Projekt kostet acht Millionen Euro

Bahn erneuert Oberleitungen zwischen Brühl und Sechtem

Brühl/Bornheim. Die Arbeiten der Bahn zwischen Brühl und Sechtem haben begonnen. Das bedeutet Einschränkungen im Zugverkehr für die Linien RE 5, RB 26 und RB 48.

Der Lärm ist ohrenbetäubend und schmerzt ein wenig. Die Bauarbeiter in ihren neon-orangefarbenen Schutzanzügen werkeln ungehindert weiter. Sie tragen Ohrenschützer. Aber nicht nur gewaltiger Lärm geht von dem Zwei-Wegebagger mit seiner zehn Meter hohen roten Ramme aus, sondern ebenso eine starke Vibration. Den Namen hat der Bagger, weil er sowohl auf Gleisen als auch auf Straßen fahren kann.

Ort der Baustelle: der Bahnübergang Weiherhofstraße in Brühl. Seit Mittwoch sind tagsüber 21 Arbeiter und nachts 25 für die Erneuerung der Oberleitung zwischen Brühl und Sechtem zuständig. Nachts auch nur dort, wo es kaum bis gar keine Häuser gibt, damit die Anwohner nicht zu sehr genervt werden. „Bis zum 15. Januar wird hier noch gearbeitet“, sagt Torsten Nehring, Mitarbeiter in der Presseabteilung der Deutschen Bahn (DB). Er trägt ebenfalls eine neon-orangefarbene Jacke und einen weißen Schutzhelm.

Die noch stehenden Oberleitungsmasten stammen aus den 1950er Jahren und „haben ihre Lebensdauer überschritten“, erklärt Nehring und läuft am Rande der Schiene entlang zu einem neu eingefassten Stahlträger, den die Ramme bereits ins Erdreich befördert hat. Insgesamt werden auf einer Strecke von etwa 13 Kilometern 103 Masten ausgetauscht. Kosten: acht Millionen Euro. Die alten Masten werden geschreddert und recycelt. Bei der DB wird nichts einfach auf den Müll geworfen.

Alte Masten werden recycelt

„Diese Strecke war die erste elektrifizierte nach dem Zweiten Weltkrieg“, fügt Nehring hinzu und zeigt auf einen der alten Masten, den man inzwischen als historisches Relikt bezeichnen kann. Die neuen Oberleitungsmasten sollen mindest an die vier Jahrzehnte halten. Da an einigen Stellen, vor allem an den dicht besiedelteren, wegen des heftigen Lärms der Ramme nur tagsüber gearbeitet werden kann, ist ein Zeitraum von zwei Wochen notwendig. Hinzu kommt, dass die Züge nur noch auf einem Gleis verkehren können (Hin- und Rückfahrten), weil sich auf dem gegenüberliegenden die Ramme ins Erdreich frisst.

Plötzlich rast ein ICE die Schienen entlang. Nehring neigt den Kopf schlagartig zum Boden. „Es könnte immer etwas an der Seite des Zuges mitwehen, abfallen und im Gesicht landen. Das ist eine reine Vorsichtsmaßname“, sagt er und hebt seinen Kopf wieder.

Bisher haben sich laut Nehring noch keine Anwohner beschwert. Im Vorfeld hatte die DB Zettel mit allen Informationen zur Baustelle und dem eingeschränkten Zuverkehr in die Briefkästen aller betroffenen Haushalte geworfen. Dennoch sei ein Medientermin unerlässlich. Nehring: „Wir hatten mal eine Baustelle in Remscheid. Es gab dort viel Lärm, Gestank und Dreck. Die Anwohner haben sich beschwert. Daraufhin haben wir einen Termin mit der Presse vereinbart, um aufzuklären, Transparenz zu schaffen und auch Verständnis für die Zustände. Einen Tag später haben sich Betroffene bei unserem Bauleiter gemeldet und ihm gesagt, dass sie nun im Bilde seien, aber im Vorfeld von den Arbeiten nichts gewusst haben und dankbar für die Aufklärung seien.“ Einige der Anlieger hatten aus Versehen das Infoblättchen mit Werbung verwechselt und es in das Altpapier geworfen.

Habitat für Eidechsen

Auf die Frage, warum die Arbeiten erst in der letzten Woche der Weihnachtsferien begonnen haben und nicht bereits in der ersten, antwortet Nehring: „Die Terminierung einer Baustelle dauert Monate, zum Teil auch Jahre. Des Weiteren müssen zu dem Zeitpunkt Personal und Maschinen, die nicht auf parallel laufenden Baustellen eingesetzt werden dürfen, vorhanden sein. Außerdem müssen Fahrpläne angepasst und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden.“

Nicht nur der Lärm kann zu einem Problem werden, auch die Vibrationen der Arbeitsgeräte. In Sichtweite des Bahnübergangs steht ein Gehöft. Dort wird die Ramme nicht eingesetzt, damit keine Schäden an dem Haus entstehen. „Wir arbeiten mit einem anderen Fundament aus Beton und nicht mit Stahlpfeilern“, erklärt Thomas Kayser, Projektingenieur bei der DB. Das Gleiche gelte für Bahnhofsgebäude.

Berücksichtigt wird auch die Fauna an der Strecke – in dem Fall sind es Eidechsen. „Mit der Unteren Landschaftsbehörde haben wir abgesprochen, dass es ein Habitat für die Tiere geben wird, das nach der Baustelle bestehen bleibt und auch gepflegt wird“, sagt Kayser. Er zeigt mit dem Finger auf einen Erdhaufen am Rande des Gleisbetts. Zu sehen sind mehrere Flächen mit großen, aufgeschichteten Steinen, auf denen sich die Eidechsen sonnen können. Der Clou, wenn es mal bedeckt ist: Die Steine speichern die Wärme. Daneben gibt es eine Sandgrube, in der die Reptilien laichen können.