"Die Feuermaler von Köln"

Das erwartet die Besucher der Kölner Lichter

Rund 27 Minuten soll das Feuerwerk in diesem Jahr dauern.

Rund 27 Minuten soll das Feuerwerk in diesem Jahr dauern.

Köln. Am 21. Juli finden die Kölner Lichter mit dem Motto "Paintings – Die Feuermaler von Köln" statt. Hunderttausende reisen jährlich für das größte musiksynchrone Feuerwerk Europas an. Veranstalter Werner Nolden verrät, was die Veranstaltung mit Bonn zu tun hat.

Die Kölner pilgern los. Dutzende Familien, Freunde, Besucher von außerhalb – am Abend sind es Hunderttausende, die sich um den Rhein versammeln und das Spektakel verfolgen: die Kölner Lichter. Die Fußgängerwege, Bahnen und umliegende Restaurants sind allesamt überlaufen. Deswegen müssen die Zuschauer für die besten Plätzen bei dieser Veranstaltung ordentlich Geduld beweisen.

Von oben muss das ganze aussehen wie ein skurriler Patchwork-Quilt. Decke an Decke, Campingstuhl an Campingstuhl – die eine mit selbst gegrillter Bratwurst auf dem Teller, der nächste mit Kölsch vom Bierstand in der Hand. Doch auch Kinder und Hunde sind mit dabei.

Sie alle haben sich bereits in den Mittagsstunden auf den Weg gemacht, um bei Einbruch der Dunkelheit für ihre Ausdauer belohnt zu werden. Schließlich gibt es in Köln seit 2001 jährlich das größte musiksynchrone Feuerwerk Europas kostenlos zu bestaunen.

Kosten von 1,6 Millionen Euro

Staunen kann man auch über den Aufwand: Die Kölner Lichter lässt sich der Veranstalter Werner Nolden rund 1,6 Millionen Euro kosten. Doch nicht das Feuerwerk nimmt den Großteil der Kosten ein, sondern unter anderem die Ausgaben für die Sicherheit und Organisation. Die schaulustige Pilgergemeinde will schließlich nach Ende des Feuerwerks meist gleichzeitig aufbrechen.

Allein der Andrang in den naheliegenden Bahnhaltestellen ist enorm. Welchen Aufwand die Organisation der Kölner Lichter bedeutet, können Besucher nur erahnen: „Ich habe fünf Mitarbeiter, die sich ganzjährlich um die Organisation und Vorbereitung kümmern“, erzählt Nolden.

Jährlich präsentiert der Veranstalter ein neues Motto, in diesem Jahr lautet es am 21. Juli „Paintings – Die Feuermaler von Köln“. Zwischen Hohenzollern- und Zoobrücke gibt es Impressionismus, Expressionismus, Romantik, Pop-Art, Surrealismus und Kubismus zu sehen. Je nach Rheinseite liefert das Feuerwerk sogar den Domblick.

Mit zu der völlig unüblich inszenierten Kunst gehöre dieses Mal auch Action Painting, verrät Weco-Chefpyrotechniker Georg Alef: „Mit einem kindlichen Expressionismus möchten wir in diesem Jahr starten“ und verweist gleichermaßen auf die wohl simpelste aller Mal-Anweisungen: „Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht“.

Jedes Jahr eine Premiere

Eine Art Probe oder Testlauf ist aufgrund der enormen Kosten und Tonnen von Sprengstoff, die für insgesamt 27 Minuten den Kölner Nachthimmel erleuchten, nicht möglich: „Die Kölner Lichter sind immer wieder eine Premiere“, so der Veranstalter. Bei dieser Premiere werden diverse Stilrichtungen in den Nachthimmel der Domstadt gezaubert, stets begleitet von passenden Musikstücken. Wahrlich eine Glanzleistung, die jeder nachvollziehen kann, der an Silvester schon einmal probiert hat, das Explodieren einer Rakete zu timen oder sogar musikalisch abzustimmen.

„Das errechnet ein Computer ganz genau für uns. Schließlich startet eine Rakete beispielsweise schon, bevor der entsprechende Ton zu hören ist, damit das Visuelle am Ende auch zur Musik passt“, erklärt Werner Nolden. Das Feuerwerk auf die Musik zu schreiben, sei eine sehr filigrane Arbeit. Wenn es am Tag der Kölner Lichter allerdings starken Regen oder Wind gäbe, könne dies nicht mehr spontan um- oder ausgerechnet werden – dafür sind die Rechnungen zu kompliziert.

Werner Nolden begrüßt am Anfang des Bühnenprogramms stets die Gäste und bedankt sich auch am Ende bei allen beteiligten. Das Spektakel verfolgt er mit der Einsatzleitung hinter der Bühne, doch Entspannung ist in diesen Stunden für Veranstalter Nolden unvorstellbar: „Was für andere der schönste Tag des Jahres ist, ist für mich der schlimmste. Ich kann erst am Sonntag genießen, wenn alles reibungslos geklappt hat.“ Und ergänzt: „In meinem Job gibt es so etwas wie Routine nicht. Egal wie groß die Erfahrungswerte sind.“

Umfangreiches Rahmenprogramm

Schließlich ist der Andrang enorm und das Programm umfangreich: Bereits vor dem eigentlichen musiksynchronen Höhenfeuerwerk um 23.30 Uhr wird über zahlreiche Beschallungstürme entlang des Rheins ab 20.15 Uhr das Bühnenprogramm übertragen.

In diesem Jahr spielen Guildo Horn & Die Orthopädischen Strümpfe am Tanzbrunnen. Musikalische Unterstützung bekommt er von Tom Gaebel, Fools Garden, Michaela Danner und dem Kindershowchor Kids on Stage. Bevor sich dann der Schiffskonvoi mit 54 Schiffen auf den Weg macht, nehmen um 21 Uhr die Rudermannschaften den Rhein für sich ein und legen auf ihrem Wettkampf zwischen Severinsbrücke und Rheinpark 2000 Meter zurück. Das Gewinnerteam wird mit dem Herausforderungspreis der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ausgezeichnet.

Das Feuerwerk als Höhepunkt

Nachdem die Sonne sich bereits einige Stunden verabschiedet hat, kommt es gegen 22.25 Uhr zum ersten Höhepunkt der Veranstaltung. Die 500.000 zuvor verteilten Wunderkerzen werden von den Besuchern angezündet, um die Schiffe zu begrüßen. Es funkelt und zischt aus jeder erdenklichen Richtung, das Rheinufer sieht aus, als hätten sich Millionen von Glühwürmchen verabredet.

Die Schiffe stoppen nach der fast feierlichen Begrüßung und leiten somit das ein, worauf alle gebannt und seit fast zehn Stunden warten. Das Höhenfeuerwerk dauert insgesamt 27 Minuten und faszinierte in den vergangenen Jahren stets mit perfektem Timing, ungewöhnlichen Inszenierungen und kaum greifbaren Momenten des Staunens.

Den Ursprung der Kölner Lichter findet man mit Blick auf die Bonner Veranstaltung „Rhein in Flammen“. Der damalige Oberbürgermeister Kölns sprach Werner Nolden an: „Harry Blum wollte Rhein in Flammen für die Kölner. 'So was hätte ich auch gern', sagte Harry Blum zu mir – und ich habe mich direkt ein paar Tage später an den Schreibtisch gesetzt und ein Konzept entwickelt, das wir bis heute so umsetzen“, erinnert sich Nolden.