Bornheimer Spargel

Am Samstag ist Spargelsilvester in Bornheim

Den letzten Spargel holen die Bauern jetzt aus der Erde. Laut der Landwirtschaftskammer wurde das Gemüse in NRW noch nie so lange gestochen wie diese Saison, die bereits Ende März startete. FOTO: DPA

Den letzten Spargel holen die Bauern jetzt aus der Erde. Laut der Landwirtschaftskammer wurde das Gemüse in NRW noch nie so lange gestochen wie diese Saison, die bereits Ende März startete. FOTO: DPA

RHEIN-SIEG-KREIS. Noch bis zum Johannistag ernten die Bauern in Vorgebirge und Voreifel traditionell das Stangengemüse. Es war eine lange Saison mit viel Auf und Ab.

Eine lange Saison mit viel Auf und Ab liegt hinter den Spargelbauern in Vorgebirge und Voreifel. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen wurde noch nie so lange Spargel gestochen wie dieses Jahr. Noch bis zum Johannistag an diesem Samstag, 24. Juni, läuft traditionell die Ernte – wer das königliche Stangengemüse noch mal frisch verspeisen möchte, hat also jetzt zum „Spargelsilvester“ die Gelegenheit.

Die vielen warmen Tage im März hätten dafür gesorgt, dass der Spargel früher denn je geerntet werden konnte, heißt es von der Landwirtschaftskammer. Es sei aber auch eine „ungewöhnliche Saison“ für die Spargelbauern in NRW gewesen: Erst der sehr frühe Start Ende März, danach eine lange Kältephase mit wenig Spargel und zum Schluss wieder sommerliche Temperaturen.

Dicke Erträge im März, Flaute im April

Auf das Hin und Her mit den Temperaturunterschieden verweist auch der Uedorfer Biobauer Leonhard Palm vom Verein der Bornheimer Spargelanbauer. Ende März habe es „dicke Erträge“ gegeben, Mitte April sei dann zwischenzeitlich Flaute gewesen. Das sei unangenehm für die Bauern, da die Enttäuschung der Kunden meist groß sei, wenn es dann plötzlich keinen Spargel mehr gebe. „Und es war viel zu trocken die ganze Zeit“, fügt Palm hinzu. Dadurch seien die Stangen zum Schluss sehr dünn gewesen.

Zu wenig Regen

Auch die Landwirtschaftskammer verweist darauf, dass die „paar Millimeter Regen“, die in dieser Saison hin und wieder gefallen seien, nicht immer für eine Versorgung der Pflanzen mit Wasser ausgereicht hätten. Bei Spargelbauerin Dorothee Krings aus Meckenheim kam noch eine andere Schwierigkeit hinzu: der starke Frost im April.

Es seien ihr viele Stangen vom grünen, aber auch vom weißen Spargel erfroren, sagt sie und fasst mit Blick auf die starken Schwankungen zusammen: „Wir waren schon arg gebeutelt dieses Jahr.“ Sie habe deutlich weniger Umsatz an Spargel gehabt als sonst. Für sich spreche auch, dass sie üblicherweise neun bis zehn Personen beschäftige, wegen der Kälte seien es dieses Mal nur fünf Angestellte gewesen, so Krings.

Zu Ostern gab es schon Spargel

Leonhard Palm zeigt sich indes schon „zufrieden, da es eine lange Saison war“, so der Uedorfer. „Ich glaube, es war erst das zweite Mal, dass wir zu Ostern schon Spargel hatten.“ Seines Wissens nach würden die meisten Bauern im Vorgebirge auch noch bis Samstag ernten. Die Preise seien „durchschnittlich“ gewesen. Das Kilo habe im Verkauf nicht unter neun Euro gekostet. Die Spitze zu Saisonbeginn habe bei zwölf bis 13 Euro gelegen.

Wichtig sei nun, auch mit Blick auf die kommende Saison, dass die Trockenheit aufhöre, damit die Spargelpflanzen Kraft tanken könnten: „Wir wünschen uns Regen und kühleres Wetter“, sagt Palm. „Wir hatten ja auch schon einen trockenen Herbst, einen trockenen Winter und ein trockenes Frühjahr.“ Deshalb sei kein Wasser mehr in der Erde.

Wenn es weiterhin so wenig regne, könnte es laut der Landwirtschaftskammer sein, dass frisch gepflanzte Spargelfelder im nächsten Jahr nicht geerntet werden können, da ihr Wurzelwerk noch nicht so tief in die Erde reicht.

Spargel kann man auch einfrieren

Bis zum Herbst wächst der Spargel jetzt bis zu zwei Meter hoch „ins Kraut“ und bildet mithilfe des Sonnenlichts Reservestoffe, die ab September in die Speicherwurzeln eingelagert werden, erläutert die Landwirtschaftskammer. Dieser Vorrat sichere die Ernte für die Spargelsaison im nächsten Jahr.

Wer bis dahin nicht auf Spargel verzichten möchte, könne die letzten Erntetage jetzt nutzen, um sich einen Vorrat anzulegen, rät die Kammer: Der geschälte und portionsweise abgepackte Spargel könne auch eingefroren werden.