Entlassender Sexualstraftäter

41-Jähriger nach versuchten Vergewaltigungen in Köln festgenommen

Ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht auf dem Dach.

Ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht auf dem Dach.

Köln. Ein nach zwölf Jahren Haft frei gelassener Sexualstraftäter soll in Köln innerhalb weniger Wochen erneut versucht haben, zwei Frauen zu vergewaltigen.

Nach den versuchten Vergewaltigungen am 31. Mai im Kölner Stadtteil Lindenthal und am 2. Juni in der Kölner Südstadt hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Das teilte die Behörde am Donnerstagmorgen mit. Ein Haftrichter hatte am Mittwochnachmittag Haftbefehl gegen einen 41-jährigen erlassen. Der Beschuldigte schweige bislang zu den Tatvorwürfen.

Fest steht: Der Mann wurde 2006 zu einer zwölfjährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung eines zwölf Jahre alten Mädchens und dreier Frauen verurteilt – und am 12. April 2018 wieder freigelassen. Die Frauen hatte er jeweils in den frühen Morgenstunden überfallen – eine Parallele zu den beiden aktuellen Fällen.

Am frühen Morgen des 31. Mai 2018 hatte ein Mann eine 23-Jährige auf ihrem Heimweg überwältigt, ihr den Mund zugehalten und in ein Gebüsch gezogen. Am frühen Morgen des 1. Juni 2018 verfolgte ein Mann eine 20-Jährige, riss sie zu Boden und hielt ihr den Mund zu. Beide Taten ereigneten sich gegen etwa 4 Uhr. In beiden Fällen ließ der Angreifer von seinem Opfer ab, als sich Passanten näherten.

Der 41-Jährige sei dann schnell uns Visier der Polizei geraten und nach der Sicherstellung von DNA-Spuren bei einer Durchsuchung seiner Wohnung festgenommen worden. Während der Haft hatte der Tatverdächtige eine Therapie verweigert und war deshalb als rückfallgefährdeter Straftäter eingestuft worden.

Inzwischen habe das Amtsgericht Haftbefehl erlassen. Es werde nun geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung vorlägen. Der Mann ist ein sogenannter "Kurs"-Proband.

"Kurs" steht für Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern in Nordrhein-Westfalen. Es ist eine ressortübergreifende Verwaltungsvorschrift von Innen-, Justiz- und Arbeitsministerium mit der Zielsetzung, die Allgemeinheit bestmöglich vor besonders rückfallgefährdeten Sexualstraftätern zu schützen. Sie soll verhindern, dass gefährliche Menschen nach der Haftentlassung in die Anonymität abrutschen und neue Sexualdelikte begehen.

Sexualstraftäter werden bei "Kurs" in die Risikogruppen A, B und C mit absteigendem Gefährdungspotenzial unterteilt. Das Programm gibt es seit 2010. Wie viele "Kurs"-Probanden es in NRW gibt, wird geheim gehalten. Es müssten mehrere Hundert in NRW sein, so interne Schätzungen. Nach Recherchen der Rheinischen Post, wurden seit Beginn des Programms vor acht Jahren 99 Probanden rückfällig. Das entspreche einer Rückfallquote von 3,1 Prozent.

Mit dpa-Material