Wetter in Rhein-Sieg-Kreis

Das Getreide braucht jetzt trockene Tage

RHEIN-SIEG-KREIS. Mal zu nass, mal zu heiß: Auch Obst und Gemüse müssen bei den Wetterschwankungen dieses Jahr einiges aushalten. So haben die massiven Regenfälle Anfang Juni dem Beerenobst, das vor allem im Wachtberger Raum, aber auch in Vorgebirge und Voreifel angebaut wird, sehr geschadet.

Anhaltender Regen, Kälte, Starkregen, extreme Hitze – die Vegetation hat es nicht leicht in diesem Jahr. Doch während der Laie die ständig wechselnden Witterungsbedingungen als bestimmt schädlich für Obst und Gemüse einstuft, gibt die Expertin in Teilen Entwarnung. „Temperaturschwankungen empfinden die Pflanzen als gar nicht so spektakulär“, sagt Christine Lessmann, Referentin für Obst- und Gemüseanbau bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Roleber. Allerdings hätten die massiven Regenfälle Anfang Juni dem Beerenobst, das vor allem im Wachtberger Raum, aber auch in Vorgebirge und Voreifel angebaut wird, sehr geschadet.

„Bei Himbeeren und Erdbeeren handelt es sich um sehr empfindliche Früchte. Das nasse Laub drumherum trägt dann zur Fäulnis bei“, so Lessmann. Die Grauschimmelfäule (lateinisch botrytis cinerea) breite sich schnell aus. Für den Landwirt ist das kostenintensiv. „Die Beeren müssen unter Bedingungen des Mindestlohns abgepflückt werden, kommen aber anschließend in die Tonne“, erklärt die Obst- und Gemüseexpertin. Im Vorteil seien die Bauern, die mit Tunnelanlagen arbeiteten – das sei teurer als der Freilandanbau, aber klimatisch unabhängig.

Etwa 30 bis 35 Prozent Ernteausfall hat der Meckenheimer Heinz Gieraths bei seinen Erdbeeren zu verkraften gehabt. Die Früchte seien durch die vielen Niederschläge zum Teil auch zu dick geworden, sagt der Landwirt. „Mit den Himbeeren fangen wir erst nächste Woche an“, da könne er noch keine Einschätzung abgeben. Da er die Früchte nicht überdacht hat, bangt er allerdings, dass ihm Unwetter nicht im wahrsten Sinne des Wortes die Ernte verhageln.

Bei den frühen Johannisbeeren hat es laut Referentin Lessmann keine Ausfälle gegeben, gerade laufe die Ernte der späten Sorten. Die ersten Pflaumen wiesen auch schon eine gute Qualität auf. Kritischer könnte es in der Region bei den Äpfeln aussehen. „Im Mai und Juni gab es in der Region Hagelecken, was teilweise für 70 bis 80 Prozent Schaden gesorgt hat“, erläutert Lessmann. Bald werde sich zeigen, wie sich die Bäume und ihre Früchte erholt hätten.

Obstbauer Johannes Schwind aus Ließem hat das Unwetter vom 4. Juni zwar relativ unbeschadet überstanden, aber dann kamen zwei Tage später Platzregen und Hagelschauer. 30 bis 40 Prozent Ausfall bei den Erdbeeren habe dies verursacht. „30 Prozent der Apfelanbauflächen sind betroffen, dort rechne ich mit 60 Prozent weniger Ertrag“, meint der Obstbauer, der den Betrieb mit Ehefrau Charlotte führt. Während die Erdbeeren im Mai und zum Oktober hin schon durch Tunnel geschützt sind, stehen die Schwinds bei den Äpfeln in Sachen Schutz erst am Anfang. „Auf Dauer werden wir überall Hagelschutznetze anbringen müssen“, so Schwind. Denn auch wenn einige Flächen gegen Hagel versichert seien, ersetze das nicht zu 100 Prozent die Ertragsausfälle.

Auswirkungen haben die Wetterextreme auch schon bei Blattsalat und Blumenkohl gezeigt. Ständiger Regen, wie im Juni, habe zum einen dazu geführt, dass Innenbrand entstanden sei: „Der Blattrand verbräunt sich dann“, so Lessmann von der Landwirtschaftskammer. Der Regen verschlemmte das Erdreich so stark, dass kein Sauerstoff an die Wurzel kam. „Hackmaßnahmen zur Auflockerung waren wegen der unbefahrbaren Felder teils ebenso wenig möglich wie Neuanpflanzungen.“ Der Blumenkohl zeige durch braune Röschen, dass ihm Wasser fehle, die sogenannte Verbräunung. Im Handel lande trotzdem nur 1A-Qualität, der Bauer bleibe auf dem Schaden sitzen.

Auch der Blumenkohl auf den Feldern von Heinz Pesch aus Bornheim-Brenig hat zum Teil die braunen Röschen entwickelt, braune Ränder am Salat hat der Landwirt bis letzte Woche festgestellt, „und er wird nicht so groß“. Durch den vielen Regen über Wochen hätten die Pflanzen nicht so ein tiefes Wurzelwerk ausbilden können, erklärt er. So hätten sie sich dann bei der Hitze nicht gut versorgen können und seien nicht so stressresistent. Auf 20 Hektar seiner Parzellen baut Pesch Blumenkohl und Salat an. Dadurch, dass der Boden wegen des vielen Niederschlags so nass gewesen sei, habe er circa zwei Wochen lang keine neuen Pflanzen setzen können, erklärt Pesch. Somit habe er mal eine Lücke in der Ernte gehabt, mal sehr viel Ware auf einmal. Mit 25 bis 30 Prozent Verlust rechnet er durch die Wetterschwankungen.

Auch bei der Wintergerste habe das ungünstige Wetter den Landwirten bestenfalls durchschnittliche Werte beschert, sagt Heinrich Brockerhoff, Fachmann der Landwirtschaftskammer für Getreide-, Öl- und Eiweißpflanzen. „Im Juni gab es zu wenige Sonnentage und zu viel Regen. Im Juni sind im Schnitt hier in der Region rund 200 Liter pro Quadratmeter gefallen, normalerweise sind es 70 bis 80 Liter“, so Brockerhoff: „Die Erträge waren deutlich niedriger als im vergangenen Jahr. Zusätzlich war die Qualität der Körner oft schlecht. Bei den niedrigen Preisen bedeutet das schlechte Erlöse für den Landwirt.“

Derzeit laufe die Ernte von Winterraps und auch die Weizenernte stehe voraussichtlich in der nächsten Woche an, sagt der Fachmann: „Dafür wären jetzt vier bis fünf trockene Tage gut und nur ab und zu ein wenig Regen.“