Auftritt in der Lanxess Arena

Barack Obama in Köln wie ein Popstar gefeiert

Barack Obama in der Kölner Lanxess Arena.

Barack Obama in der Kölner Lanxess Arena.

04.04.2019 Köln. Barack Obama ist zwar nicht mehr im Amt, zieht aber noch immer die Massen an. Am Donnerstagabend sprach er in der Kölner Lanxess Arena und wurde gefeiert wie ein Popstar.

Endlich ist er da. 70 Minuten, nachdem um 19 Uhr die Lichter in der Kölner Lanxess-Arena erlöscht sind, betritt Barack Obama die Bühne, begrüßt von seiner in Deutschland lebenden älteren Schwester Auma Obama und 14000 Zuhörern in der fast komplett gefüllten Halle, die den ehemaligen US-Präsidenten feiern wie einen Popstar. Obama, sichtbar ergraut, dunkelblauer Anzug und hellblaues Hemd, erscheint immer noch jungenhaft. Die Menschen, die zuvor bei jeder Erwähnung seines Namens gejubelt haben, hängen von Beginn an seinen Lippen.

„World Leadership Summit“ in Köln. Obama ist der einzige Teilnehmer, der den Anspruch des pompösen Titels tatsächlich gelebt hat. Und durch seine Obama-Stiftung und durch Auftritte wie den in Köln am Donnerstagabend immer noch erfüllt, wenn auch ohne unmittelbare Machtausübung wie in einem Amt.

Nun ist er Botschafter seiner politischen Sendung, die gerade in Deutschland angesichts seines hierzulande überaus kritisch beobachteten Nachfolgers im Weißen Haus gerne gehört wird. Aber der Name Donald Trump fällt an diesem Abend nicht ein einziges Mal. Obama hält sich an die ungeschrieben Regel, dass ein aus dem Amt geschiedener US-Präsident nicht schlecht über seinen Nachfolger spricht. Das bedeutet nicht, dass es keine klaren Aussagen gibt. „Eine der größten Gefahren für die Demokratie heutzutage ist, dass wir uns nicht mehr über die grundlegenden Fakten einigen können“, sagt der Ex-Präsident in Anspielung auf „alternative Fakten“ und Fake News. „Die Leute nehmen nur noch die Fakten wahr, die ihre Meinungen bestärken.“ Oder: „Wir hatten in unserer Regierung nie einen Skandal. Niemand wanderte ins Gefängnis.“ Und: „Wir haben unsere Integrität bewahrt.“

Am Nachmittag ist Obama mit seiner Privatmaschine am Flughafen Köln-Bonn gelandet. Von dort geht es für ihn zum Hyatt-Hotel am Kölner Rheinufer, direkt gegenüber dem Dom. Das Hotel ist Besuch von Prominenten gewohnt: Regelmäßig steigen hier Popstars und andere Celebritys ab – auch wegen der Nähe zur Lanxess-Arena. Die Präsidenten-Suite des Hotels, 180 Quadratmeter groß und mit Piano, Dampfbad und Whirlpool ausgestattet, konnte der Trump-Vorgänger allerdings nicht beziehen – sie war nach Berichten mehrerer Medien längerfristig an einen TV-Sender vermietet.

Das allerdings vermiest ihm die Laune am Abend nicht. Mit einem jungenhaften Lächeln in den Mundwinkeln und dem nötigen Abstand schildert er seine Erfahrungen beim Abschied aus dem Präsidentenamt. Die erste Überraschung: „Ich musste mir meinen Kaffee selbst machen!“ Und mit seiner Frau Michelle Obama und den Töchtern um Platz in den Kleiderschränken kämpfen. „Im Weißen Haus war das kein Problem.“ Seiner Frau macht Obama auf der Bühne eine Liebeserklärung: Sie sei „einzigartig: klug, stark, schön – und eine gute Tänzerin“. Ihre gemeinsame Erfolgsgeschichte erklärte er mit ihrer beider Herkunft aus einfachen Verhältnissen: „Wir konnten nicht erwarten, dass die Welt uns etwas schenkt.“ Selbst hören konnte Michelle Obama die Elogen nicht, sie ist nicht mit nach Köln gekommen.

Gelassene Kölner Polizei

Aber natürlich erzählt der Ex-Präsident auch voller Ernst von den Herausforderungen, des Amtes, von Zweifeln und schwierigen Entscheidungen. Zum Beispiel bei der Tötung des Al-Kaida-Führers Osama bin Laden: „Wir wussten, unsere Chance war 50 zu 50, aber wir entschlossen uns, das Risiko einzugehen.“ Man lebe in diesem Amt immer mit dem Problem, dass es meist keine eindeutig richtige oder falsche Entscheidung gebe.

Die Kölner Polizei blickte dem Besuch des ehemaligen US-Präsidenten gelassen entgegen. „Wir haben ja große Erfahrung mit derartigen Situationen“, sagte ein Sprecher und dachte dabei wahrscheinlich an den G8-Gipfel, zu dem Bundeskanzler Gerhard Schröder 1999 nach Köln geladen hatte. Damals trank nicht nur der damalige US-Präsident Bill Clinton ein halbes Kölsch im Brauhaus Malzmühle (um seinen Sauerbraten mit Klößen und Apfelmus runterzuspülen).

Auch der britische Premier Tony Blair, Russlands Boris Jelzin oder Präsident Jacques Chirac (Frankreich) kamen zum Gipfel in die Domstadt. Im Vergleich dazu ist Obamas Kurzbesuch überschaubar. Schwerpunktmäßig geht es für die Kölner Polizei darum, für sichere und ungehinderte Transfers des Gastes aus den USA in der Stadt zu sorgen und weiträumig die Straßen abzusichern. Die Verkehrsbehinderungen halten sich in Grenzen. Am späten Abend kann ein Polizeisprecher feststellen: Keine Probleme: „Es ist alles so rund gelaufen, wie wir uns es gewünscht haben.“

Für die persönliche Sicherheit des Gastes sind allerdings andere zuständig. „Obama kommt als Privatperson nach Köln und bringt seine eigenen Sicherheitskräfte mit“, so der Polizeisprecher im Vorfeld. Auch ehemalige US-Präsidenten gelten als in der Öffentlichkeit hochgradig gefährdet und werden von Angehörigen des Secret Service geschützt. Von politischen Kundgebungen im Umfeld des Besuches wusste die Behörde nichts.

Für Frank Thelen, Bonner Startup-Finanzier und Juror bei der TV-Show „Höhle der Löwen“, ist Obama schlicht „der beste Redner der Welt“. Darum sei es auch bei der Idee zu diesem Abend in der Lanxess-Arena gegangen, wie Alexander Müller, Geschäftsführer der Kölner Event- und Seminaragentur „Gedankentanken“ erzählt, die den ehemaligen Präsidenten nach Köln lotste. „Wir haben uns vor zwei Jahren gefragt: Wer ist eigentlich der beste Redner der Welt?“

Stillschweigen über Honorar des US-Präsidenten

Doch bis aus den USA grünes Licht kam, brauchten die „Gedankentanken“-Leute langen Atem: „Erst vor acht Wochen kam die Zusage“, berichtet Müller. Teil der Überzeugungsarbeit war zuvor eine Visite von Müllers Kompagnon Stefan Frädrich in New York beim Agenten des Ex-Präsidenten. „Sie können sich vorstellen, dass Obama eine Menge Angebote hat, in Europa zu reden“, so Müller. „Unser Konzept hat ihn überzeugt.“ Über das Honorar des US-Präsidenten für den Abend bewahrt er Stillschweigen. US-Medien berichteten allerdings, dass für Obama-Auftritte bis zu 400.000 Dollar fällig wären. „Aber wegen des Geldes ist er bestimmt nicht gekommen“, ist Veranstalter Müller sicher.

Thelen jedenfalls, der nach Obama auf der Bühne der Lanxess-Arena auftritt, freute sich wenige Stunden vor der Veranstaltung auf die Begegnung. „Ich bin sehr, sehr glücklich darüber, diese Möglichkeit zu haben“, so Thelen. „Ich finde es immer unheimlich inspirierend, Obama zuzuhören“, meint der Bonner, der aber zugeben muss, trotz seiner Bühnenerfahrung angesichts des großen Publikums in der Arena und des prominenten Vorredners „ein wenig nervös“ zu sein. Thelen gehört zum exklusiven Kreis von Gästen, die am frühen Abend beim Dinner mit dem Ex-Präsidenten zusammensitzen dürfen. Voll zahlende Gäste müssen für diese Ehre 5000 Euro berappen.

Viel mehr als eine Nacht verbringt der vielgefragte Gast aus den USA nicht am Rhein – zum Leidwesen des offiziellen Köln. „Wir hätten Obama gerne eingeladen, sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen“, sagt Stadtsprecher Alexander Vogel. Auch alternative Angebote wie ein Besuch der Altstadt seien dem Team des Ex-Präsidenten auf unterschiedlichen Kanälen gemacht worden. Aber mehr als die freundliche Kenntnisnahme der Offerten habe es nicht gegeben. „Es wäre schön gewesen, wenn es geklappt hätte“, so Vogel. „Aber der Besuch ist halt privater Natur.“ Selbst ob es zum Händeschütteln der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit dem Stargast kommen würde, war wegen Obamas durchgetaktetem Programm und der Ratssitzung am Abend ungewiss.

Am Freitag will Obama Richtung Berlin durchstarten – zu einem sogenannten Townhall-Meeting nach amerikanischem Vorbild mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus ganz Europa, denen zugetraut wird, in Zukunft Führungspositionen zu besetzen. Zuvor will der Ex-Präsident einer politischen Vertrauten aus seiner aktiven Zeit einen Besuch abstatten: Bundeskanzlerin Angela Merkel, die er seine Freundin nennt, wird Obama am Nachmittag zu einem vertraulichen Gespräch im Kanzleramt empfangen, wie die Bundesregierung bestätigte. ()