, die 1985 ihr eigenes Unternehmen gründete, das jetzt von ihrer Tochter Kristina geführt wird, kann sich auch vorstellen, Reisegruppen zu leiten oder beim Management der Burg Heimerzheim zu helfen. Wenn dann noch Zeit bleibt, will sie ein Buch schreiben, „etwas Autobiografisches, denn ich habe viele interessante Menschen getroffen“. Da nennt sie an erster Stelle den früheren Landrat Franz Möller, von dem sie viel gelernt habe. Und schließlich: „Ich werde die Politik vermissen, denn ich bin ein politischer Mensch.“