Linie 16

Güterverkehr zwischen Wesseling und Bonn soll bleiben

Eine Bahn der Linie 16 in Richtung Köln hält in Bornheim-Uedorf.

Eine Bahn der Linie 16 in Richtung Köln hält in Bornheim-Uedorf.

Bornheim/Wesseling. Entgegen anderer Aussagen hat der Netzbetreiber der Linie 16, die Häfen und Güterverkehr Köln (HGK), kein Verfahren zur Stilllegung für Frachtzüge auf der Strecke zwischen Wesseling und der Bonner Stadtgrenze betrieben.

Die Häfen und Güterverkehr Köln (HGK) hat offenbar nie ein Verfahren betrieben, um Güterverkehr von der Strecke der Stadtbahnlinie 16 zu verbannen. Dies legt eine Antwort des Landesverkehrsministeriums auf eine entsprechende Anfrage des General-Anzeigers nahe. Wie berichtet, hatte ein Vertreter der HGK kürzlich im Wesselinger Stadtrat erläutert, dass das Unternehmen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben hatte. Mit dieser soll geprüft werden, wie Güterverkehr auf der Strecke zwischen Wesseling und der Bonner Stadtgrenze bei einem gleichzeitigen barrierefreien Ausbau der Haltestellen möglich ist.

Seit Langem fordern Menschen aus den Bornheimer Rheinorten und Wesseling-Urfeld den barrierefreien Ausbau der Stationen. Die HGK betreibt das Netz der Linie 16 zwischen dem Kölner Süden und der Bonner Stadtgrenze. Da Güterzüge breiter als Stadtbahnen sind, können die Haltestellen nicht einfach hochgebaut werden, um barrierefrei zu sein. Die Ankündigung der Option Güterverkehr durch die HGK hatte im Wesselinger Stadtrat viel Kritik seitens der Politik hervorgerufen, vor allem bei der CDU (der GA berichtete).

In der öffentlichen Wahrnehmung ist Güterverkehr auf der Stadtbahnstrecke praktisch nicht mehr vorhanden. Schließlich sind seit Jahren keine Güterzüge mehr auf der Strecke gefahren. Dazu kommt, dass ein Sprecher der HGK Anfang Januar 2015 erklärt hatte, dass das Unternehmen beim Landesverkehrsministerium die Stilllegung der Strecke für Güterverkehr beantragt habe. „Wir gehen davon aus, dass wir noch im ersten Halbjahr 2015 einen positiven Bescheid erhalten“, hatte der Sprecher damals gesagt. Zwar könnte nach einer Stilllegung – im Gegensatz zur Entwidmung von Gleisen – Güterverkehr theoretisch wieder aufgenommen werden, dennoch galt die Stilllegung bislang immer als eine Voraussetzung für den barrierefreien Umbau der Haltestellen.

Es existiert kein entsprechender Antrag

Auf Anfrage des General-Anzeigers teilte Bernhard Meier, stellvertretender Pressesprecher des Landesverkehrsministeriums, nun allerdings mit: „Auch nach nochmaliger Recherche ist für die Strecke der Linie 16 seitens der HGK nie ein Antrag auf Stilllegung für den Güterverkehr weder bei der Landeseisenbahnverwaltung in Köln noch bei uns im Ministerium gestellt worden beziehungsweise bekannt.“ Solche Verfahren habe die HGK lediglich für zwei Gleisabzweigungen von Hersel nach Bonn im Jahr 2014 gestellt und genehmigt bekommen, führte Meier weiter schriftlich aus.

Auf die Aussagen des Verkehrsministeriums angesprochen, weicht die HGK aus. „Wir haben eine Machbarkeitsstudie bezüglich der Barrierefreiheit der Bahnsteige in Auftrag gegeben. Aufgrund dieser Ergebnisse werden die Maßnahmen umgesetzt“, teilte HGK-Sprecher Christian Lorenz schriftlich mit. Die Frage nach dem Stilllegungsverfahren beantwortete das Unternehmen nicht.

Wie Berthold Suermann, Bereichsleiter Eisenbahninfrastruktur bei der HGK, im Wesselinger Stadtrat erläutert hatte, setze das Unternehmen auf die Güterverkehrsoption aufgrund der Überlastung der linksrheinischen Eisenbahnstrecke zwischen Bonn und Köln (siehe Kasten).

Daher benötige die HGK die Stadtbahngleise, um die in Wesseling ansässigen Chemieunternehmen beliefern zu können. Laut Suermann ersetzt ein Güterzug mit 1000 Tonnen rund 40 Lkw. Zudem dürften bestimmte chemische Produkte aus Sicherheitsgründen gar nicht über Straßen transportiert werden.

HGK-Sprecher Lorenz erklärte indes jetzt auf GA-Anfrage, dass die HGK keinen Eisenbahnverkehr mehr betreibe. Daher „wird eine Wiederaufnahme des Güterverkehrs auf dem genannten Abschnitt von uns nicht angestrebt“, so Lorenz. Und weiter: „Wenn aber ein anderes Eisenbahnverkehrsunternehmen sich diese Option erhalten möchte, ist die HGK selbstverständlich gesprächsbereit.“

Ein anderes Unternehmen könnte etwa theoretisch die Rheincargo sein. Dieses Unternehmen wurde nach Angaben auf der firmeneigenen Internetseite 2012 gegründet – als Unternehmenskooperation zwischen der Neuss-Düsseldorfer Häfen sowie der Häfen und Güterverkehr Köln.