Literatur in Remagen

Vom Menschen, der in der blauen Uniform steckt

Polizisten-Lesung in Remagen: (von links) Michael Birkhan, Andreas Hauffe, Gerke Minrath und Dirk Breitenbach.

Polizisten-Lesung in Remagen: (von links) Michael Birkhan, Andreas Hauffe, Gerke Minrath und Dirk Breitenbach.

REMAGEN. Die Autorenlesung mit Polizisten in Remagen gab persönliche Einblicke in den Polizeialltag. Die Beamten arbeiten zu allen Tageszeiten und unter enormem Druck.

Im Rahmen einer Autorenlesung des Vereins „Keine Gewalt gegen Polizisten“ in Hauffes Buchhandlung in Remagen haben Vorsitzende Gerke Minrath, der noch aktive Polizist Michael Birkhan und der ehemalige Polizeibeamte Dirk Breitenbach einen Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit geworfen. Das Publikum hing an den Lippen der drei Autoren.

Alle Kollegen sind im Einsatz, also kann man nur als Notbesatzung auf einen Anruf reagieren. Eine junge Marokkanerin wird von ihrem Bruder bedrängt, da sie mit einem Deutschen zusammenziehen will. Die beiden Beamten haben die verschreckte junge Frau schnell im Streifenwagen in Sicherheit gebracht, doch dann gehen die Probleme erst los. In rasender Geschwindigkeit sehen sie sich mit einer Meute von etwa 80 Schlägern konfrontiert.

„Die mächtigste Waffe des Polizisten ist sein Wort“, schreibt Birkhan an dieser Stelle seiner Erzählung „Familienehre“. Auch im Angesicht von gezielten Beleidigungen müssen die Beamten versuchen ruhig zu bleiben und zu deeskalieren. Von den inneren Ängsten, Gedanken und Nöten, auch die letzte Sekunde Zeit bis zum Eintreffen der Verstärkung auszunutzen, bekommt man als Außenstehender selten etwas mit. Diese stellte Minrath in den Fokus, die Geschichten von Polizisten sammelt und in ihren Texten umsetzt. Sie stellte das Schicksal eines Beamten vor, der nach dem Tritt eines Hooligans jahrelang am Knie Operation um Operation ertragen muss ohne Aussicht auf Heilung. Die zehn Monate Freiheitsstrafe wirken vor diesem Hintergrund wie Hohn und seinen Traum von der Aufnahme in das Sondereinsatzkommando konnte sich der Protagonist auch abschminken.

Persönlich war auch der Schluss der Erzählung „Der Drachentöter“. Ein Polizist in voller Kampfmontur – einstmals angetreten, „um Drachen zu töten und Jungfrauen zu retten“ – trifft auf den größten Widersacher seiner Karriere: einen kleinen Jungen, der seine Beleidigungen auch nach mehrmaliger Ansprache nicht zurücknimmt. Die entstehende Menschentraube gibt dem Jungen Recht und verlacht den Polizisten. Dieser muss resigniert feststellen: „Die Jungfrauen wollen nicht mehr gerettet werden.“

Spannend wurde es in der Buchhandlung, wenn Birkhan von einer versuchten Vergewaltigung erzählte, die den Beamten gar keine Zeit ließ, sich um das Opfer zu kümmern. Denn der Vergewaltiger hatte eine militärische Ausbildung und war mit Alkohol und Drogen aufgeputscht: „eine Kampfmaschine“. Ebenso hielt das Publikum bei Breitenbachs „Alles, was geht“ aus dessen Buch „Körperteile“ den Atem an. Am Ende muss zur Rettung in letzter Sekunde ein Streifenwagen dran glauben. Mit der Abschlussgeschichte „Häusliche Gewalt reverse“ von einer Matrone und ihren beiden Lustsklaven konnte der Abend jedoch zu einem versöhnlichen Ende geführt werden. Breitenbachs Schlusswort „Wir schauen halt hinter Türen, hinter die man normalerweise so nicht schaut“ folgte ein herzlicher Applaus.