GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Beklopp on Drei es Ellef

Bekloppt und Drei ist Elf.

Bekloppt und Drei ist Elf.

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Eine sehr amüsante Version der typischen rheinischen Argumentationskette ist der Satz: „Beklopp on Drei es Ellef.“ Da kann man wirklich sagen: Su jet jitt et nur em Rheinland (So was gibt es nur im Rheinland). Für Zugezogene müssen wir uns dem Thema ganz vorsichtig nähern. Zuerst die wörtliche Übersetzung: Bekloppt und Drei sind Elf. Mundartsprecher Georg Schmidberger bezeichnet den Satz als „rheinische Gleichung mit einer Unbekannten“. Dem möchte man spontan zustimmen. Der mathematisch Versierte weiß aber, eine Unbekannte muss nicht unbekannt bleiben, weil die Gleichung zu ihr hin aufgelöst werden kann. In diesem Falle wäre die Lösung Acht. Aber das hilft uns in der Deutung nicht weiter.

Da müssen wir schon stärkere Verbündete suchen und finden sie in der Numerologie und der Zahlensymbolik. Es geht also offensichtlich um den Zustand des Beklopptseins, der ja vor allem während der tollen Tage im Rheinland Dauerzustand sein kann. Und es geht darum, diesen Beklopptheitsgrad noch einmal zu steigern.

Was sagen uns die Zahlen dazu? Die Biblische Symbolik gibt klare Hinweise. Die Zahl Drei gilt als göttlich, denn sie repräsentiert die göttliche Dreifaltigkeit mit Vater, Sohn und Heiligem Geist. Biblische Aussagen werden, um sie eindringlicher zu machen drei Mal wiederholt. Und Jesu Auferstehung geschieht drei Tage nach der Kreuzigung. Übrigens gibt es auch in der Musik das Stilmittel des Dreischritts, der einen Melodieabschnitt drei Mal wiederholt und damit eine besondere Intensität erzeugt.

Die Elf dagegen ist die Zahl der Narren, der Jecken, des Karnevals. Weshalb? Sie symbolisiert Unvollkommenheit. Sie steht zwischen der Zehn und der Zwölf. Die Zehn repräsentiert biblisch „Alle“und erscheint als Zahl der Gebote, der Plagen und der Aussätzigen. Zwölf ist das Symbol der Vollkommenheit – die zwölf Stämme Israels, die Apostel Jesu. Und sie ist das mathematische Produkt aus Drei und Vier. Letztere sind die Himmelsrichtungen. Was sagt uns das über das Wesen der Verrücktheit? Wo schon Beklopptheit vorhanden ist und die noch intensiviert wird, dann ist die Verrücktheit vollkommen und nicht mehr steigerbar. Das ist doch auch mal eine schöne Gewissheit!

Haben auch Sie einen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns an rheinisch@ga-bonn.de.