Größte Epidemie seit 16 Jahren

Fälle von Masern in Köln nehmen drastisch zu

Hat ein Kind Fieber, gehört es grundsätzlich nicht in die Kita. Am besten, es bleibt daheim, bis es einen ganzen Tag und eine Nacht lang fieberfrei war.

In Köln steigt die Zahl der Masernfälle stark an. (Symbolfoto)

Köln/Bonn. In Köln steigt die Zahl der Masernfälle drastisch an. Bereits jetzt zählt die Stadt 67 Erkrankungen und rät Erwachsenen, den eigenen Impfschutz zu überprüfen. Auch Bonn und die Region zählen in diesem Jahr mehrere Fälle.

Es ist der größte Ausbruch von Masern in Köln seit 16 Jahren: 67 Erkrankungen zählt das städtische Gesundheitsamt dort, darunter vier Kleinkinder bis zum Alter von zwölf  Monaten und zwei Säuglinge jünger als sechs Monate. Hinzu kommen etliche Klein- und Schulkinder. Mehrere Infizierte werden stationär in Krankenhäusern behandelt. Die Altersspanne der Infizierten reiche vom Säuglingsalter bis zum Seniorenalter von 62 Jahren. Zwei junge Männer seien in den vergangenen Wochen zudem auf Intensivstationen gebracht worden.

Wie der Leiter für Infektions- und Umwelthygiene des Kölner Gesundheitsamts, Gerhard Wiesmüller, mitteilt, sind die meisten Erkrankten in Köln allerdings zwischen 20 und 25 Jahre alt. Grund dafür sei eine niedrige Impfquote in diesen Jahrgängen. Demnach seien die Erkrankten als Kind nur einmal oder garnicht geimpft worden. Üblich sei inzwischen eine Zweifach-Imfpung. "Es handelt sich bei den Erkrankten in der Regel nicht um klassische Impfgegner", sagt Wiesmüller. "Der Ausbruch zieht sich querbeet durch die Bevölkerung".

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist die Zahl der Erkrankungen in Köln drastisch angestiegen. 2017 lag die Zahl der Fälle bei 16, für 2016 wurden keine Fälle gemeldet. Den letzten großen Ausbruch gab es laut Wiesmüller 2001 mit mehr als 400 Erkrankungen. Die Impfquote liege bei Kindern in Köln bei etwa 90 Prozent, bei Erwachsenen schätzungsweise darunter. Das sei zu wenig, sagt Wiesmüller. "Um die Masern auszurotten, braucht es mindestens eine Quote von 95 Prozent."

Krankheitsfälle nehmen auch in Bonn und der Region zu

Die Stadt Köln rät dazu, den eigenen Impfschutz überprüfen zu lassen. Eine zweifache Impfung biete den besten Schutz gegen die Viruserkrankung. Erwachsene, die keine Masernerkrankung durchgemacht haben und nur einmal geimpft wurden, sollen demnach eine zweite Impfung durchführen lassen. "Masern sind als Erkrankung sehr gefährlich", warnt Wiesmüller. Häufig nehme die Erkrankung einen schweren Verlauf, in einem von 1000 Fällen komme es zudem zu einer Gehirnentzündung, die in 20 bis 30 Prozent der Fälle tödlich verlaufe.

Auch in Bonn sind dieses Jahr bereits mehrere Menschen an Masern erkrankt. Demnach gab es laut Presseamt der Stadt bislang fünf Fälle, darunter sowohl Kinder als auch Erwachsene. Bisher habe aber keine Erkrankung einen schweren Verlauf genommen. Für 2017 seien indes keine Fälle in Bonn bekannt. Mit Blick auf Köln teilte  die Stadt mit, dass das Bonner Gesundheitsamt die Entwicklung beobachte. Zurzeit gebe es aber keine Anzeichen für ähnlich hohe Erkrankungszahlen wie in Köln.

Die Impfquoten bei Schulanfängern für die Stadt Bonn für die vollständige Grundimmunisierung gegen Masern liegen laut Stadt aktuell bei 93,6 Prozent. Es sei anzunehmen, dass aufgrund des steigenden Alters der Masernerkrankten weiterhin ungenügende Impfquoten insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bestünden.

Im Rhein-Sieg-Kreis wurden in diesem Jahr zehn Masernfälle gemeldet, davon acht seit Ende April und drei allein in der vergangenen Woche. Die Fälle traten in Bad Honnef, Sankt Augustin, Troisdorf, Niederkassel und Much auf, wie eine Sprecherin des Rhein-Sieg-Kreises mitteilte. Im Vergleich dazu gab es im gleichen Zeitraum 2017 drei Fälle und 2016 lediglich einen. Ein deutlicher Anstieg sei damit bereits zu erkennen.