Umfangreiche Bauarbeiten

Gleisarbeiten führen zu Bahnchaos rund um Bonn

Kein Halt in Roisdorf: Ein Zug der Linie RE 5 fährt ohne Stopp durch den Roisdorfer Bahnhof.

Während der Vollsperrung enden die Züge der Linien RE 5 und RB 26 aus Richtung Süden in Roisdorf.

Bonn/Region. Die Deutsche Bahn baut Anfang 2018 das Schienennetz rund um Köln aus. Die Folge: Bahnausfälle und Änderungen der Fahrpläne auf verschiedenen Linien in Bonn und der Region.

Bahnreisende in der Region werden im ersten Halbjahr 2018 nicht selten Geduld und starke Nerven brauchen. Sowohl links- als auch rechtsrheinisch wird die Bahn rund um den Eisenbahnknoten Köln umfangreich bauen. Was nicht ohne Auswirkungen auf den Verkehr bleibt. Wie Vertreter der Deutschen Bahn (DB) und des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR) am Dienstag in Köln erläuterten, werden die Fahrpläne zwischen Bonn und Köln sowie zwischen Troisdorf und Unkel ordentlich durcheinander gewirbelt. Grund dafür sind Arbeiten auf der Strecke zwischen Brühl und Sechtem sowie der Ausbau der S 13 zwischen Troisdorf und Bonn.

„Jede Baumaßnahme hat Auswirkungen auf den Verkehr“, sagte Bahnsprecherin Kirsten Verbeek. In diesem Zusammenhang freute sich NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober, dass der Zweckverband als Besteller der Leistungen im Nahverkehr, frühzeitig von der Bahn eingebunden worden sei. Ginge es nach der Bahn, würden Strecken einfach zwei Wochen gesperrt, so Reinkober. Soweit wird es indes nicht kommen. Dennoch sollten Bahnreisende die Fahrpläne in den kommenden Monaten genau studieren. Laut Reinkober könnten Abfahrzeiten wochenweise wechseln.

Erneuerung der Oberleitungen zwischen Brühl und Sechtem

Insgesamt 103 Masten und 7,2 Kilometer Oberleitungen werden auf der 3,7 Kilometer langen Strecke zwischen den Bahnhöfen in Brühl und Sechtem erneuert. Laut DB-Projektleiter Florian Bonn stammen die Oberleitungen noch aus dem Jahr 1959. „Um eine Oberleitung zu erneuern, muss man an die Strecke ran“, so Bonn. Dann könne kein Zug fahren. Beginn der eigentlichen Arbeiten ist am 3. Januar. Wie Bonn sagte, hätten allerdings schon Vorarbeiten ohne Auswirkungen auf den Verkehr begonnen. Bekanntlich hatten auch im Mai bereits Vorarbeiten stattgefunden, die durch Sperrungen und andere Fahrzeiten für ziemliches Chaos zwischen Bonn und Köln sorgten. „Was gelaufen ist, war nicht das, was dem Verkehrsstrom gerecht wurde“, sagte Benedikt Orta von der zuständigen Bahntochter DB Netz. In der Rückschau habe man daher überlegt, was besser gemacht werden könne.

Konkret wird es in vier Zeiträumen zu Teilsperrungen auf der Strecke kommen: 3. bis 15. Januar, 3. bis 17. Februar (mit Ausnahme der Karnevalstage), 24. Februar bis 10. März sowie 17. März bis 26. März. An den Wochenenden (bis Montagfrüh) 24./25. Februar, 3./4. März und 17./18. März ist die Strecke komplett dicht. Während der eingleisigen Streckensperrungen fährt der RE 5 in abweichenden Fahrzeiten. In Richtung Koblenz hält er zusätzlich in Roisdorf und Sechtem. Auch die RB 26 verkehrt abweichend. In Remagen ist ein Umstieg erforderlich, da die Verbindung zwischen Remagen und Mainz planmäßig fährt. Die RB 48 fällt zwischen Köln und Mehlem aus. Allerdings gibt es wochentags einen zusätzlichen Zug von Bonn (6.15 Uhr) nach Köln. Mehr sei nicht möglich, so Orta.

Der Fernverkehr wird zum Teil über Köln Messe/Deutz oder Beuel umgeleitet. Während der Totalsperrungen fahren zwischen Roisdorf und Brühl Ersatzbusse. Orta rät den Reisenden, sich frühzeitig und genau zu informieren. Und das gilt selbstredend auch für die zweite große Baumaßnahme.

Ausbau der S 13 zwischen Troisdorf und Bonn

Zwölf Jahre Bauzeit sind für das bereits begonnene Ausbauprojekt vorgesehen. Laut DB-Projektleiter Jens Sülwold finden im kommenden Jahr verschiedene Arbeiten statt – etwa Erneuerungen von Über- und Unterführungen sowie an den Oberleitungen. „Das ist das erste Jahr, in dem das abgestimmte Sperrpausenkonzept greift“, so Sülwold. Dieses greift sehr weit. Schließlich ist die betroffene Strecke Teil des Hauptgüterkorridors zwischen Rotterdam und Genua.

Das Sperrpausenkonzept greift in folgenden Zeiträumen: 21. bis 27. Januar, 18. bis 24. Februar, 10. bis 17. März, 9. April bis 9. Juni sowie vom 25. bis 27. August und vom 3. bis 5. November. Während unter der Woche die Strecke eingleisig gesperrt, ruht an der Bahnverkehr an fast allen Wochenenden in den genannten Zeiträumen vollständig. Während der eingleisigen Sperrungen fällt der RE 8 zwischen Troisdorf und Beuel aus, die RB 27 verkehrt mit abweichenden Fahrzeiten.

Während der zwei- bis viertägigen – es gibt einige verlängerte Feiertagswochenenden – Totalsperrungen fallen RE 8 und die RB 27 zwischen Troisdorf und Beuel aus – teilweise sogar bis Unkel. Es fahren Ersatzbusse. Der Güterverkehr wird laut Orta umgeleitet: teils linksrheinisch, größtenteils aber viel weiträumiger.

Für die Arbeiten zwischen Brühl und Sechtem investiert die Bahn nach eigenen Angaben 9,7 Millionen Euro. Die Arbeiten an der S 13 sollen im ersten Halbjahr 2018 zwölf Millionen Euro kosten. Dazu stehen noch zwei weitere Bauarbeiten an: Gleiserneuerungen zwischen Köln-Longerich und Köln-Nippes, die laut Bahn keine Auswirkungen auf den Nahverkehr haben sollen, sowie Gleiserneuerungen zwischen Köln-Mühlheim und Düsseldorf ab dem 9. April. Davon werden viele Nah- und Fernverkehrsverbindungen betroffen sein. Laut NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober sind diese Arbeiten „am spannendsten und am komplexesten“. Ein Fahrplankonzept hierfür gebe es allerdings noch nicht. Reinkober: „Wir sind noch in Abstimmungsprozessen.“

Die Erneuerung der Oberleitungen auf der linksrheinischen Strecke wird überdies fortgesetzt. Weitere Abschnitte auf freier Strecke sollen laut Florian Bonn im Jahr 2020 folgen: „Und irgendwann wollen wir auch an die Bahnhöfe ran.“