Überflutungen in Remagen

Stadt will ein Hochwasserschutzkonzept

OEDINGEN. Beim Auftakt in Oedingen prallen Experten- und Bürgermeinungen aufeinander. Ein Konzept soll noch dieses Jahr stehen.

Die Starkregenereignisse der vergangenen Jahre im Norden der Stadt Remagen haben Spuren hinterlassen. Auch in den Köpfen der betroffenen Menschen. Denn Oedingen und vor allem Unkelbach wurden 2010, 2013 und 2016 von Hochwasser heimgesucht. Konsequenz: Die Stadt Remagen will ein eigenes Hochwasserschutzkonzept und hat dafür Landesmittel bekommen.

Zur Auftaktveranstaltung hatte die Stadt ins Oedinger Dorfgemeinschaftshaus eingeladen. Dort informierten unter Moderation des Ersten Beigeordneten Rolf Plewa neben Feuerwehrchef Michael Zimmermann, Barbara Manthe-Romberg vom Info- und Beratungszentrum Hochwasservorsorge in Mainz, und Harald Wegener vom Ingenieurbüro Fischer, das von der Stadt damit beauftragt worden ist, das Konzept zu erstellen. Gekommen waren gut hundert Bürger der betroffenen Orte.

Nach einem Rückblick auf die Ereignisse vom 4. Juni 2016, als nach einem Starkregen die Dörfer überflutet worden waren, nannte Zimmermann erste Ansätze für die Feuerwehr, dankte aber auch den Einheiten, die damals der Stadt zu Hilfe gekommen waren: So Freiwillige Feuerwehren aus dem rechtsrheinischen Bonn, die Sinziger Wehr, das Sinziger THW. Für künftige Einsätze hat die Feuerwehr den Ort Unkelbach in ihrem neuen Alarmplan in feste Abschnitte eingeteilt, so dass künftig jede Einheit bereits bei der Anfahrt über ihre Aufgaben informiert ist.

Zudem hat der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises den Unkelbachern vier Container „vererbt“, in denen für Notfälle rund ums Jahr Sandsäcke parat liegen. Zudem soll aus Mitteln der Stadt 2018 ein neues Mehrzweckfahrzeug für die Feuerwehr angeschafft werden, das speziell auf Hochwassereinsätze ausgerichtet ist. Denn eines ist Zimmermann klar: „In Unkelbach kommt das Wasser am Friedhof rein und fließt erst am Sportplatz wieder raus.“ Im Klartext: Wenn Fluten kommen, dann rauschen sie durch das ganze Dorf.

Hochwasservorsorge auf allen Ebenen

Hochwasservorsorge war denn auch das Thema von Manthe-Romberg. Ihre Einrichtung ist beim Städte- und Gemeindebund angesiedelt und hilft Kommunen bei der Erstellung von Hochwasserschutzkonzepten. „Daran müssen die Bürger unbedingt beteiligt werden“, sagte die Expertin aus Mainz. Denn Vorsorge müsse auf allen Ebenen stattfinden. Sie machte klar: „Hochwasser lässt sich nicht vermeiden. Auch Rückhaltebecken, wie das in Nierendorf, sind irgendwann voll und laufen dann über.“ Hochwasser wie am Rhein lasse sich vorhersagen, dort hätten die Menschen Vorlaufzeit, sich zu rüsten. Doch bei Starkregen sehe das anders aus: „Der kann jederzeit und überall auftreten.“ Man-the-Romberg appellierte an die Bürger, selbst Vorsorge zu treffen, zum Beispiel mit abgemauerten Lichtschächten, Rückschlagklappen in ihren Abflusskanälen oder auch mit wasserdichten Türen und Fenstern. Für alle Fälle riet sie aber auch zu Versicherungen gegen Elementarschäden.

Ein digitales Geländemodell ist für Wegener der Lösungsansatz. Das soll zeigen, wo im Fall der Fälle das Wasser hinfließt. Er ging auch auf die Einstufung von Hochwasser ein. So seien 50 Millimeter Regen pro Stunde ebenso wie 100 Millimeter pro Tag pro Quadratmeter ein sogenanntes 100-jähriges Ereignis. Zur Erinnerung: Am 4. Juni vergangenen Jahres gab es über der Grafschaft und im Norden von Remagen bis zu 115 Millimeter Niederschlag binnen zwei Stunden. Wegener teilte die Hochwasservorsorge in die Bereiche institutionell (Kommune) und privat. Institutionell durch Flächen- und Bauvorsorge, Privat durch Verhaltensvorsorge, Objektschutz und Versicherung. Es gehe um die Bildung von Abflussschneisen, denn „Sie bekommen kein Hochwasser weggepumpt.“ Engstellen bei den Abläufen seien zu vermeiden, Uferflächen freizuhalten.

Das war den Bürgern dann doch zu viel der Theorie. Dies vor allem, weil sich in ihren Reihen eine Arbeitsgemeinschaft (AG) Hochwasser gebildet hat, die mit 300 Unterschriften von der Stadt Sofortmaßnahmen gefordert hat. Die AG um den in Oedingen lebenden Professor für Bodenkunde Dietmar Schröder zeigte sich ob der von den Experten dargelegten Theorie sichtlich ungehalten.

Diskussion um Schutz muss öffentlich geführt werden

„Wir kennen die Gefahren“, sagte Schröder. Es gehe darum, das Wasser schon vor dem Ort aufzuhalten. So auf den Feldern, um es dann gezielt ablaufen zu lassen. Auch müsse Speicherkapazität her, um Unkelbach abzusichern. Dabei seien auch die Bauern in die Pflicht zu nehmen, die ihre Äcker als Schutzmaßnahme quer zum Hang pflügen sollten. Eine Maßnahme, die Landwirte im Gespräch mit dem GA so kommentierten: „Das bringt gar nichts. Wenn 50 Millimeter Starkregen fallen, sind das auf den Hektar 500 000 Liter. Die hält nichts auf.“ Vom Rückhalten des Wassers hält Wegener nichts. Es gelte, das Wasser möglichst schadfrei abzuleiten und vor allem, „der Spitze das Volumen zu nehmen“. Meinungen, die bei der Auftaktveranstaltung nicht zusammenkamen. Das könnte sich ändern. Denn Wegener will ursprünglich nur für einen engen Kreis geplante Ortsbesichtigungen öffentlich durchführen.

Die Koordination dafür soll nach den Worten von Rolf Plewa in den Händen von Bauamtsleiter Gisbert Bachem liegen. Danach sollen dann die Ergebnisse durch Wegener analysiert werden und in das Hochwasserschutzkonzept einfließen. Auch wird es noch eine zweite Auftaktveranstaltung in Remagen geben. Zum Abschluss soll dann noch in diesem Jahr das Konzept vorgestellt werden.