Landwirtschaft in der Region

Harte Böden erschweren Rübenernte

RHEIN-SIEG-KREIS. Die Ernte der Zuckerrüben ist im vollen Gange. Die Rüben liefern den süßen Saft, aus dem Zucker und Sirup hergestellt werden. Die lange Trockenheit beschert weniger Erträge, hat aber auch einen höheren Zuckergehalt zur Folge.

Schwierige Erntebedingungen und weniger Erträge prägen die laufende Zuckerrübenernte in der Region. Die lange Trockenheit macht den Landwirten zu schaffen, weil die Böden hart sind und die Rodung der Ackerfrüchte erschweren. Die Trockenheit hat aber auch ein Gutes: Der Zuckergehalt der Rüben ist mit 18 Prozent vergleichsweise hoch.

Johannes Brünker nennt es den „Rosineneffekt“: Durch den zuletzt andauernden Wassermangel sowie die starke Sonneneinstrahlung sinke der Wassergehalt in der Rübe, und der Anteil des Zuckers steige, erklärt der Landwirt aus Swisttal-Hohn, der Mitglied im Beirat des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes für den Bezirk Bonn, linksrheinischer Rhein-Sieg-Kreis, Brühl und Wesseling ist.

Auf etwa 80 Prozent der Flächen gebe es durch die Trockenheit keine Ertragszuwächse, wie sie eigentlich im Herbst üblich seien, sagt Brünker. Abgemildert werde dieser Effekt aber durch den vergleichsweise hohen Zuckergehalt, der sonst durchschnittlich bei 16 Prozent liege. Wegen der geringeren Erträge werde die Rübenkampagne voraussichtlich auch schon vor Weihnachten enden. Sonst bringen die Landwirte ihre Ernte bis Januar zur Verarbeitung in die Zuckerfabrik Euskirchen. Der Name Kampagne rührt daher, dass die Zuckerfabriken nach einem genauen Zeitplan beliefert werden, damit der Betrieb nicht stillsteht.

Weil die Böden so hart waren, ist die Kampagne in der Region mit dem 21. September eine Woche später als sonst gestartet. Vor allem im südlichen Teil des Rheinlands, überwiegend in Swisttal und Umgebung, sei es schon „außergewöhnlich trocken“ gewesen, und die Böden seien „nach wie vor sehr hart“, sagt Brünker. Die Rüben steckten also sehr fest in der Erde. Sie herauszuziehen, bedeute nicht nur höheren Energieaufwand, sondern auch eine große Belastung der Maschinen, der sogenannten Vollernter. Laut Brünker ist daher mit „sehr viel Materialverschleiß“ zu rechnen.

Auch die welken Blätter der Rüben sind hinderlich für die Ernte: „Die liegen da so wie eine Perücke“, beschreibt es Martin van Look, Werksverantwortlicher für die Landwirtschaft in der Zuckerfabrik Euskirchen. Da die Rüben durch das fehlende Wasser weniger gewachsen seien, sei die Scheitelhöhe gering: „Also das, was raussteht von den Rüben“, erklärt er. Dass sie fast ebenerdig wüchsen, erschwere das Roden. Auch blieben mehr welke Blätter an den Rüben hängen. Das gestalte wiederum die Rübenwäsche in der Fabrik aufwendiger.

Circa 10 000 Tonnen der Ackerfrüchte würden pro Tag in Euskirchen verarbeitet, sagt van Look. Neben Weißzucker werden auch flüssige Zucker wie Spezialsirup erzeugt. „Es ist kein gutes, aber auch kein schlechtes Jahr“, meint der Werksverantwortliche. Die Ernte werde voraussichtlich leicht unter dem fünfjährigen Schnitt liegen. Die Preise seien noch nicht endgültig verhandelt. Mindestpreise sieht die EU-Zuckermarktregelung nicht vor.

Auch der Mieler Landwirt Theo Heimbach spricht von einem „durchschnittlichen Jahr“. Den allgemeinen Trend im Rheinland mit weniger Erträgen, aber einem höheren Zuckergehalt der Rüben, kann er für seine Ernte bestätigen: 60 Tonnen Rüben pro Hektar mit einem Zuckergehalt von 19 Prozent kann er vorweisen.

Ähnlich sieht es bei Peter-Werner Decker aus Bornheim aus. Bei einer ersten Rodung habe er etwa 65 Tonnen pro Hektar geerntet. „Das geht eigentlich“, bewertet er das Ergebnis, „aber wir hatten auch sonst schon mal bis zu 80 Tonnen pro Hektar.“ Mit 18,5 Prozent sei der Zuckergehalt aber gut gewesen, sagt Decker, der auf 30 Hektar in Hersel, Uedorf und Widdig Zuckerrüben anbaut.

Am Samstag steht die zweite Rodung an: „Wir brauchen dringend Regen“, sagt er, „damit die Böden weicher werden“. Nur zu viel regnen dürfe es nicht, denn dann bildeten die Rüben neue Blätter aus. Das koste sie Energie und lasse den Zuckergehalt wieder sinken. Und nachdem lange ein trockener, harter Boden die Ernte erschwert hat, fehlt es den Landwirten gerade noch, dass es jetzt ein durch zu viel Regen völlig aufgeweichter, matschiger Boden tut.