Drei Paare erzählen: Plötzlich ist es Liebe

Geschichten aus Vorgebirge und Voreifel zum Valentinstag

Vorgebirge/Voreifel. Ein flüchtiger Blick, ein Lächeln oder mehr: Bei dem einen schlägt die Liebe wie ein Blitz ein, bei dem anderen entwickelt sie sich erst. Wir haben drei Paare aus dem Vorgebirge und der Voreifel zum Valentinstag, dem Tag der Liebenden, danach gefragt, wie sie sich gefunden haben.

Am Veilchendienstag 1991 haben sie sich bei einer Karnevalsparty in Bonn kennengelernt. Es hat dann noch etwa ein Jahr gedauert, bis sie ein Paar wurden. 2003 haben sie schließlich ihre Lebenspartnerschaft vor dem Bonner Standesamt offiziell eintragen lassen. Frank Johannes Knepper (53) und Godehard Rupp (46) empfinden ihr Zusammensein als ganz normal, „keine Auszeichnung, aber auch kein Makel“. Und so sieht es auch die Heimerzheimer Nachbarschaft, wenn man sich mal auf einen Kaffee trifft. „Die Welt ist bunt“, sagt Knepper.

Er war früher Angestellter in der Bundestagsverwaltung und Bürovorsteher in einer Anwaltskanzlei, bevor er seine Liebe zum Ballett entdeckte. Er leitet heute eine Ballettschule und produziert Tanz- und Theateraufführungen und Musicals.

Godehard Rupp stammt aus Büren bei Paderborn. Er ist Direktor des Kölner Reiseunternehmens BCD Travel, einer der weltweit drei größten Anbieter von Gesellschaftsreisen. Als er Knepper kennenlernte, fanden sich beide zunächst „nur“ sympathisch. Man traf sich später in Bonn zum Kaffee und telefonierte zwischendurch. Mehr war nicht. Godehard Rupp war sich seiner Homosexualität damals bewusst, deshalb hatte er ja das Dorf Büren verlassen, um sich abzunabeln. Knepper hingegen wusste lange nicht, wie er seine Gefühle für Rupp einordnen sollte. Bis dahin hatte er immer nur Beziehungen zu Frauen gehabt, die ihm aber nicht die Erfüllung gebracht hätten.

Nach einem Jahr des Zusammenseins wurden sie als Paar wahrgenommen. „Es geht im Endeffekt doch nicht um die Frage der Sexualität, sondern darum, wie ich mich meinen Mitmenschen gegenüber verhalte“, sagt Knepper. „Wir definieren uns nicht über unsere Homosexualität.“ Das war den beiden auch wichtig, als sie 2015 in Heimerzheim mit Kneppers Schwester Rita das Dreigestirn bildeten.

Der Tag ihrer „Verpartnerung“ vor dem Standesamt wurde nach dem offiziellen Teil ein schönes Familienfest, sogar mit einer Torte, die die Aufschrift „Godehard und Frank“ zierte. Auf den obligatorischen Kuss hätten sie allerdings verzichtet.

Rupp: „Es war schon ein langer Prozess vom Kennenlernen bis zum Zusammenleben.“ Besonders seiner Mutter sei dies nicht leicht gefallen, denn sie entstamme einer urkatholischen Familie, sei Vorsitzende der katholischen Frauengemeinschaft und im Kirchenvorstand gewesen. Mittlerweile gebe es aber keine Berührungsängste mehr, die Resonanz in beiden Familien sei positiv. „Gegensätze ziehen sich an. Hier der temperamentvolle Rheinländer, da der ruhige Westfale“, findet Rupp. Und da beide den Karneval lieben, waren sie natürlich wieder beim Heimerzheimer Rosenmontagszug dabei.

„Das Deckelchen hat einfach auf den Topf gepasst“, resümiert die aus der Steiermark stammende Hedi Göttner (70) über nunmehr 49 Ehejahre mit ihrem Alfterer Jung Helmut Göttner (78). Sie hatte ja schon immer Spaß an ihm, damals im Deutschen Alpenverein Siegburg. Er, der attraktive Kerl mit dem verschmitzten Lächeln, der das Klettern so sehr liebte und diese Ruhe ausstrahlte.

Beim Edelweißfest des Vereins, in dem beide seit 57 Jahren Mitglied sind, hat es am 26. Oktober 1968 endlich so richtig gefunkt. Er fühlte sich von ihrer natürlichen und unkomplizierten Art angezogen, und nach einem weiteren gemeinsamen Klettern und einem Ausflug war für ihn sofort klar: Diese Frau will ich heiraten. Und von da an ging alles ganz schnell. Sie zogen bei den Schwiegereltern ein, die Tochter wurde geboren, das Blumengeschäft in Alfter-Ort gegründet.

Und seit 15 Jahren leben sie nun mit ihrer Tochter und deren Familie wieder als Großfamilie zusammen. „Die jungen Generationen im Haus zu haben, hält uns auch jung“, freuen sich die beiden. Gesundheitlich geht vieles nicht mehr so wie gewünscht, doch wie immer in ihrer Ehe machen sie aus jeder Situation das Beste.

Heute spazieren sie am liebsten am Rhein bei Unkel, weil dort viele Bänke stehen, mit Decke zum Ausruhen im Gepäck. Und fahren an den Fuß der Berge, die sie einst bestiegen haben, schauen hinauf und erinnern sich gemeinsam an ihre vielen schönen Touren. Deshalb soll es in diesem Jahr nicht wandernd, sondern mit dem Auto auf die Großglockner Hochalpenstraße gehen. Dort möchten sie noch einmal übernachten, denn dies war der erste Dreitausender, den Hedi Göttner vor 55 Jahren bestiegen hat.

Valentinstag bedeutet ihnen nichts, aber ihren Hochzeitstag, den feiern sie gleich zweimal, den standesamtlichen und den kirchlichen, weil man ja die Feste feiern soll, wie sie fallen. Einen der beiden Tage begehen sie traditionsgemäß mit einem Ausflug. Und das Paar freut sich schon auf seine Goldhochzeit 2019. Die möchten sie mit einer Flusskreuzfahrt und einem Fest im engsten Familienkreis begehen.

Für Lorraine Keils (26) aus Dersdorf war es Liebe auf den zweiten Blick. „Ich war 2016 Maikönigin in Waldorf vom dortigen Junggesellenverein“, erzählt sie. Eigentlich sei sie gar nicht an einer neuen Beziehung interessiert gewesen, weil sie frisch Single war.

Es dauerte dann noch ein Jahr, bis sie und Mario Bené (23), ebenfalls aus Dersdorf, ein Paar wurden. „Ich war damals Präsident vom Junggesellenverein, und dort haben wir uns auch kennengelernt“, sagt der Mechatronikergeselle. Obwohl die beiden nur fünf Minuten Fußweg voneinander entfernt wohnen, hatten sie sich zuvor noch nie getroffen.

Das erste Date verbrachten sie auf dem Weihnachtsmarkt. Da war ihnen schon klar, dass sie keine gewöhnliche Beziehung führen würden, weil Lorraine Keils bis vor einigen Wochen noch Medizinische Biologie auf Bachelor in den Niederlanden studierte. Bené: „Für mich war es kein Problem, dass wir eine Fernbezeihung führten, weil es schließlich um ihre Zukunft ging.“

Das Rezept ihrer Liebe während dieser Zeit: sich gegenseitig Unabhängigkeit lassen und einander vertrauen. Vielleicht kehrt Keils für das Masterstudium ins europäische Nachbarland zurück. „Vielleicht studiere ich auch Medizin in Deutschland. Dann in der Nähe der Heimat wie in Köln oder in Bonn.“

Den Valentinstag will das junge Paar ganz entspannt verbringen. „Wir haben nichts Großartiges geplant. Vielleicht gehen wir essen. Aber Geschenke erwarten wir nicht voneinander.“