Asien in Rolandseck

Von Monet bis Manga

ROLANDSECK. Bei der Japanausstellung in Rolandseck lockte ein attraktives Programm mit Workshops, Infos, Diskussion und Live-Musik.

„Mach mit, falte Blüten, Vögel, Schmetterlinge und belebe Monets Garten“, animierte die Sprechblase. Viele Gäste des Arp Museums beherzigten dies während der Schau „Japanfieber. Von Monet bis Manga“, weshalb im Bahnhofsentree lauter bunte Origami-Tiere die japanische Brücke fürs Fotoshooting zierten. Erwartungsgemäß intensiv nutzten die Besucher den vorletzten Ausstellungstag, um noch in den Genuss der zweispännig angelegten Schau zu kommen.

Dass sich das Land der aufgehenden Sonne vor 150 Jahren dem Westen öffnete, wo seine Kunst und Kultur immens faszinierten, entfachte das Japanfieber im Museum. Japanische Farbholzschnitte der Sammlung Claude Monets und Werke der Sammlung Rau für Unicef machten dort den Einfluss in Europa anschaulich. Weil japanische Populärkultur inzwischen auch zur westlichen Alltagswelt gehört, wagte die Schau den Spagat bis in die Gegenwart. Das heißt, sie widmete einen Schwerpunkt Manga, Anime und Cosplay, mithin japanischen Comics, Zeichentrickfilmen und der Darstellung einer Figur mit Kostüm, Mimik und Verhalten. Laut Museumsdirektor Oliver Kornhoff „hat das kein Museum vorher getan“. Zum Abschluss boten das Museum und „Animexx“, der größte deutschsprachige Verein für japanische Populärkultur, gemeinsam eine „Japanfieber-Convention“.

Kornhoff und Animexx-Präsident Marc Schuler eröffneten das Treffen. Schuler verlas sogar ein Grußwort der Generalkonsulin Setsuko Kawahara des japanischen Generalkonsulats Frankfurt. Sie wünscht sich, „dass Cosplay weiterhin als Brücke zwischen Deutschland und Japan wirkt“.

Obgleich hochwillkommen, mussten sich die Verkleideten dem per Schild ausgewiesenen „Waffen-Check“ unterwerfen. Zwar posierten sie, anders als die von Japan infizierten Künstler im 19. Jahrhundert, nicht Säbel schwingend als Samurai für Fotos, da ihnen einzig daran liegt, ihre Lieblingsfiguren so originalgetreu wie möglich darzustellen. Doch könnten Kleidung und Zubehör wie Reifröcke oder stabähnliche Accessoires in Kunstnähe und Gedränge schaden. Jedem stand das attraktive Programm mit Workshops und Musik offen. Außerhalb der Convention nutzten in der ersten Bahnhofsetage einzelne „Best Ager“ die Möglichkeit, es den Cos᠆playern gleichzutun. Sie zogen Perücken über und Kleidungsstücke an oder sie inszenierten sich pur in einem der beiden Foto-Settings.

Daran hatte zum Beispiel Evelin Weber aus Wuppertal Spaß, die sich, als wär’s ein Möbel von ihr, souverän im Sessel vor der Kulisse des Brühler Schlosses Augustusburg niederließ. Während sich jedoch ältere Gäste bei den regulären Führungen durch die Kunstkammer Rau und im Manga-Abteil des Bahnhofs nur so knubbelten, war die junge Fan-Gemeinde bei der Convention weniger stark vertreten. Vielleicht lag es an einer parallelen Convention in Koblenz anlässlich einer verschobenen Ladeneröffnung.

Wer kam, erlebte indes einen abwechslungsreichen Themen-Tag, etwa Alexander Lubetzky aus Mayschoß, der seine Figur als „Genderbend“, ein Charakter, der im jeweils anderen Geschlecht dargestellt wird, selbst erschaffen hat und ein männliches Rotkäppchen verkörperte. Ebenso zählten dazu Mike Rosenthal, gewandet in eine altjapanische schwarze Hakama, und seine Mutter Monika im Original-Hochzeitskimono. Beide nahmen an der Diskussion über Japan-Events teil.

Unterdessen leitete Maskenbildnerin Jessica in der Szene „Klavier“ fachkundig zu „Schwerelosen Perückenstylings“ an. Man erfuhr, „Haarspray hilft nicht, es verbindet sich nur mit dem Keratin echter Haare“. Sollen Kunsthaare verlässlich zu Berge stehen, müssen Haarlack und Haarkleber ran. Im Kurs „Copics – Tricks und Kniffe“ vermittelte Bea Baumbach, wie Zeichner die beliebten Farbmarker aus Japan, verwendet von Illustratoren, Designern und Mangaka, zum Strahlen bringen. „Posing Tipps“ gab Nina Annabelle. Die selbstständige Fotografin für Porträt, Fantasy und Tierfotografie, seit 2013 in der Cosplay Fotografie unter dem Namen „Harui“ aktiv, vermittelte auf jeden Charakter zutreffende Methoden, um die Zusammenarbeit zwischen Model und Fotograf zu verbessern.

Vorgestellt wurden gleichfalls deutsche und japanische Vereine und Institutionen. Zwischen den Angeboten verhießen Speisen und Getränke japanischer Art Stärkung im Bahnhofsfoyer. Dort und anderswo begegneten einem mitunter illustre weibliche Heldinnen: Chibiusa aus Sailor Moon oder Violet Evergarden, zuvor Magical Girl Seven, ein Charakter, den die Zeichnerin Pummelpanda für eine Tunnelwand des Arp Museums entworfen hat.

Nicht zuletzt hatten es die akustischen Highlights in sich. Das Publikum tauchte ein in die fantastische Welt des Trommelns. Zu Gast war der Japaner Takuya Taniguchi. Er schlug in seiner Kunst energiegeladen und poetisch Brücken zwischen der Tradition vom Taiko, den japanischen Trommeln und interkulturellen Musikeinflüssen. Im zweiten Liveauftritt fernöstlicher Klänge beeindruckte nicht minder Koto-Spielerin Naoko Kikuchi an der Zither.