Prozess in Bonn

Großvater räumt Missbrauch seines Enkels ein

Symbolbild

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Rhein-Sieg-Kreis. Seit Dienstag muss sich ein 64-jähriger Rentner aus dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis vor dem Bonner Landgericht verantworten, weil er seinen Enkel in sechs Fällen sexuell missbraucht haben soll.

„Gut“, antwortete die Mutter knapp und um Fassung ringend auf die Frage des Kammervorsitzenden, wie ihr Sohn die Geschehnisse verarbeitet habe. Vor dem Bonner Landgericht muss sich seit Dienstag ein 64-jähriger Rentner aus dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis verantworten, weil er seinen Enkel in sechs Fällen sexuell missbraucht haben soll.

Bei sich zu Hause, im Kinderzimmer oder Gartenhäuschen des Elternhauses – wo immer sich eine Gelegenheit ergab, nutzte der Großvater sie, um sich an seinem Enkel zu vergehen. Herausgekommen sind die Taten des Opas schließlich, weil der Junge seiner Schwester von den Vorfällen erzählt hatte. Als die Mutter dann mit ihren Töchtern einen Arztbesuch plante und in der Familie die Frage zu klären war, wo der Junge die Zwischenzeit verbringen solle, platzte das Mädchen mit der Wahrheit heraus: Nicht beim Großvater, denn der fasse ihren Bruder immer an.

Mutter war selbst Opfer

Daraufhin müssen bei der Mutter sämtliche Alarmglocken geläutet haben. Die heute 42-Jährige war nämlich in ihrer Kindheit selbst von ihrem Vater, dem Opa des Jungen, missbraucht worden. So hatte sie mit ihren Kindern auch schon lange, bevor sie von dem Vorwurf erfuhr, über das Thema Pädophilie gesprochen. Der Junge muss sich in einem enormen Gewissenskonflikt befunden haben: „Dann kommt der Opa in den Knast“, habe er seinem Enkel auf die Frage geantwortet, was passiere, wenn er jemandem von den Vorfällen erzähle. Das wird nun wohl auch passieren, und nach Auskunft der Mutter, die in dem Verfahren als Zeugin aussagte, finde ihr Sohn das mittlerweile auch in Ordnung.

Direkt nach der Warnung ihrer Tochter hatte die Mutter das Gespräch mit ihrem Vater gesucht; nach kurzem Abstreiten räumte er seiner Tochter gegenüber schließlich die Taten ein. Er solle sofort zur Polizei gehen und sich anzeigen – sonst werde sie das tun, drohte sie ihm. So weit kam es nicht: Der Großvater suchte psychologische Beratung, und indem er sich selbst anzeigte, ersparte er seinem Enkel, vor Gericht aussagen zu müssen. Seine Tochter hat seither jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen und wies ihren Vater an, sich ab sofort und für immer von der gesamten Familie fern zu halten.

Vor Gericht räumte der Großvater seine Verbrechen uneingeschränkt ein: „Mich verurteilen“, antwortete er knapp auf die Frage des Vorsitzenden, was die Kammer seiner Meinung nach nun tun solle. Er rechne mit drei bis vier Jahren Haft. Der Prozess wird kommenden Dienstag fortgesetzt.