Enttäuschung bei der CDU

Walter Köbbing legt in Remagen seine Ämter nieder

REMAGEN. Walter Köbbing, unterlegener Kandidat für das Remagener Bürgermeisteramt, hat am Montag seine Ämter als CDU-Stadtverbandsvorsitzender und als Fraktionsvorsitzender sowie sein Ratsmandat niedergelegt. Ortsvorsitzender der Remagener Kernstadt will er bleiben.

Am Montagabend informierte Bürgermeister Herbert Georgi den Stadtrat. Neben Köbbing wird auch seine Ehefrau Elke, die in verschiedenen städtischen Gremien aktiv ist, ihre Ämter niederlegen.

Björn Ingendahl, der künftige Bürgermeister der Stadt Remagen, hatte derweil am Sonntag im fernen Kolumbien noch viel Zeit, seinen Wahlsieg zu feiern. Schließlich war es dort erst Mittagzeit, als in der 9500 Kilometer entfernten Remagener Rheinhalle die Ergebnisse aus den zehn Wahllokalen eintrafen, die Ingendahl via Internet verfolgte.

Während der 37-jährige parteilose, von den Grünen nominierte Oedinger also noch viele Stunden seinen Erfolg genießen konnte, war bei anderen die Stimmung 14 Flugstunden entfernt eher gedrückt.

Vor allem in den Reihen der CDU. Deren Kandidat hatte lediglich 38 Prozent der Stimmen erhalten, Ingendahl war auf eindrucksvolle 62 Prozent gekommen.

34 Prozent bei erstem Wahldurchgang

Köbbing hatte im ersten Wahldurchgang am 4. März 34 Prozent der Stimmen bekommen. In der Stichwahl erhielt er lediglich drei Prozentpunkte mehr. Das bedeutet: Blendet man die geringe Wahlbeteiligung (rund 42 Prozent) einmal aus, dann hat der CDU-Bewerber nur sehr wenige Stimmen von den Wählern erhalten, die am 4. März noch einen der ausgeschiedenen Kandidaten unterstützt hatten.

Völlig anders lief es bei Ingendahl: Er startete von 36,9 Prozent im ersten Wahldurchgang auf 62 Prozent durch, wurde also in Scharen auch von denjenigen unterstützt, die zuvor die Kandidaten von SPD, WGR oder dem unabhängigen Bewerber Gereon Wickord ihre Stimme gegeben hatten.

„Mit Bedauern müssen wir die Niederlage unseres Kandidaten zur Kenntnis nehmen“, erklärte der stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende Heinz-Peter Hammer.

Enttäuschend sei die geringe Wahlbeteiligung gewesen. Hammer: „Annähernd 60 Prozent der Wähler haben es nicht für nötig gehalten, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Es ist ernüchternd zu erleben, wie wenig die Bürger auf kommunalpolitische Erfahrung und bisher für die Gemeinschaft erbrachte Leistung Wert gelegt haben. Für die CDU heißt es nun, sich neu aufzustellen und ihre neue Rolle zu definieren.“ Dem künftigen Bürgermeister gratuliere die CDU und wünsche ihm viel Erfolg. Es liege nun an ihm, die während des Wahlkampfes aufgeworfenen Gräben zu überbrücken. „Konstruktiv und kritisch“ werde die CDU sich weiterhin einbringen.

Wahlaussage nicht geteilt

„Wir freuen uns riesig, dass es Björn nun geschafft hat, und das mit einem so überwältigenden Ergebnis nicht nur in den Ortsteilen, sondern auch in der Kernstadt von Remagen“, sagte Frank Bliss, Fraktionschef der Grünen, die Ingendahl nominiert hatten. Das Ergebnis zeige, „dass ein Großteil der Bevölkerung den politischen Wandel will“. Die zentrale Wahlaussage Köbbings, nämlich ein deutliches „Weiter so!“, sei von der großen Mehrheit der Wähler nicht geteilt worden.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Christine Wießmann sagte: „Ich gratuliere dem zukünftigen neuen Bürgermeister zur Wahl. Die geringe Wahlbeteiligung und damit das offensichtlich geringe Interesse unserer Bürger daran, wer zukünftig unser Bürgermeister ist, bedauere ich. Persönlich kenne ich Herrn Ingendahl nicht, sondern nur seine Wahlaussagen. Und auf deren Umsetzung bin ich schon ein bisschen gespannt.“ Ingendahl werde der vierte Bürgermeister sein, den Wießmann als Stadträtin erleben dürfe: „Da schaue ich schon mit einer gewissen Gelassenheit auf den Wechsel.“

Die Freie Bürgerliste Remagen gratulierte ebenfalls dem künftigen Bürgermeister. Ingendahl werde von der FBL „einen Vertrauensvorschuss erhalten“. Die Wählergemeinschaft werde die weitere Entwicklung konstruktiv begleiten. „Für unsere Mitglieder hatten wir im Vorfeld der Wahl alle Kandidaten zu einer Fragestunde eingeladen. Im Ergebnis zeigte sich, dass auch mit Ingendahl hinreichende Schnittmengen in den Interessen, beispielsweise bei den Themenfeldern Stadtentwicklung und Wohnen oder auch zu Fragen der Verkehrssicherheit und Verkehrsinfrastruktur, erkennbar wurden“, sagte FBL-Chef Wilfried Humpert.

Zwischen Stillstand und Unerfahrenheit

Die Klarheit des Ergebnisses sei überraschend, meinte die Wählergruppe Remagen (WGR). „Die Wähler haben zwischen Stillstand und Unerfahrenheit entschieden."

Köbbings ständig wiederholtes „Weiter so!“ bis zum eigenen Untergang konnte nichts an Ingendahls Wahlsieg ändern“, so WGR-Sprecher Holger Kowalewski.

Abschließend sagte er: „Wir sind gespannt, ob sich Herr Ingendahl später noch erinnert, welche Themen er alle zur Chefsache erklärt hat, und ob er als Bürgermeister dann mehr umsetzen wird als teure Konzepte in Auftrag zu geben oder grüne Bundestagsabgeordnete nach Remagen einzuladen.“