Menschen mit Handicap

Autisten arbeiten als Winzer, Imker oder Kaffeeröster

Im Odendorfer „Dat Lädche“ bietet der Verein „Leben mit Autismus“ jetzt von Behinderten hergestellte Produkte an.

Im Odendorfer „Dat Lädche“ bietet der Verein „Leben mit Autismus“ jetzt von Behinderten hergestellte Produkte an.

SWISTTAL-ODENDORF. Der Swisttaler Verein „Leben mit Autismus“ eröffnet in Odendorf "Dat Lädchen", ein Geschäft für handwerklich Gefertigtes aus eigener Herstellung.

Menschen mit Behinderung eine Arbeit zu geben, die sie mit ihren individuellen Einschränkungen bewältigen können und die zugleich eine sinnvolle und dauerhafte Beschäftigungsmöglichkeit darstellt, hat sich der Verein „Leben mit Autismus“ als neues Projekt auf die Fahne geschrieben. In seiner Begegnungsstätte „Come in“ für „Menschen mit Autismus – und ohne“ an der Odendorfer Odinstraße hat der gemeinnützige Hilfsverein jetzt über Therapieräume und Verwaltungssitz hinaus einen Laden eingerichtet, in dem Produkte angeboten werden, die vom Verein betreute Behinderte in eigener Werkstatt hergestellt haben.

Dazu gehören selbst gezogene Bienenwachskerzen ebenso wie Pfannenwender, Tafelbrettchen oder Vogelhäuschen aus Holz als Produkte der heilpädagogischen Waldorfschule „Johannes-Schule“ in Bonn oder der „Lebensgemeinschaft Eichhof“ in Much, wie der Initiator und Vorsitzende des Vereins „Leben mit Autismus“, Peter Schumacher, erläuterte. Ergänzend auch Produkte einer Imkerei und einer kleinen Kaffeerösterei, die künftig in ihrer Produktion ebenfalls Arbeit für Behinderte integrieren wollen.

„In unserer Verwaltung haben wir bereits einen Behinderten eingestellt. Weitere Mitarbeiter sollen in Zukunft hinzukommen“, kündigte Schumacher an. „Unser Ziel ist es, Behinderte in den zweiten und ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Getreu unserem Konzept 'MEA - Miteinander arbeiten', bei dem Behinderte und Nicht-Behinderte miteinander arbeiten.“ In einer angemieteten Halle im Odendorfer Gewerbegebiet wird zum Beispiel schon heilpädagogisches Kerzenziehen angeboten. Angedacht sei als nächstes das Weben kleiner Teppiche. Über die Kooperation mit Imkerei und Kaffeerösterei hinaus nannte Schumacher als weiteres Projekt das Bestellen eines eigenen Weinbergs an der Ahr in Kooperation mit einem Winzer, wobei auch Behinderte eingesetzt werden sollen.

Mit Sinn und Zweck

Das heilpädagogische Arbeitsangebot ist schwerpunktmäßig konzipiert für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung sowie für Menschen mit anderer Beeinträchtigung, geistig, körperlich oder seelisch. Es beinhaltet vorrangig überschaubare und nachvollziehbare Arbeitsabläufe, erläutert der Verein auf seiner Internetseite. Auf der praktischen Ebene geht es vor allem um den Umgang mit natürlichen Materialien und um die Herstellung umweltfreundlicher Produkte.

Dabei steht nicht der Profit, sondern eine sinnvolle und dauerhafte Beschäftigung im Vordergrund. Auch soll keine Konkurrenz mit Angeboten der freien Wirtschaft entstehen. Die von den Mitarbeitern gefertigten Produkte werden in den vereinseigenen Räumen zum Verkauf angeboten, ein Teil des Verkaufserlöses kommt dem betroffenen Mitarbeiter monatlich als Entlohnung zugute. Durch den Verkauf soll für jeden einzelnen Mitarbeiter die Sinnhaftigkeit seiner Arbeit erkennbar sein.

„Dat Lädche“ in Odendorf, Odinstr. 17, ist Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag jeweils von 9 bis 18 Uhr sowie Mittwoch und Samstag von 9 bis 13 Uhr geöffnet.

Der Verein „Leben mit Autismus“ informiert am Mittwoch, 30. November, von 19 - 21 Uhr im katholischen Familienzentrum, Am Zehnthof 4, in Odendorf über Hilfsangebote für psychisch erkrankte Kinder, Jugendliche und junge Volljährige mit Schwerpunkt Autismus.