Ein Jahr nach Übergriffen an Silvester

Großaufgebot der Polizei soll Feiern in Köln sicher machen

HANDOUT - Die Collage zeigt das Projekt "Time Drifts Cologne" vor dem Dom in Köln (Nordrhein-Westfalen). In Köln soll die Multimedia-Installation zu Silvester in der Umgebung des Dom zu sehen sein.

HANDOUT - Die Collage zeigt das Projekt "Time Drifts Cologne" vor dem Dom in Köln (Nordrhein-Westfalen). In Köln soll die Multimedia-Installation zu Silvester in der Umgebung des Dom zu sehen sein.

Köln. Die Domstadt rüstet sich für den Jahreswechsel. Im Einsatz sind zehnmal so viele Polizisten wie im Vorjahr. Übergriffe wie im vergangenen Jahr sollen unter allen Umständen verhindert werden.

Nach dem kollektiven Staatsversagen im Jahr zuvor soll diesmal alles gut werden. Seit Wochen bereiten sich Politik und Sicherheitskräfte in Köln auf die Silvesternacht vor. Ihr oberstes Ziel: Exzesse wie die massenhaften und stundenlangen sexuellen Übergriffe auf junge Frauen rund um Dom und Hauptbahnhof mit aller Macht zu verhindern.

Mit aller Macht, das bedeutet beispielsweise, dass dem Vernehmen nach ein Großaufgebot von 1500 Polizisten – und damit zehnmal so viele wie im Vorjahr – in der Kölner Innenstadt für Ordnung sorgen soll. Offenbar halten die Sicherheitsbehörden diese Stärke für erforderlich, um einen friedlichen Jahreswechsel zu gewährleisten.

Innenminister Ralf Jäger in Köln dabei

„Nach unserer Vorstellung wird es keinen Bereich geben, in dem Menschen hier in Köln – in der Innenstadtzone jedenfalls – keine Polizeibeamten sehen werden“, kündigte Polizeipräsident Jürgen Mathies bei der Vorstellung des Sicherheitskonzepts von Stadt und Polizei an.

Unter den Besuchern werden diesmal auch Personen sein, deren Präsenz nach den Vorfällen im vergangenen Jahr tagelang schmerzlich vermisst wurde. So hat beispielsweise der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) sein Erscheinen angekündigt. „Ich werde am Silvesterabend in Köln auf der Domplatte sein“, teilte der Minister kürzlich mit – und sah sich in den sogenannten sozialen Medien umgehend dem Vorwurf ausgesetzt, das Thema für den anlaufenden Wahlkampf ausschlachten zu wollen. Während über einen Besuch von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bislang nur spekuliert wurde, wird mit der Anwesenheit von Oberbürgermeisterin Henriette Reker allgemein gerechnet. Deren verhängnisvoller Satz von der „Armlänge Abstand“, den sie Frauen im Januar als Tipp mit auf den Weg gab, hallt bis heute nach.

Multimediashow für rund 225.000 Euro

Man wolle, so sagte Reker vor einigen Tagen bei einer Pressekonferenz, „Köln, wie es wirklich ist, wieder am Dom erlebbar machen“. Das heißt: Die Stadt des Frohsinns soll zum Jahreswechsel wieder schöne und harmonische Bilder produzieren. Dazu soll nicht zuletzt eine große Multimediashow beitragen, die der Stadtrat jetzt per Dringlichkeitsentscheidung genehmigt hat und die sich die Stadt rund 225.000 Euro kosten lässt. Der Berliner Lichtkünstler Philipp Geist will die Umgebung des Doms in einen „Licht-Traum-Raum“ verwandeln, in den Besucher „eintauchen“ können. Worte, Zeichen und Farben werden von Häusern und Gerüsttürmen auf den Boden und angrenzende Fassaden projiziert. Besucher können eigene Begriffe auch vorher einreichen. Der Dom selbst soll allerdings in bekannter Weise angestrahlt werden. „Die beste Antwort auf Schrecken wie im letzten Jahr ist, mit einem positiven Kunstereignis andere Bilder zu entwickeln“, sagte Geist der Deutschen Presse-Agentur. Hinzu kommen elektronische Klänge.

Sicherheitskonzept steht im Fokus

Vor allem aber werden die Augen der Öffentlichkeit auf das Sicherheitskonzept gerichtet sein. Ein Gutachten war zu dem Schluss gekommen, dass die Übergriffe in der Silvesternacht durch das späte Eingreifen der Polizei begünstigt wurden. Die Täter hätten den Bereich um den Kölner Dom stundenlang als rechtsfreien Raum erlebt, heißt es in dem Papier. Die damals etwa 140 eingesetzten Beamten der Landespolizei hätten die Feiernden nicht schützen können.

Die mehreren Hundert Männer vornehmlich nordafrikanisch-arabischer Herkunft seien wahrscheinlich durch Mundpropaganda oder soziale Netzwerke veranlasst worden, in die Innenstadt zu kommen. Als klar gewesen sei, dass in der Dunkelheit und Anonymität gefahrlos Straftaten begangen werden können, habe dies wohl einen Sogeffekt ausgelöst und die Hemmungen herabgesetzt. Auch wurde über Stunden der Dom gezielt mit Feuerwerkskörpern beschossen. Das soll diesmal mittels Böllerverbot verhindert werden.