Serie: Burgen im Linksrheinischen

Die Rheinbacher Burg als "Keimzelle der heutigen Stadt"

Rhein-Sieg-Kreis. Die Rheinbacher Burg wurde im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlich genutzt. Wo einst mittelalterliche Hexenprozesse stattfanden, kann heute geheiratet werden. Ein Überblick über die Geschichte.

Am Anfang war die Burg. Sicher: Schon vorher haben Menschen in der Gegend des heutigen Rheinbachs gelebt. Für Rheinbachs Stadtarchivar Dietmar Pertz steht aber fest: „Die Burg ist die Keimzelle der heutigen Stadt.“ Allerdings sind indes nur noch restaurierte Reste der einst mächtigen Burg vorhanden. Am Rand der heutigen Rheinbacher Innenstadt gelegen, ist die Ruine ein beliebtes Ausflugsziel.

Erbaut wurde die Burg laut Stadtarchivar Pertz um das Jahr 1185. „Plus, minus fünf Jahre“, fügt er hinzu. Bei Restaurierungsarbeiten vor einigen Jahrzehnten sei ein alter Toilettensitz aus Holz entdeckt worden, der dendrochronologisch untersucht worden sei. Bei der Dendrochronologie handelt es sich um eine Datierungsmethode mittels der Jahresringe von Bäumen.

In jener Zeit tauchten auch erstmals die Ritter von Rheinbach in Urkunden auf. Die Ritter waren die Verwalter der Gehöfte auf dem Gebiet des heutigen Rheinbachs im Auftrag der Abtei Prüm. Im Jahr 762 hatten der fränkische König Pippin und seine Frau Bertrada der Abtei ihre Ländereien im Umfeld der heutigen Stadt geschenkt. Im Lauf der Jahrzehnte mussten die Rheinbacher Verwalter an Einfluss gewonnen haben – und somit auch Rheinbach.

Burg verlor über die Jahre an Bedeutung

Rund 100 Jahre nach dem Bau der Burg errichteten die Ritter die Stadtmauer um die Häuser an der Aachen-Frankfurter Heerstraße. Zu dieser Zeit war die Gegend bereits von der Abtei Prüm in den Herrschaftsbereich des Kölner Erzbischofs übergangen, ohne dass dies die Ritter von Rheinbach zunächst beeinträchtigt haben muss. Doch mit dem Geschlecht ging es schließlich bergab: „Schneller Aufstieg, schneller Untergang“, sagt Pertz. Um das Jahr 1342 verkauften die letzten Familienmitglieder sämtliche Rechte an der Burg an den Kölner Erzbischof. Fortan diente die Wehranlage als Amtssitz für die Region.

Im Lauf der Jahrhunderte verlor die Burg an Bedeutung, nach und nach wurden Teile der Anlage abgerissen. Um 1800 wurde die Burg privatisiert und als Mühle genutzt. 1913 übernahm die Stadt Rheinbach das Bauwerk. In der Nazizeit wurde auf dem Burggelände ein Hitlerjugendheim errichtet. Dieses Gebäude steht noch immer und wird laut Pertz mittlerweile für Angebote der Offenen Ganztagsschule genutzt. In den 80er Jahren erfolgten umfangreiche Restaurierungen der vorhandenen Teile der Burg: Tor, Bergfried, Torbogen sowie Teile der Mauer und des früheren Wassergrabens. Weitgehend verschwunden ist die Vorburg. Lediglich auf dem Gelände der Grundschule St. Martin stehen noch die Reste eines Turms.

Hexenprozesse im Mittelalter

Der rund 35 Meter hohe Bergfried der Rheinbacher Burg ist das Wahrzeichen der Stadt Rheinbach. Die Bezeichnung „Hexenturm“ habe das Bauwerk mit einem Durchmesser von neun Metern erst im 19. Jahrhundert erhalten, weiß Pertz zu berichten. Klar sei aber, dass um das Jahr 1630 zahlreiche Hexenprozesse in Rheinbach stattgefunden haben, fügt der Stadtarchivar hinzu. Die Angeklagten seien wohl im Verließ des Turms eingekerkert gewesen. Heutzutage wird der Turm indes für schönere Anlässe genutzt. In der Außenstelle des Rheinbacher Standesamts können Liebende den Bund fürs Leben schließen.

Führungen durch die Rheinbacher Burg mit dem Hexenturm finden am Sonntag, 2. Juli, 14 Uhr, sowie am Sonntag, 27. August, 15 Uhr, statt. Treffpunkt ist jeweils der Himmeroder Hof vor dem Glasmuseum. Anmeldungen bis spätestens fünf Tage vor dem Führungstermin unter 02 28/9 54 41 00 oder per E-Mail an die Adresse info@rhein-voreifel-touristik.de.