Lanxess-Arena in Köln

Die Toten Hosen begeisterten 15.000 Fans

Luftsprung fürs Fan-Volk: Campino in Köln.

KÖLN. Das ist doch wohl nicht mein geliebtes Köln? Mein geliebtes Köln ist viel lauter!" Und dann stimmt Campino "Liebeslied" an. Ein Zeichen - ja, man musste es so deuten. An diesem Abend in der Lanxess-Arena, bei diesem besonderen Konzert der "Krach der Republik"-Tour zum 30-jährigen Bestehen der Toten Hosen würde eine Annäherung stattfinden, zwischen der Düsseldorfer Band und Köln.

Wie das gehen soll? "Zwei Drittel Liebe und ein Drittel Wodka", Frontmann Campino hat das Rezept mit dem Titel vom neuen Album "Ballast der Republik" parat. "Wir kommen immer gerne nach Köln, besonders seit Mai", ruft der Hosen-Sänger - als Fortuna Düsseldorf in die erste Liga aufstieg und der 1. FC Köln in die zweite abstieg. Köln und die Toten Hosen, eine innige Hassliebe.

Mit grau gestreiftem Hemd sieht Campino aus wie ein Sträfling, ein Düsseldorfer inhaftiert auf fremdem Boden, in der Kölner Sperrzone. Aber der prominente Häftling lässt sich nicht fesseln, entfesselt dafür die Kölner Massen. Selbst Campinos Lächeln wirkt diabolisch, die Augenbrauen hochgezogen, das Grinsen breit. Mackie Messer, den er einst in einer Inszenierung der "Dreigroschenoper" von Klaus Maria Brandauer mimte, wird zu Mephisto. Sprintet jetzt mit nacktem Oberkörper über die Bühne, frotzelt, stachelt an, dreht sich, schwindelerregend schnell.

Der Teufel tanzt. Und mit ihm 15.000 Fans in der ausverkauften Kölnarena. Mit "You'll never walk alone"-Gesängen, der Hymne des FC Liverpool, hatten die Massen die Düsseldorfer Band vor Beginn schon heraufbeschworen. Denn Campino ist bekanntlich großer Fan des englischen Fußballclubs, das Lied in der Regel der krönende Abschluss eines jeden Hosen-Konzerts.

Der Punk der Hosen ist heute für alle da. Familien mit Kindern sind unter den Zuschauern, Jugendliche und Erwachsene um die 50 - die Fans sind eben mit ihren Vorbildern gealtert. Dabei können ihre Anhänger alle Songs des neuen Albums auswendig, "Altes Fieber", "Draußen vor der Tür", "Vogelfrei", nicht zu vergessen "Tage wie diese", mit dem die Hosen selbst eine Fußballhymne geschrieben haben. Dazwischen Klassiker wie "Hier kommt Alex", "Bonnie und Clyde" oder "Alles aus Liebe". Opium fürs Hosen-Volk.

Zeremonienmeister Campino ist dieses Jahr ein halbes Jahrhundert alt geworden. Trotzdem lässt er sich das Bad in der Menge nicht nehmen. Mit Anlauf springt er ins Publikum, unzählige Hände tragen den nackten Oberkörper voller Tätowierungen, keine Berührungsängste, die sowieso noch nie da waren. Doch auf einmal ist er dann weg. Damit muss man bei Campino rechnen, er klettert irgendwohin, manchmal sogar in die Bühnentechnik.

Diesmal steht er auf einmal in einer der Logen. Brautpaar Saskia und Andi, haben am Konzerttag in Köln geheiratet, bekommen von Campino jetzt eine Flasche Champagner, "gekauft in Düsseldorf", überreicht. Ein privates Ständchen für das junge Kölner Paar, von den Toten Hosen und der gesamten Kölnarena - "Hoch sollen sie leben", damit ist die Köln-Düsseldorfer Freundschaft besiegelt.

Nach knapp anderthalb Stunden gehen Campino, Kuddel, Andi, Vom und Breiti das erste Mal von der Bühne. Laute "Hosen-Gesänge" folgen. Bis Campino ruft: "Seid ihr bereit für die zweite Halbzeit?" Nach über zwei Stunden, drei Zugaben und - wie sollte es anders sein - "You'll never walk alone - ist der Tanz auf dem Blocksberg mit Deutschlands bester Live-Band zu Ende. Zum Schluss geht der Teufel höchstpersönlich auf die Knie und verbeugt sich vor dem Kölner Publikum. "Danke für die schöne Zeit hier!", schreit Campino. "Auch, wenn's immer ein Aufwärtsspiel bleiben wird." Aber ein unvergessliches.