Interview zu Afrika-Reisebericht in Rheinbach

„Langsamkeit ist der Schlüssel zum Ziel“

Rheinbach. Andreas Klotz aus Rheinbach hat schon viel von der Welt gesehen. Über seine Erlebnisse am Kilimandscharo berichtet der Afrikafan am 12. März in einem Multivision-Vortrag in der Stadthalle.

Meterhohe Baumfarne, Bergregenwälder, Bambuswälder und gigantische Riesenpflanzen sind nicht unbedingt das, was Fernwehgeplagte mit Afrika verbinden. Eben solches hat Buchautor und Werbefachmann Andreas Klotz aus Rheinbach während seiner Reisen durch fünf ostafrikanische Länder gesehen. Seine Erlebnisse vom schneebedeckten Traumberg Kilimandscharo, von Begegnungen mit Berggorillas und auf verwunschenen Pfaden durch die Mondberge, das wildeste und ursprünglichste Bergmassiv Afrikas, hat der passionierte Fotograf in eine 90 Minuten lange Multivisions-Schau gekleidet, die am Sonntag, 12. März, 18 Uhr, in der Rheinbacher Stadthalle zu sehen sein wird. Mit dem 48 Jahre alten Rheinbacher sprach Mario Quadt.

Was geht einem durch den Kopf, wenn man einen dichten Dschungel durchquert und ein mächtiger Berggorilla taucht vor einem auf?

Andreas Klotz: Der erste Gedanke ist immer: Was denkt sich jetzt der Gorilla? Denn die schauen einen so an, dass man versucht, die vielen Gesichtsausdrücke zu interpretieren – ob das Freude ist, Missstimmung oder Neugierde. Das ist nicht nur bei mir, sondern bei vielen anderen der erste Gedanke: Was denkt er sich jetzt, warum die da sitzen mit ihren klickenden Apparaten und was geht ihm im Kopf herum?

Wie gefährlich kann es werden, einem ausgewachsenen Berggorilla zu begegnen – beispielsweise, wenn man denkt, noch näher herangehen zu müssen für eine wirklich gute Nahaufnahme?

Klotz: Es gibt klare Gorilla-Besuchsregeln. Die werden einem nicht nur einmal, sondern mehrmals eingebläut. Wenn man zu den Gorillas geht, ist man nie allein dort, sondern unter der Leitung von Rangern. Die wichtigste Regel ist, einen Mindestabstand von fünf bis sieben Metern einzuhalten. Weil Gorillas das aber nicht wissen, kommt es natürlich manchmal zu kürzeren Entfernungen. Dann sollte man nach Möglichkeit ein paar Schritte zurückgehen. Ich habe es – mit den Gruppen, mit denen ich unterwegs war – aber noch nie erlebt, dass jemand bewusst diese Grenze unterschritten hat und näher rangegangen ist. Gefährlich? In der Theorie ja, in der Praxis nein.

Wie theoretisch ist denn die Theorie nach Ihrer Erfahrung?

Klotz: Theoretisch ist ein ausgewachsener Silberrücken sehr stark. Ich habe schon gesehen, wie er einen oberschenkeldicken Holzstamm einfach so mit den Händen zerbricht. Ein Berggorilla besteht eigentlich nur aus Muskeln und wiegt 200 bis 250 Kilo – sehr beeindruckend und beängstigend vielleicht. Aber dass ein Tourist angegriffen wird, da glaube ich nicht dran. Das habe ich noch nie erlebt. Scheinangriffe dafür schon. Das reicht einem. Danach ist man leicht konsterniert. Am nächsten kommt man übrigens den kleinen Gorillas, denn der Silberrücken beobachtet alles aus der Entfernung und greift nur ein, wenn er denkt, dass irgendeine Gefahr besteht. Aber Babys und Jungtiere sind die, die schon mal näher kommen – und die sind ja eigentlich eher harmlos.

Wer auf den Gipfel des Kilimandscharo will, durchquert gewissermaßen alle Klimazonen, die es auf der Erde gibt. Was ist der Schlüssel, um ans Ziel zu gelangen?

Klotz: Langsamkeit ist der Schlüssel zum Ziel – und viel trinken. So simpel, wie sich das anhört. Man soll jeden Tag sehr viel trinken und möglichst langsam die einzelnen Etappen angehen. Zuvor sollte man sich den gesamten Berg in möglichst viele Etappen einteilen. Ich glaube, dass auch ein Pausentag eines der Erfolgsgeheimnisse ist. Ein weiteres ist die richtige Akklimatisierung an die Höhe. Die erreicht man durch langsames Gehen, sich einfach Zeit zu lassen und einen Pausentag auf einer Höhe von 4000 Metern einzulegen.

Wie ist so eine Nacht im Krater des Kilimandscharo?

Klotz: Kalt – mit einem Wort. Minus 20 Grad hatten wir. Die Kamera hatte ich vorbereitet, um nachts bei Vollmond – ein glücklicher Zufall – fotografieren zu können. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, ein Foto von den Gletschern des Kilimandscharo bei Vollmond zu machen. Die Kamera lag im Zelt, und es war eine millimeterdicke Raureifschicht darauf, als ich raus wollte. Ich bin dann nicht gegangen, es war einfach zu kalt. Wenn man sich gut akklimatisiert hat und sich nicht zu schnell bewegt, dann ist man auf der Höhe dort oben auch nicht ständig außer Atem. Auch wenn nur die Hälfte der Sauerstoffmenge in der Luft ist.

Was erwartet die Besucher bei Ihrem Multivision-Vortrag?

Klotz: Es ist eine Mischung aus Bildern – in erster Linie – sowie Erzählungen und Geschichten von persönlichen Erlebnissen, aber auch Informationen über den Kilimandscharo, die Berggorillas, über Ostafrika. Das Ganze wird dann noch garniert mit mehreren Trailern, in denen nur Bilder mit sehr flotter Musik laufen – zu Beginn, am Schluss und zur Einleitung der einzelnen Themen.

Was ist so schwierig daran, die Mondberge, das größte Gebirge Afrikas, zu erreichen?

Klotz: Erreichen kann man es eigentlich ganz leicht, mit dem Auto. Aber es gibt innerhalb des Gebirges überhaupt keine Infrastruktur. Außer man ist zu Fuß auf sehr schmalen und teilweise sehr zugewachsenen und matschigen Pfaden unterwegs. Der Grund liegt darin, dass es dort nahezu jeden Tag regnet oder schneit und man Sümpfe durchqueren muss. Es gibt nur drei Möglichkeiten, durch die Mondberge zu gelangen: Entweder es geht steil bergauf, es geht steil bergab oder es ist sumpfig. Das ist eine körperliche und auch mentale Herausforderung. Es gibt keinen Handyempfang oder Kontakt zur Außenwelt. Man ist mehrere Tage unterwegs und hat das Gefühl, relativ allein zu sein.

Was macht die Mondberge so surreal?

Klotz: Es ist die Pflanzenwelt dort. Es gibt nur sehr wenige Tiere. Aber die Pflanzen wirken einfach, wie dem „Herr der Ringe“ entsprungen. Riesige Pflanzen, die von Moosen und Flechten bewachsen sind. Durch dieses stetige feuchte Klima, mit Nebelschwaden und Wolken, die um die Pflanzen herumwabern, entsteht so eine Stimmung, bei der man wirklich glaubt: Da könnte jetzt ein Fabelwesen um die Ecke kommen.

Sie haben schon viel von der Welt gesehen, fernab der bekannten und beliebten Destinationen des Massentourismus. Wohin reizt es Sie, einmal zu reisen?

Klotz: Da gibt es natürlich eine lange Wunschliste. Auch wenn ich ein Afrikafan bin und immer wieder nach Afrika reisen möchte, reizen mich Borneo und natürlich, wie so viele, Neuseeland und noch mehr Tasmanien.

Der Live-Multivision-Vortrag mit Andreas Klotz am Sonntag, 12. März, beginnt um 18 Uhr in der Rheinbacher Stadthalle, Villeneuver Straße 5. Karten kosten zwölf, ermäßigt neun Euro. Erhältlich sind sie telefonisch unter 0 22 26/91 17 99, per E-Mail an bestellung@mondberge.com oder an der Abendkasse. Der Abend wird zusätzlich garniert von afrikanischen Köstlichkeiten.