Mehr Grünflächen

Remagen will gegen Schottergärten vorgehen

Schottergärten bieten Insekten keine Nahrung und heizen die Umgebung auf. Das will die Stadt Remagen verhindern und appelliert an die Bürger, auf blühende Gärten zu setzen.

Schottergärten bieten Insekten keine Nahrung und heizen die Umgebung auf. Das will die Stadt Remagen verhindern und appelliert an die Bürger, auf blühende Gärten zu setzen.

REMAGEN. Die Stadt Remagen ist vor wenigen Wochen dem Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ beigetreten und möchte sich gegen pflanzenlose Vorgärten wenden. Dennoch werden immer mehr Außenflächen als Steingärten angelegt.

Der Stadtrat von Remagen hat beschlossen, die Deklaration Biologische Vielfalt in Kommunen zu unterzeichnen und dem Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ beizutreten. Das ist erst wenige Wochen her. Geht man jedoch durch die Neubaugebiete in Remagen fällt auf, dass immer mehr Außenflächen als Steingärten angelegt werden. „Dies ist nicht unproblematisch“, heißt es in einer Mitteilung von Bauamtsleiter Gisbert Bachem. „So fehlen beispielsweise für Insekten wichtige Pflanzen.“

Insekten seien wiederum für die Bestäubung von Pflanzen und als Nahrungsquelle für Vögel, Säugetiere und Amphibien von immenser Bedeutung. Etwa 80 Prozent der Wildpflanzen seien von der Bestäubung von Insekten abhängig, während 60 Prozent der Vögel auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen einen. Innerhalb von 27 Jahren hat die Anzahl der Fluginsekten im deutschen Tiefland um 77 Prozent abgenommen, hatten Wissenschaftler in der sogenannten Krefelder-Studie (2017) festgestellt.

Des Weiteren beeinflussten Stein-Vorgärten im Hochsommer auf Mikroebene die bodennahe Temperatur. „Die Steine heizen sich tagsüber auf, speichern die Wärme und geben diese in der Nacht wieder ab – was, gerade in Wohngebieten, spürbare Folgen auch für die menschliche Gesundheit haben kann. Dieser Effekt wird verstärkt, je dunkler das Stein- und Kiesmaterial ist“, heißt es aus dem Remagener Rathaus.

Tagsüber könne es so zu Temperaturunterschieden von bis zu acht Grad zwischen Steingärten und durch Bäume verschattete Gärten kommen. Experten raten dazu, in die Gärten dringend wieder mehr Pflanzen zu integrieren, um die Luft sauber zu halten. Für das Kleinklima in den Baugebieten seien naturnah angelegte Gärten mit bunt blühenden Stauden, Sträuchern und Bäumen von entscheidender Bedeutung.Die Stadt Remagen appelliert: Jeder kann dazu beitragen, mit kleinen Maßnahmen im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon für ein besseres Klima zu sorgen.

„Wir alle möchten unseren Kindern eine gesunde und intakte Umwelt hinterlassen“, so Bürgermeister Björn Ingendahl in seinem Appell für blühende Flächen.