4,7 Tonnen Feuerwerkskörper in 27 Minuten

Gänsehautstimmung bei den Kölner Lichtern

Köln. Am Samstagabend haben Pyrotechniker in Köln mit 4,7 Tonnen Feuerwerkskörpern verschiedene Epochen der Malerei in den Nachthimmel gesprengt. Dazu gab es eine halbe Million Wunderkerzen.

Der Rhein wurde zum Malkasten, der Himmel zur Leinwand und kilometerweite Uferabschnitte zum Zuschauerraum – auch bei den diesjährigen Kölner Lichtern wurde nicht an Wow-Effekten gespart. „Für dieses Event gibt es keine Probe, keinen Testlauf“, sagte der Veranstalter Werner Nolden im Vorhinein. „Es ist jedes Jahr wieder eine Premiere.“

Und auch bei der 18. Auflage unter dem Motto „Paintings – Die Feuermaler von Köln“ strömten Hunderttausende an den Rhein, an den Tanzbrunnen und auf die Hohenzollernbrücke, um das Spektakel live mitzuerleben. Im Innenstadtbereich und in der Altstadt waren laut Veranstalter Nolden rund 350 000 Besucher: „Natürlich sind es insgesamt weit mehr, als wir zwischen Hohenzollern- und Zoobrücke erfassen“, ergänzt er. 

Denn auch in Deutz, um das Schokoladenmuseum und auf den Poller Wiesen versammelten sich bereits in den Nachmittagsstunden Tausende Menschen. Viele reisen extra für das Event an: „Wir kommen aus der Nähe von Hannover und sind jedes Jahr dabei“, erzählt ein Ehepaar am Rheinufer. Besonders schön sei, dass die Kölner Lichter ein Event für nahezu alle Altersklassen sind. 

Und tatsächlich: von den Kindern, die von den Eltern zum Feuerwerk auf die Schultern genommen werden, bis zur Familie mit Großeltern samt Rollator – das Feuerwerk in Köln schafft es, mehrere Generationen gleichzeitig zu unterhalten.

 

 

Auch wenn das diesjährige musikalische Programm von Guildo Horn und den Orthopädischen Strümpfen nicht alle begeistern konnte: „Jede Coverband hätte das besser machen können“, äußerte sich einer der Besucher auf der Hohenzollernbrücke. Und in der Tat waren weder seine Sprüche, noch die Liederauswahl sonderlich originell. Von „Aber bitte mit Sahne“, über „Moskau, Moskau“ wurde alles gespielt, was ab einem gewissen Promillewert die Massen anheizt – für das sonst so runde Paket der Kölner Lichter hätten sich viele jedoch wen anders auf der Bühne gewünscht. 

Die jungen Wilden kommen nächstes Jahr 

So ging nach dem Event in den sozialen Netzwerken die Diskussion über die Musik los: „War schön, aber mit kölscher Musik wär schon jod jewesen“, schreibt einer der Nutzer. Alle, die das ähnlich sehen, können sich bereits auf das nächste Jahr freuen: „Dann haben wir 'Die jungen Wilden' zu Besuch“, so Nolden und spielt damit auf die Band Cat Ballou an, die laut Veranstalter weitere junge Partner im Gepäck haben wird. 

Das Motto für das Feuerwerk 2019 hat Chefpyrotechniker Georg Alef noch nicht bekannt gegeben. „Mein größtes Anliegen ist nicht, dass alles immer größer und teurer wird, sondern vielmehr, dass es jedes Jahr anders sein muss – das ist mein Gesetz.“ Bei den diesjährigen Kölner Lichtern wurde die Idee mit den unterschiedlichen Kunststilen jedenfalls bemerkenswert umgesetzt. Ein kindliches Action Painting machte den Beginn, dazu wurde passend der Säbeltanz von Aram Chatschaturjan ausgewählt. Wie immer musiksynchron inszeniert, begeisterte neben den vielen klassischen Stücken vor allem Marterias Song „Feuer“. Jede Strophe des Stücks wurde dabei in einer eigenen Farbe inszeniert. 

Georg Alef betont: „Für mich ist die Pyrotechnik eine eigene Kunstform. Wir machen die Musik sichtbar“ und Weco-Pressesprecher Oliver Gerstmeier ergänzt: „Wir haben hier die größte Leinwand, das kann kein Maler der Welt vollbringen“. Dank der eingesprochenen Einleitungen konnte man den entsprechenden Stilrichtungen gut folgen. Besonders das Pop-Art Thema mit Marilyn Monroes „Diamonds are a girl's best friend“ ließ die Funken zu Millionen kleiner Diamanten werden, die vom Himmel wieder gen Rhein steuerten – ein fast unbeschreibliches Bild.

 

„Das Tolle ist wirklich, am Ende bei den Kölner Lichtern zu sehen, was man sich vorher ausgedacht hat und nur vorstellen konnte“, schwärmt Alef und auch Nolden freute sich am Sonntag über den reibungslosen Ablauf: „Ich habe mir das Ganze nun schon zwei Mal im Fernsehen angeschaut und ich bin einfach nur froh. Sonntag ist für mich der Höhepunkt der Veranstaltung, am Samstag kann ich noch nicht genießen“, gesteht er. Die Sicherheit der Besucher steht für die beiden am erster Stelle: „Wir haben nun 18 Jahre die Kölner Lichter unfallfrei gestalten können“, betont Nolden. Insgesamt waren 16 000 Sicherheitskräfte, bestehend aus Helfern der Feuerwehr, der Polizei und dem Ordnungsamt der Stadt Köln, für den Tag im Einsatz. Sie regelten An- und Abreise und kanalisierten die Massen an Menschen, die direkt nach der Veranstaltung nahezu gleichzeitig aufbrechen wollten. 

Sogar die kleine Verspätung spielte dem Veranstalter in die Karten: „Der Schiffskonvoi kam etwa sieben Minuten verspätet an, das hat sich auch aufs Feuerwerk ausgewirkt, aber auch dafür gesorgt, dass die Konzertbesucher von Justin Timberlake größtenteils bereits abgereist waren.“ Alles in allem also wirklich ein kunstvoller und gelungener Abend am Rhein!