Eingemauerter USB-Stick in Köln

Daten für immer verloren?

USB-Stick

Die Kölner Polizei fand einen USB-Stick einzementiert in einer Mauer an der Volksgartenstraße.

25.02.2015 KÖLN. Der eingemauerte Datenträger mit Anleitungen zur Herstellung harter Drogen und einer Bombe bleibt weiterhin ein Rätsel für die Kölner Polizei. Möglicherweise handelt es sich um eine harmlose Kunstaktion, jedoch werden weitere Ermittlungen in Erwägung gezogen, um eine Straftat ausschließen zu können.

Bezüglich des Rätsels um den eingemauerten USB-Stick in der Kölner Volksgartenstraße vom Dienstag gibt es möglicherweise neue Erkenntnisse. Wie die Polizei mitteilte, handle es sich um einen sogenannten Dead Drop, mit Anleitungen zur Herstellung harter Drogen sowie einer Bombe. Da bisher nicht sicher sei, ob es sich ausschließlich um eine Kunstaktion oder tatsächlich um eine Straftat handle, müsse die Polizei weitere Ermittlungen erwägen.

Der Datenträger sei beim Herauslösen aus der Mauer so stark beschädigt worden, dass er nicht mehr lesbar sei. Berichten zufolge plant die Kriminalpolizei, den Datenträger vom Landeskriminalamt untersuchen zu lassen. „Vielleicht gelingt es den Spezialisten, die Dateien zu rekonstruieren“, sagte der Polizeisprecher Christoph Gilles dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Nach Zeugenangaben befanden sich auf dem USB-Stick Anleitungen zum Bombenbau und zur Herstellung harter Drogen. Wäre dies der Fall, käme als möglicher Tatbestand die Anstiftung zu einer Straftat in Frage. Jedoch existieren Anleitungen wie diese frei zugänglich im Netz, weshalb die Polizei die Relevanz einer Straftat als fragwürdig betrachtet.

Zumindest stehe fest, wie der Datenträger in die Mauer gelangte. Die 2010 in New York ins Leben gerufene Kunstaktion "Dead Drops" des Berliner Künstlers Aram Bartholl forderte dazu auf, willkürlich an verschiedenen Plätzen USB-Sticks einzumauern, um jederzeit Daten herunterladen oder eigene aufspielen zu können.

Den USB-Stick in der Volksgartenstraße 10 hatte Bartholl 2011 eingemauert, da sich dort damals noch eine Zweigniederlassung seiner Berliner Galerie befand. „So wird ein ganzes Haus zum Datenträger, an den man seinen Laptop anschließen kann“, erklärte der Künstler am Dienstag im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Inzwischen existieren sechs weitere "Dead Drops" in Köln - neben der Halle Kalk, am Kennedy-Ufer, neben der Live Music Hall in Ehrenfeld, am Bahnhof Süd in der Dasselstraße, an der Hohenzollernbrücke und in der Josephskirchstraße.

Dead Drops

Dead Drops sind eine Art toter Briefkasten, die von wem auch immer irgendwo eingemauert wurden. Es sind unter anderem Foto-, Video- oder Musikdateien auf den Datenträgern zu finden. Auch in Bonn, am Bunker an der Ecke Goetheallee/Limpericher Straße in Beuel, befindet sich ein Dead Drop. (Alexandra Mölleken)