Lew-Kopelew-Preis in Köln

Ärzte und Gründerin einer Hilfsorganisation aus Syrien ausgezeichnet

Die Lew-Kopelew-Preisträger in Köln: Suuad Tayeb, Abdulkader Abdulrahim und Amma Zakaria(von links).

25.11.2013 KÖLN. Sich in Zeiten von Angst, Gewalt und Chaos nicht um das eigene, sondern um das Wohl anderer zu kümmern, ist nicht selbstverständlich. Trotzdem gibt es sie, diese Menschen, die selbst unter widrigsten Umständen den Mut aufbringen und Solidarität beweisen. Suuad Tayeb von der Hilfsorganisation Najda Now (auf deutsch "Hilfe jetzt") und die beiden Ärzte Amma Zakaria und Abdulkader Abdulrahim sind drei von ihnen.

Seit mehr als zwei Jahren kämpfen sie im vom Bürgerkrieg betroffenen Syrien mit wenigsten Mitteln für das Leben der Menschen. Am Montag sind sie - auch stellvertretend für all ihre Mitstreiter im Einsatz für Demokratie - in Köln mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte ausgezeichnet worden.

Suaad Tayeb ist Syrerin mit palästinensischen Wurzeln. Aufgewachsen ist sie in einem Flüchtlingslager. Sie studierte an der Uni in Damaskus und entwickelte sich zur gefragten Innenarchitektin. Als das Regime von Bashar Al-Assad begann, gegen das eigene Volk mit Waffen vorzugehen, gründete sie die Wohltätigkeitsaktion "Najda Now" und sorgte dafür, dass Geldspenden sowie Lebensmittel, Medizin und Kleidung an die richtigen Adressen kamen.

Zweimal wurde sie vom syrischen Geheimdienst festgenommen und für Monate gefangen genommen. Sie musste aus Syrien fliehen. Inzwischen organisiert sie die Hilfen vom Libanon aus. Nur mit Unterstützung der Konsularabteilung des deutschen Außenministeriums ist es gelungen, sie und die beiden anderen Preisträger nach Köln zu bringen.

"Ich bin sehr glücklich über die Aufmerksamkeit für Syrien", sagte Tayeb. "Denn dort denken die Menschen, dass sie allein sind." Die 37-Jährige und ihre beiden Mitstreiter stehen "für Handeln, Mut und Menschlichkeit", sagte Fritz Pleitgen, Vorsitzender des Lew-Kopelew-Forums und ehemals Intendant des WDR, in seiner Preisbegründung. Die Laudatio hielt Jean Asselborn, Außenminister von Luxemburg.

Amma Zakaria und Abdulkader Abdulrahim sind Menschen, die jeden Tag mit Taten gegen das Leid der Menschen in Syrien kämpfen. Sie sind zwei von nur noch 36 praktizierenden Ärzten in der schwer umkämpften Millionenstadt Aleppo. Ihre Arbeit findet im Untergrund statt. Nur in den Kellern der Krankenhäuser können sie die Verletzten behandeln, weil die Obergeschosse regelmäßig von Granaten getroffen werden. Die beiden jungen Männer - Zakaria ist 32 Jahre alt, Abdulrahim erst 24 - müssen dabei mit medizinischem Material arbeiten, das seinem Namen kaum gerecht wird. In seiner Rede in Köln sagte Abdulrahim: "Ich bringe den Kummer mit. Unser Verbandmaterial ist getränkt vom Blut unserer Kinder, die in Angst und Schrecken leben." (Stephanie Traichel)