Wenn Flüchtlinge zum Arzt müssen

Bornheim vergibt Gesundheitskarten an Geflüchtete

Zurückhaltend sind die Kommunen im Kreis mit dem Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte für Flüchtlinge.

Zurückhaltend sind die Kommunen im Kreis mit dem Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte für Flüchtlinge.

Rhein-Sieg-Kreis. Die Stadt im Vorgebirge gehört zu den wenigen Kommunen im Rhein-Sieg-Kreis, die sich für diesen Weg der Gesundheitsversorgung entschieden haben. Die meisten scheuen Bürokratieaufwand und Kosten.

Die Gesundheitskarte für Flüchtlinge wird im Rhein-Sieg-Kreis nur von wenigen Kommunen genutzt. Bornheim gehört zu den vier Städten, die sie eingeführt haben. Damit setzt der Großteil der Kommunen weiterhin auf Behandlungsscheine, die sich die Flüchtlinge vor einem Arztbesuch bei der Verwaltung abholen müssen.

Wie berichtet, hatte der Kreis den Kommunen zum Januar 2017 die Wahl zwischen Gesundheitskarte und Berechtigungsscheinen erleichtert. Dafür richtete er drei Solidargemeinschaften zum Umlegen der Kosten ein: Eine für Kommunen mit Gesundheitskarte, eine für Behandlungsscheine und eine für die Flüchtlinge, die länger als 15 Monate im Bundesgebiet leben.

Seither können Kommunen die Gesundheitskarte einführen und weiterhin Teil des Solidarpakts im Kreis bleiben. Zuvor hätten sie den Pakt verlassen – und damit hohe Krankheitskosten komplett selbst stemmen müssen. Laut Bettina Heinrichs-Müller vom Rhein-Sieg-Kreis laufen die Solidargemeinschaften unproblematisch nebeneinander. Auch das Abrechnungs- und Buchungsgeschäft sowie die Zusammenarbeit mit der Krankenkasse verlaufe reibungslos.

"Maßnahme zur Integration"

Der Verwaltungsaufwand habe allerdings zwei Seiten: Zum einen entfielen Prüfungen bei größeren Leistungen wie etwa geplante Operationen oder eine Psychotherapie, zum anderen sei der jährliche Abrechnungsaufwand mit den Kommunen komplexer geworden. Hennef, Troisdorf und Bornheim haben die Karte im Januar 2017 eingeführt, Sankt Augustin vergibt die Karten seit Januar an Flüchtlinge.

Die Umstellung sei nicht so sehr ins Gewicht gefallen, sagt Stadtsprecherin Eva Stocksiefen. „Es waren nur zwölf Personen betroffen.“ Alle anderen Flüchtlinge seien aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in diese Kategorie gefallen. Für die Stadt sei es vor allem eine Maßnahme der Integration. Fiskalische Überlegungen hätten bei der Einführung eher im Hintergrund gestanden.

„Wir denken, es hat sich bewährt“, sagt die Stadtsprecherin. Wie die Gesundheitskarte sich auf die Kosten auswirkt, ist noch nicht bekannt. Zu den Kommunen, die weiterhin Behandlungsscheine nutzen, gehört Siegburg. „Die Stadt hat nach Abwägung der Kosten und des bürokratischen Aufwands davon abgesehen“, sagt Sprecher Jan Gerull auf Anfrage. Eine Einführung sei derzeit auch nicht geplant.