Kommentar zu Güterverkehr auf der Linie 16

Falsches Spiel

Die Linie 16 an der Haltestelle in Hersel: Seit Langem fordern die Bewohner der Bornheimer Rheinorte und von Wesseling-Urfeld den barrierefreien Umbau der Stationen auf der Strecke.

Die Linie 16 an der Haltestelle in Hersel: Seit Langem fordern die Bewohner der Bornheimer Rheinorte und von Wesseling-Urfeld den barrierefreien Umbau der Stationen auf der Strecke.

Bornheim/Wesseling. Laut NRW-Verkehrsministerium hat der Netzbetreiber, die Häfen und Güterverkehr (HGK), kein Verfahren zur Stilllegung für Frachtzüge auf der Strecke der Linie 16 betrieben.

Man kann es schon einen Skandal nennen. Die Häfen und Güterverkehr (HGK) hat sich offenbar nie ernsthaft darum bemüht, Güterverkehr von der Strecke der Linie 16 zwischen Wesseling und Hersel zu verbannen. Stellt man die Aussagen der HGK aus dem Jahr 2015 der aktuellen Stellungnahme des Landesverkehrsministeriums gegenüber, drängt sich der Eindruck auf, dass das Unternehmen ein ziemliches falsches Spiel mit der Öffentlichkeit getrieben hat – völlig ungeachtet der aktuellen Überlegungen, wieder Frachtverkehr durch Hersel, Uedorf, Widdig und Urfeld fahren zu lassen. In dieser Sache dürfte die HGK allerdings mehr und mehr Kredit verspielen.

Sicher: Aus Sicht der HGK und anderen Verkehrs- und Logistikunternehmen ist es sinnvoll, Güterzüge über die Stadtbahngleise fahren zu lassen. Dass die linksrheinische Eisenbahnstrecke völlig überlastet ist, merkt jeder, der auch nur gelegentlich mit einem Zug dort lang fährt. Verspätungen und Ausfälle sind an der Tagesordnung – ebenso wie Überholungen von Nahverkehrszüge durch Fern- und Güterverkehr.

Entlastung muss her, möglichst schnell. Zumal der Güterverkehr sicher nicht weniger wird und ein weiteres Gleis für die linksrheinische Strecke ein Projekt für die nächsten Jahrzehnte ist. Dazu kommt, dass die Vorhaltung der Strecke der Linie 16 für Güterverkehr für die HGK aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar ist. „Wir leben vom Güterverkehr“, hatte HGK-Mitarbeiter Berthold Suermann in der Sitzung des Wesselinger Stadtrats gesagt.

Umso mehr muss man sich über das Vorgehen und die Kommunikation der HGK wundern. Immerhin scheint das Unternehmen ja gewillt zu sein, die Haltestellen trotz Güterverkehr barrierefrei auszubauen. Es sei nebenbei an die gesetzliche Vorgabe erinnert, dass der öffentliche Personennahverkehr bis 2022 deutschlandweit barrierefrei sein muss.

Man darf gespannt sein, welche Möglichkeiten die Machbarkeitsstudie für Güterverkehr plus Barrierefreiheit der Haltestellen aufzeigt und – vor allem – was diese kosten. Es kann nämlich nicht sein, dass Bornheim und Wesseling dafür zahlen müssen. Zwar müssen sich die Städte am barrierefreien Ausbau finanziell beteiligen, aber doch wohl nicht an der Option Güterverkehr.