Hochwasserschutz

Hochwasser: Meckenheim, Rheinbach und Swisttal treffen Vorsorge

Rhein-Sieg-Kreis. Ob Regenrückhaltebecken, leistungsstarke Pumpwerke, Erdwälle oder schlichte eine regelmäßige Kontrolle und Säuberung von Bächen: Ein Jahr nach dem verheerenden Starkregen sind in Meckenheim, Rheinbach und Swisttal viele Vorkehrungen getroffen.

Kurz nach 16 Uhr ist es, als die sonst so sanft dahinfließende Swist binnen Minuten zum reißenden Fluss wird. Am Nachmittag des 4. Juni 2016 – also vor einem Jahr – öffnet der Himmel seine Schleusen und lässt Regenmengen wie sonst in einem ganzen Monat über der Grafschaft, Wachtberg und Meckenheim niedergehen. In kürzester Zeit füllt sich die Swist und überflutet zahlreiche Straßen und Keller in Meckenheim, Morenhoven, Heimerzheim und Flerzheim (siehe Kasten). Der General-Anzeiger wollte wissen, was seit dem verheerenden Starkregenfällen in den drei Swistanrainerkommunen Meckenheim, Rheinbach und Swisttal geschehen ist, um gegen solche Fluten gewappnet zu sein?

Meckenheim hatte schon vor dem Hochwasser ein Konzept

In der Apfelstadt geht die Verwaltung das Thema Starkregen bereits seit den lokalen Regenereignissen von 2014 und 2015 „sehr offensiv“ an, wie Marion Lübbehüsen, Sprecherin der Stadt Meckenheim, auf GA-Anfrage erklärt. Zu dem Thema gab es in der Vergangenheit einige gemeinsame Informationsveranstaltungen mit dem Kanalnetzbetreiber Erftverband, betont Lübbehüsen. Dabei seien die Vorsorgemöglichkeiten der Eigenheimbesitzer und die Schutzvorhaben der Stadt beleuchtet worden. „Durch die bereits durchgeführten Maßnahmen an der Infrastruktur konnten dann tatsächlich weitere Schäden im Jahr 2016 abgewendet werden“, berichtet die Stadtsprecherin.

Und: In Kürze wird die Stadt Meckenheim mit dem Erftverband die abgeschlossenen außerplanmäßigen Maßnahmen am Kanalnetz und dem neuen Regenrückhaltbecken an der Gudenauer Allee der Öffentlichkeit vorstellen. Hintergrund: Bereits im Frühjahr 2016 und somit Monate vor dem Juni-Hochwasser hatten Stadt und Erftverband beschlossen, mit einem gemeinsamen Handlungskonzept Abhilfe gegen die Fluten von oben zu schaffen, um besonders die Bürger an der Promenade, an der Noldestraße und der Liebermannstraße besser zu schützen (der GA berichtete).

Zu den Plänen gehören ein neues, leistungsfähigeres Pumpwerk, ein zusätzlicher Entlastungskanal samt Regenrückhaltebecken und die Mulde mit Kiesbett zur Oberflächenentwässerung der Promenade. 2,1 Millionen Euro sind veranschlagt, 300 000 Euro kommen von der Stadt. Diese zusätzlichen Präventionsprojekte führen dazu, so Lübbehüsen, dass Meckenheim als Beispielkommune bei Fachtagungen und Seminaren aufgeführt werde und andere Kommunen sich hierüber in Meckenheim informierten.

Rheinbach baut Rückstausicherungen ein

In der Nachbarkommune gilt der sorgenvolle Blick nicht nur der Swist. Die Stadtverwaltung beschäftige sich zur Erfüllung der EU-Wasser-Risikomanagement-Richtlinie bereits seit Jahren mit dem Hochwasserschutz, wie Norbert Sauren, Sprecher der Stadt Rheinbach, betont. Nach der vom Land Ende 2011 aufgestellten Bewertung des Hochwasserrisikos gab es in der Glasstadt eine Bestandsaufnahme der Gewässerabschnitte, an denen ein signifikantes Hochwasserrisiko identifiziert wurde.

„Anschließend galt es, anhand von Hochwasserrisikokarten das Überflutungsrisiko für die Swist und den Eulenbach (Gräbbach) darzustellen und Maßnahmen zur Vermeidung und Reduzierung der Hochwasserrisiken zusammenzutragen“, weiß Sauren. Dies sei bis Ende 2015 erfolgt.

Nach wie vor befindet sich das Projekt in der Ausführungsphase: Nachdem 2015 im Ortsteil Flerzheim in der Zippengasse an zwei Stellen Rückstausicherungen eingebaut wurden, sei im Herbst 2016 eine weitere Rückstausicherung im Regenwasserkanal an der Mönchgasse installiert worden. Denn: Der Kanal liegt an seiner tiefsten Stelle unter der Uferlinie der Swist.

Derzeit erarbeiten Stadt und Feuerwehr eine detaillierte Einsatzplanung für den Hochwasserfall in Flerzheim aus. Zum Hochwasserschutz am Eulenbach gab es im Mai eine Bürgerinformation in Ramershoven. Kein Deich aber mehrere Erdwälle sollen entstehen, um die Menschen vor Hochwasser zu schützen. Bei einem „hundertjährigen Hochwasser“ wäre sonst der gesamte Ortskern (teilweise denkmalgeschützt) gefährdet.

Die Stadt investiert 300 000 Euro. Das letztjährige Hochwasser sei also nicht ausschlaggebend gewesen für die Anstrengungen, die seitens der Stadt bisher unternommen wurden, so Sauren. „Es hat vielmehr den Nachweis erbracht, dass die Prognosen zu den Überschwemmungsgebieten relativ realitätsnah sind.“

Swisttal sorgt sich um das Bächelchen

Nur wenige Tage nach dem Juni-Starkregen tagten in Swisttal die zuständigen Ratsgremien. Das Ziel: Die Hochwasservorsorge müsse vor allem in Miel fürs sogenannte Bächelchen und den Jungbach sowie die Privatgrundstücke am Küpperweg getroffen werden.

Zeitlich günstig ist dabei, dass der Landesbetrieb Straßenbau NRW für die Mieler Ortsumgehung die Bachgebiet in seine Pläne einfließen lässt. „Anhand von Modellberechnungen soll dabei eine nachhaltige, wirtschaftliche, genehmigungsfähige Lösung auch für die Verbesserung des Hochwasserschutzes gefunden werden“, sagt Bernd Kreuer, Sprecher der Gemeinde Swisttal. Landesbetrieb, Erftverband und die Untere Wasserbehörde des Kreises befänden sich hierzu in der Abstimmung, die Gemeinde sei am Verfahren beteiligt.

Außerdem erfolgt durch den Baubetriebshof der Gemeinde eine verstärkte Kontrolle des Bächelchens. Die Mitarbeiter entfernen dabei Unrat sowie Laub und Grünschnitt, so Kreuer. Bei Kontrollen stellten Mitarbeiter fest, dass an manchen Stellen am Küpperweg Laub in den Graben des Bächelchens gekippt worden ist. Und: Mit der Kommunalagentur des Städte- und Gemeindebundes erfolgt zurzeit eine Überarbeitung des Hochwasseralarmplans, der den zuständigen Ratsgremien im Herbst vorgestellt werden soll.

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