Prozess in Köln

Brüder verkauften Billigbier als Marken-Kölsch

Billigbier als teures Kölsch haben zwei Brüder aus dem Sauerland verkauft.

Billigbier als teures Kölsch haben zwei Brüder aus dem Sauerland verkauft.

Köln. Zwei Brüder haben in Köln über Jahre obergäriges Bier aus dem Sauerland als Marken-Kölsch verkauft. Nur wenige Wirte bemerkten den Pfusch. Ein Amtsrichter verurteilte die beiden nun zu Haftstrafen.

„Bachsteiner – ob obergärig, Pils oder Alt im Fass, immer ein Genuss.“ So bewarben die Brüder Ercan und Sami H. (Namen geändert) ihre Hausmarke auf der Homepage ihres Getränkehandels im Kölner Stadtteil Niehl. Das obergärige Bier stammte von einer Brauerei im Sauerland. Der 45-jährige Ercan H. kam auf die Idee, das Bier, das sie zum Literpreis von 54 Cent einkauften, als Markenkölsch an Kölner Kneipen und Restaurants weiterzuverkaufen – für bis zu 1,63 Euro pro Liter. Die meisten Wirte bemerkten den Schwindel über einen Zeitraum von fünf Jahren nicht, da das Billigbier in Originalfässern der Kölsch-Marken Gaffel, Reissdorf oder Gilden war.

Wegen gewerbsmäßiger Kennzeichenverletzung mussten sich die Brüder nun vor dem Kölner Amtsgericht verantworten. Vor eineinhalb Jahren war der Prozess schon einmal gestartet. Da unter anderem nachermittelt werden sollte, wie viel Gewinn die angeklagten Getränkehandler gemacht haben, gab es nun einen neuen Termin. Ein Problem ist: Die Kölner Polizei bekam zwar schon Ende 2013 einen anonymen Hinweis, durchsuchte aber erst Mitte 2015 mit Lebensmittelkontrolleuren den Laden und die Lagerhallen. Aus Personalmangel, wie ein Beamter im Zeugenstand sagt. „Wir dachten, wir finden da 30 oder 40 Fässer – das war ein Trugschluss“, sagt er. Etwa 1600 Fässer seien insgesamt beschlagnahmt worden, auf mehreren hundert Fässern stand zwar Kölsch drauf, es war aber Obergäriges aus dem Sauerland drin.

Die Brüder sind zwar geständig, Reue zeigen sie aber nicht. „Die Brauereien sind schuld“, sagt Ercan H. „Die wollten uns systematisch kaputtmachen, haben uns kein Bier mehr verkauft.“ Die Brüder hatten das Markenbier günstiger angeboten als die Konkurrenz. Die Anwälte der Brauereien bezeichnen die Vorwürfe im Prozess als eine „Verhöhnung der geschädigten Brauereien“.

Laut Anklage haben die Brüder jahrelang Kölsch-Fässer zu der Brauerei im Sauerland gebracht und mit der Eigenmarke befüllen lassen. Die Kölsch-Etiketten der Originalfässer überklebten sie, hinterher machten sie die schwarzen Klebestreifen wieder ab — und belieferten die Wirte. Das Haltbarkeitsdatum sollen sie ebenfalls gefälscht haben. Mindestens 1000 Hektoliter pro Jahr nahmen sie der Brauerei ab.

"Die Kölner Seele ist verletzt"

Doch die Kundschaft merkte irgendwann, dass etwas nicht stimmt. Ein Kölner Wirt berichtet im Zeugenstand von einem Gast, der „schon sehr viele Jahre sehr viele Reissdorf-Kölsch getrunken hat und mir sagte: Das ist kein richtiges Kölsch“. Der Wirt sprach daraufhin mit der Brauerei, die zwei Fässer abholen ließ und bei der Überprüfung den Kölsch-Schwindel bemerkte.

Die Brauereien gehen von einem großen Schaden aus. „Es bleibt im Dunkeln, was die beiden tatsächlich verdient haben“, sagt Rechtsanwalt Christoph Lepper, der die Gaffel-Brauerei vertritt. „Wir vermuten einen mittleren sechsstelligen Betrag.“ Die Bücher des Getränkehandels waren lückenhaft, das Gericht muss zugunsten der Angeklagten deshalb von einer Gewinnmarge von 51.778 Euro ausgehen. 24.000 Liter Bier waren auf dem Gelände der Händler in falsch ausgezeichneten Fässern sichergestellt worden. Was vorher abgelaufen ist, „ist nicht mehr nachvollziehbar“, wie der Amtsrichter sagt.

„Die Kölner Seele ist verletzt, wenn das geliebte Bier Gegenstand von Markenverstößen wird“, sagt Rechtsanwalt Walter Baldus, der Reissdorf vertritt. So weit will der Amtsrichter nun nicht gehen. „Ob eine Turnschuh- oder eine Kölsch-Marke verletzt wurde, ist mir egal“, sagt er. Das dürfe sich nicht auf die Strafzumessung auswirken. Er sieht zwar die „kriminelle Energie“ der Angeklagten, „vom perfekten Verbrechen sind wir aber weit entfernt.“ Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, wann die Brüder auffliegen. Besonders professionell seien sie nicht gewesen.

Er verurteilt Ercan H. schließlich zu 14 Monaten und seinen 37-jährigen Bruder zu einem Jahr Haft – und setzt die Strafen zur Bewährung aus, da beide bisher straffrei gelebt haben. Ihr Getränkehandel ist inzwischen pleite. Sami H. fährt heute Lastwagen für eine Spedition und hat einen Berg Schulden, sein älterer Bruder ist arbeitslos.