Glosse über den Bestellwahn im Internet

Es geht auch anders

Geschenke finden immer mehr Menschen im Internet, anstatt im Laden. Doch auf dem Weg dahin bleibt manches auf der Strecke.

Geschenke finden immer mehr Menschen im Internet, anstatt im Laden. Doch auf dem Weg dahin bleibt manches auf der Strecke.

Rhein-Sieg-Kreis. Ja, einfach ist es schon alles mögliche im Internet zu bestellen, anstatt ein Geschäft aufzusuchen - insbesondere vor Weihnachten. Unserem Autor ist allerdings aufgefallen, dass die Einfachheit auch gravierende Nachteile hat.

Es gibt da eine Firma im Internet, die scheue ich wie der Teufel das Weihwasser. Sie hat zwar alles, was auch mein Herz begehrt, wie Bücher, Filme, seltene Musik und vieles mehr, aber letztlich profitiert das Unternehmen vor allem von der Bequemlichkeit seiner Kunden, vergütet die Arbeitskraft seiner Mitarbeiter mit niedrigen „Haustarifen“ und unternimmt im Wortsinne alles, um trotz üppiger Gewinne nirgendwo Steuern zu zahlen, schon gar nicht dort, wo die Gewinne anfallen.

Dass es auch erfreulich anders geht, erfuhr ich jetzt auf eindrucksvolle Weise während der Weihnachtstage: Des Abends um halb zehn erhielt ich kurz vor Weihnachten einen Anruf. Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein freundlicher Herr, dessen Familie aus dem Bergischen Land seit mehreren Generationen Nähmaschinen vertreibt. Eine solche hatte ich bei dem Familienbetrieb geordert, um sie unter den Weihnachtsbaum zu legen. Am Telefon wies mich der Fachmann darauf hin, dass das Modell einer bekannten Marke zwar gut, aber ehrlicherweise ein Auslaufmodell sei. Wort- und kenntnisreich schlug er mir ein anderes Modell desselben Herstellers vor, welches sich beim Auspacken an Heiligabend als Volltreffer entpuppte.

Und um drei Minuten vor Ladenschluss am Tag vor Heiligabend tauchte mein Bruder in der Spielzeugabteilung eines örtlichen Kaufhauses auf. Er hatte bei der von mir gemiedenen Firma ein Spielzeug für meinen Neffen (1) erworben und beim vorsorglichen Auspacken festgestellt, dass ein entscheidendes Teil fehlte. Unter Aufbietung aller legalen Fahrkünste eilte er zum Kaufhaus, da deren Internetseite auswies, das Produkt noch genau einmal im Bestand zu haben. Trotz des nahenden Feierabends schaute die Verkäuferin im Lager nach und siehe da: Es war da. Mein Bruder gelobte, künftig wieder direkt den Einzelhandel aufzusuchen.