Junge Forscher am Rhein-Ahr-Campus

Student macht 3-D-Drucker haushaltstauglich

REMAGEN. Haushaltstaugliche 3-D-Drucker und solche, die Metallteile für die Industrie fertigen - Ideen von jungen Forschern, die sich am Rhein-Ahr-Campus in Remagen zum Austausch trafen.

Additives Fertigungsverfahren? Der Begriff 3-D-Druck ist wohl geläufiger, und dass Chinesen und Australier damit schon Häuser bauen – oder es zumindest versuchen – hat man schon irgendwo gehört. Im Audimax des Remagener Rhein-Ahr-Campus ging am Donnerstagabend das erste 3-D-Symposium im Kreis Ahrweiler über die Bühne.

Mit gut 250 Teilnehmern von Frankfurt bis Köln, auch aus dem Kreis Ahrweiler. Es war eine Gemeinschaftsveranstaltung des Kreises Ahrweiler mit seiner Wirtschaftsförderung um Tino Hackenbruch, der Industrie- und Handelskammern Koblenz und Bonn/Rhein-Sieg mit Industrieverbänden und dem Deutschen Museum in Bonn. Das Publikum: interessierte Unternehmen und solche, die es werden wollen.

Wie der Bonner Student David Katzmann, der sich aktiv und quasi additiv am Stand des Bonner Museums einbrachte. Dies mit einem 3-D-Drucker, der Schicht für Schicht ein kleines Modellboot herstellte. Katzmann will die Drucker haushaltstauglich machen. „Geht irgendetwas kaputt oder ist das Ersatzteil nicht zu besorgen, dann muss der Drucker ran“, sagte der 27-Jährige, der zum Jahresanfang 2018 mit eigener Firma ein Start-up hinlegen will.

Ein Boot aus nachhaltigem Kunststoff

Im Foyer des Audimax druckte er mit einem nachhaltigen Kunststoff aus Polymilchsäuren. Seine Drucker soll es ab 300 Euro aufwärts geben. „Nach oben gibt es da keine Grenze“, so der Unternehmer in spe, der noch in den Hörsälen der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg zu Hause ist. Ziel seiner künftigen Firma mit Partner Jens Saßmannshausen: „Beraten, helfen, aufbauen, individuelle Hard- und Software-Lösungen finden.“ Auch deshalb war er nach Remagen gekommen: „Kontakte knüpfen.“

Dazu gab es mannigfaltig Gelegenheit. Überregional und regional. Auch vor diesem Hintergrund unterstrich AW-Landrat Jürgen Pföhler in seiner Begrüßung, dass das Symposium „ein Beleg dafür ist, dass die Wirtschafts- und Wissenschaftsregion Bonn aktiv gestaltet und gelebt wird“. Mit dem Kreis Ahrweiler im Boot.

Der Fragestellungen, denen sich die Referenten von München bis Bonn widmeten, waren gar viele. So stellte Stephan List von Adidas die Vorteile von passgenauem Schuhprinting heraus, Ümit Aydin von Sinter Metals Components aus Bonn präsentierte den Weg vom Metallpulver zum fertigen Bauteil.

Start-up-Gründer aus Niederzissen

Auch ein junger Mann aus dem Kreis Ahrweiler tauchte wieder auf. Thomas Hilger aus Niederzissen. Er hat gemeinsam mit Pascal Schäfer Ende 2016 das Start-up Lightway ins Leben gerufen und mit bei der Ideenbörse des Kreises im Sommer den Preis der Publikumsjury geholt. Lightway sieht sich als Partner für industriellen 3-D-Metalldruck. „Diese neue Produktionsart für Metall eröffnet bislang unterschätzte Möglichkeiten, ist schnell, flexibel und erlaubt die äußerst wirtschaftliche Herstellung von Metallbauteilen“, so Hilger.

Auch sei das Verfahren eine zukunftsweisende Alternative zu herkömmlichem Metallschmelzen oder Frästechniken. Sein Start-up kommt jedenfalls nach anfänglicher Skepsis von eher konservativen Interessenten rüber wie weiland der legendäre Käfer: läuft und läuft. „Bosch hat Aufträge vergeben, Mittelständler aus dem Ahrkreis und auch ein großer Maschinenbauer aus Bonn“, berichtete Hilger dem Plenum.

Keine spanischen Dörfer mehr. Nicht nur in der Industrie, sondern auch in weiteren Wirtschaftszweigen wie Handel oder Dienstleistung wird die additive Fertigung zu Veränderungen führen, waren sich die Teilnehmer einig. So sind Geometrien realisierbar, die in einem herkömmlichen subtraktiven Verfahren einfach nicht umgesetzt werden können. Ein Beispiel hatte dazu Katzmann am Drucker stehen: eine Kugel in einem hohlen Würfel. „Geht nur in 3-D-Druck“, sagte der junge Mann schmunzelnd und war sich mit den Gästen einig: „Eigentlich geht alles.“ Fast.

Eigentlich ist 3-D nicht so ganz neu. Denn schon in den 1980er Jahren gab es das sogenannte „Rapid Prototyping“. Das wurde genutzt, um Musterbauteile schnell und kostengünstig herzustellen und war eine Art erster Schritt zum heutigen Verfahren, über das Jürgen Pföhler vor dem Plenum sagte: „Möglicherweise betreten einige von Ihnen Neuland, aber nur wenige werden sich dem Thema auf Dauer entziehen können.“ Veränderungen in der Arbeitswelt und in Produktionsverfahren als Folge der „unstrittig immer weiter fortschreitenden Digitalisierung“ inbegriffen.