Geschäftsführer Ernst Grigat

Chef der Metropolregion Rheinland wirft das Handtuch

Rheinland. Der Geschäftsführer Ernst Grigat hat seine Kündigung eingereicht und kritisiert die langwierigen Abstimmungsprozesse: „Das Rheinland wird rechts und links überholt“.

Die Metropolregion Rheinland ist im Krisenmodus. Ausgerechnet jetzt, wo es anderthalb Jahre nach Gründung so richtig losgehen soll mit dem imagebildenden Verein, hat Geschäftsführer Ernst Grigat das Handtuch geworfen. Er hat seine Kündigung eingereicht. Wirksam zum Ende März. Erst vor einem Jahr hatte er den Job angetreten.

Jetzt berichtet er mit überraschender Offenheit: „Die Begleitung der politischen Struktur- und Gremiendiskussionen ist nicht meine Kernkompetenz.“ Die Metropolregion habe sich in ihrem ersten Jahr gut entwickelt, der Aufbau der Geschäftsstelle sei abgeschlossen und die ersten Projekte initiiert. Messeauftritte, Parlamentarischer Abend, Rheinischer Kultursommer, Aufbau der Gremiensitzungen seien einige Stichworte dazu.

Trotz Leistungsbilanz habe Grigat nie wie wirklich Fuß gefasst, heißt es im Verein. Aber was bedeutet das konkret? „Mir war klar, dass die Politik in die Diskussionen involviert ist, in welcher Form und Tiefe, das hat sich allerdings erst im Laufe der Zeit herausgestellt“, so Grigat gestern zum General-Anzeiger. Der frühere Bayer-Manager ist aus der freien Wirtschaft offenbar anderes gewohnt. Er haderte damit, dass die Abstimmungsprozesse innerhalb der Metropolregion einen so „intensiven Diskussionsbedarf“ offenbarten. „Ich bin sehr stark ergebnisorientiert, und hier haben wir Prozesse, die erst einmal sortiert werden müssen“, sagt Grigat. Andere Regionen entwickelten sich mit deutlich höherer Geschwindigkeit. Das Rheinland werde links und rechts überholt. „Diese Art von politischer Diskussion zu führen, ist nicht meine Kernkompetenz, und das ist auch nicht, wofür ich geholt worden bin“, sagte Grigat gestern dem GA. Er habe aus freien Stücken entschieden zu kündigen, um einem passenden Nachfolger den Weg frei zu machen. Der 1. April ist der Stichtag. Er selbst habe derzeit noch keine Anschlussverpflichtung und es gebe seines Wissens auch noch keinen Nachfolgekandidaten.

„Wir bedauern es sehr, dass sich Dr. Grigat neuen Herausforderungen außerhalb des Vereins Metropolregion Rheinland stellen möchte“, lässt sich der Metropolregions-Vorsitzende und Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel zitieren. Grigat habe in der Startphase wertvolle Arbeit geleistet, grundlegende Strukturen aufgebaut und die Weichen in die richtige Richtung gestellt. Der Vorstand werde sich jetzt um eine geeignete Nachfolge kümmern. Es gebe viel zu tun: „Das Rheinland hat die Chance, im globalen Wettbewerb um Menschen, Innovationen, Ansiedlungen und Investitionen eine herausragende Rolle zu spielen. Es geht darum, die vielfältigen Kräfte zu bündeln und gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um das Rheinland weiterzuentwickeln mit Digitalisierung, Infrastruktur und Standortmarketing“, sagt Geisel. So weit, so offiziell.

Hinter den Kulissen ist zu hören, dass der Geschäftsführer erkannt habe, dass er nicht alle Voraussetzungen für die Geschäftsführeraufgabe habe. Er sei zu wenig kommunal vernetzt und zu wenig kommunikativ. Die zählbaren Erfolge seien dürftig bis überschaubar. Woran entzündet sich der Streit? Etwa an Kompetenzrangeleien zwischen den kommunalen Verbänden und dem Metropolverein. So hatten die angeschlossenen Nahverkehrsverbände mit einigem Bauchgrimmen zur Kenntnis genommen, dass die Metropolregion ein einheitliches Fahrticket für das ganze Rheinland proklamierte. Was durchaus sinnvoll klinge, sei angesichts der Absprachebedürftigkeit zwischen den Verkehrsverbünden ein dickes Brett, das erst einmal gebohrt werden müsse. Außerdem sei solch eine Absprache eine klassische Aufgabe der Nahverkehrsträger. Da habe es schon sehr im Gebälk geknarrt.

Wie geht es weiter? Mitte November trifft sich der geschäftsführende Vorstand des Vereins, um das weitere Vorgehen festzuzurren. Da sei die Geschäftsführerfindung ein sehr wichtiger Punkt. Aber man wolle auch die Satzung, Gremien und den Vorstand einer Überprüfung unterziehen.

Ursprünglich sollte die Evaluierung erst drei Jahre nach Gründung stattfinden. Inzwischen ist man sich weitgehend einig, dass dies viel früher stattfinden muss, um überhaupt einmal in den Arbeitsmodus zu gelangen. Hinter vorgehaltener Hand wird deshalb der Abgang von Grigat keineswegs als Nachteil gesehen. Vielmehr könnte die personelle Erneuerung auch frische Impulse für den Gesamtorganismus Metropolregion bringen.