Abfallentsorgung

Für Singles im Rhein-Sieg-Kreis ist der Müll richtig teuer

Die Müllgebühren im Kreis werden nach Haushalten und Tonnengröße berechnet.

Die Müllgebühren im Kreis werden nach Haushalten und Tonnengröße berechnet.

RHEIN-SIEG-KREIS. Alleinstehende im Rhein-Sieg-Kreis - und damit fast 40 Prozent aller Haushalte von Bornheim bis Windeck - zahlen im Vergleich zu Familien überproportional viel.

Ungerecht und überteuert – so empfindet Ralph Buchmann die Müllgebühren, die die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) von den knapp 600.000 Bürgern im Rhein-Sieg-Kreis verlangt. Vor allem die Gebühren für Single-Haushalte sind in den Augen des Geschäftsmannes aus Swisttal ungerecht, weil diese im Vergleich zu Mehr-Personen-Haushalten viel zu viel bezahlen müssten. Als Beispiel nennt er seine allein lebende Mutter. Die Seniorin ist laut Buchmann Bezieherin einer Mini-Rente.

Nimmt man die Gebührensatzung der RSAG zur Hand, dann kommt Mutter Buchmann auf einen jährlichen sogenannten Arbeitspreis von 111,96 Euro. Ebenso viel zahlt beispielsweise ein kinderloses Paar, aber auch drei-, vier- oder fünfköpfige Familien. Für die Seniorin rechnet die RSAG pauschal mit 20 Litern Müll pro Woche, macht rund 80 Liter im Monat aus. Die entsprechende 80-Liter-Tonne beläuft sich auf 42,96 Euro, wenn sie alle vier Wochen geleert wird.

Für die 120-Liter-Biotonne werden, gleich ob Single oder mehrköpfiger Haushalt, weitere 58,92 Euro fällig. Die grüne Altpapiertonne (3,70 Euro) und die Wertstofftonne (6,84 Euro) mit dem gelben Deckel – beide gibt es nur in der 240-Liter-Variante – schlagen dagegen nur geringfügig zu Buche. Damit käme die alleinstehende Seniorin auf eine Jahresgebühr von 224,38 Euro.

Eine vierköpfige Familie beispielsweise, die anstatt der 80-Liter-Reststofftonne eine 120-Liter-Tonne an die Straße stellt, aber ansonsten die gleiche Tonnenausstattung hat wie die Seniorin, kommt auf jährliche Müllgebühren in Höhe von 245,86 Euro.

Im Klartext: Bei gleichen Abfuhrleistungen zahlt ein Vier-Personen-Haushalt im Rhein-Sieg-Kreis trotz deutlich größerem Müllaufkommen lediglich 21,48 Euro mehr an Müllgebühren pro Jahr als ein Single. Das bringt Buchmann auf die Palme: „Die RSAG nennt das einen fairen Tarif. Tatsache ist aber, dass Singles – und das sind inzwischen fast 40 Prozent aller Haushalte – ohne Ende draufzahlen.“ „Spezielle Single-Tarife gibt es bei uns tatsächlich nicht“, sagt RSAG-Sprecher Joachim Schölzel. „Unser 1995 eingeführtes Gebührensystem stellt auf Haushalte ab und nicht auf Personenzahlen, damit sind wir bisher sehr gut gefahren.“

Der Grundpreis – mit dem unter anderem der Betrieb der Entsorgungsanlagen in Troisdorf, Niederpleis und Swisttal finanziert werde – sei für alle Gebührenzahler gleich. Der Arbeitspreis richte sich danach, welche Tonnen in welcher Größe wie oft geleert werden. Schölzel: „Wer mehr Leistungen in Anspruch nimmt, der zahlt auch mehr.“

Zwischen zahlreichen Tonnengrößen wählen

Vor dem Hintergrund von mehr als 200.000 Haushalten im Rhein-Sieg-Kreis räumt der RSAG-Sprecher allerdings ein: „Es ist schwierig, jedem Einzelnen mit dem Gebührensystem 100-prozentig gerecht zu werden.“ Dass es durchaus anders geht und Single-Tarife auch in Sachen Müll machbar sind, zeigen Abfallentsorger quer durch die Republik. Selbst wenn längst nicht alle Müllunternehmen spezielle Tarifangebote für Ein-Personen-Haushalte haben, gibt es genügend Beispiele mit unterschiedlichsten Modellen: Erlangen, Stadtallendorf, Ulm, Köln oder – quasi nebenan – Bonn.

In der Bundesstadt können die Bürger beim Restmüll zwischen zahlreichen Tonnengrößen wählen. Es gibt sogar 40-Liter-Tonnen, deren Leerung im Zwei-Wochen-Rhythmus 56,23 Euro pro Jahr kostet. Das entspräche bei der RSAG einer 80-Liter-Tonne mit monatlicher Leerung. Allerdings bekommen Single-Haushalte mit 40-Liter-Tonne auf Antrag 50 Prozent Rabatt, wenn sie nachweisen, dass sie mit dieser Tonnengröße auch tatsächlich auskommen.

Aber auch bei der RSAG gibt es für Singles ein Hintertürchen, um Gebühren zu sparen. „Es besteht die Möglichkeit, sich Tonnen mit dem Nachbarn zu teilen, um sich so einen Teil der Gebühren zu sparen“, sagt Sprecher Schölzel. So könnten beispielsweise beim Restmüll zwei Nachbarn von zwei separaten 80-Liter-Tonnen auf eine gemeinsame 120-Liter-Tonne umsteigen.

Informationen rund um Abfallentsorgung und -gebühren gibt es bei der RSAG unter www.rsag.de und unter (02241) 30 63 06.