GA-Interview mit Björn Ingendahl

Remagen träumt von einer Hängebrücke

REMAGEN. Noch ist es eine Vision: eine Hängebrücke über den Rhein zwischen den Türmen der Brücke von Remagen. Ob und wie die Vision eines Brückenbaus zwischen Remagen und Erpel Realität werden könnte, verrät Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl im GA-Sommerinterview.

Überall vernimmt er Zustimmung, wenn es um die Vision eines Brückenbaus zwischen Remagen und Erpel geht, sagt der Bürgermeister der Römerstadt, Björn Ingendahl. Eine Machbarkeitsstudie für eine Hängebrücke zwischen den Türmen der Brücke von Remagen soll in Auftrag gegeben werden. Allerdings, so räumt Ingendahl ein, werde es bis zur Auftragsvergabe noch etwas dauern. Denn zu vieles sei noch zu vage. „Etliches“, so der Bürgermeister, „muss noch geklärt werden.“ Über die Brückenpläne und die weiteren Perspektiven Remagens äußerte sich das Stadtoberhaupt im GA-Sommerinterview.

Die weltberühmte Brücke von Remagen über den Rhein soll als Querung für Fußgänger und Radfahrer wiederbelebt werden. Eine Machbarkeitsstudie soll Aufschluss darüber geben, ob das ehrgeizige Vorhaben realisierbar ist. Wie ist der Stand der Dinge?

Björn Ingendahl: Um die Studie auf den Weg zu bringen, bedarf es noch einiger Vorarbeiten. Grundsätzlich stehen die zu beteiligenden Behörden dem Plan durchaus wohlwollend gegenüber. Man kann auch sagen: Die Zustimmung ist groß. Eigentlich sollte die Studie in diesem Sommer in Auftrag gegeben werden. Das lässt sich von der Zeitschiene aber nicht halten. Sehr viele Details bedürfen vorab der Klärung.

Welche Details sind das?

Ingendahl: Parkraumfragen, Denkmalschutzfragen und wasserrechtliche Fragen. Das wasser- und Schifffahrtsamt, die Deutsche Bahn und der Landesbetrieb Mobilität sind zu beteiligen. In der gegenüberliegenden Ortsgemeinde Erpel gibt es wenig Platz. Die Brücke würde am Rande des Naturschutzgebietes enden. Auch hiermit gehen noch offene Fragen einher. Zu prüfen sind außerdem natürlich die Einflüsse auf den Tourismus. Zudem müssen die technischen Möglichkeiten weiter ausgelotet werden.

Und nicht zuletzt vermutlich Fragen der Finanzierung . . .

Ingendahl: Ohne Hilfe werden die Stadt Remagen, die Gemeinde Erpel und die Verbandsgemeinde Unkel das Projekt nicht stemmen können. Wir hoffen auf Fördermittel von EU, Bund und Land. Alle Möglichkeiten müssten dabei ausgeschöpft werden.

Apropos Realisierbarkeit: Seit Jahren geistert in Remagen ein Projekt durch die örtliche Welt der Kommunalpolitik, von dem man jetzt schon lange nichts mehr gehört hat. Gemeint ist der geplante Hotelbau an den Remagener Brückenköpfen. Mehr als 40 Millionen Euro sollen dort ja investiert werden. Wann geht's los?

Ingendahl: Nach wie vor werden sowohl Investor als auch Betreiber gesucht.

Architekt und Hotelentwickler Tom Krause hatte uns bereits 2015, 2016, 2017 und 2018 auf Anfrage mitgeteilt, dass man einen Investor gefunden habe und auch der Betreiber stehe fest.....

Ingendahl: Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand dauert die Suche an. Tatsache ist, dass wir zusätzliche Bettenkapazitäten brauchen. Wir sind in Remagen unterversorgt. Zudem würde das Vorhaben den Standort erheblich aufwerten. Auch gehe ich davon aus, dass sich ein attraktives Hotel an der vorgesehenen Stelle neben den Brückenpfeilern für Investor und Betreiber rechnen wird und wirtschaftlich betrieben werden kann. Ich hoffe also sehr, dass es bald gute Nachrichten gibt.

Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt ist das neue Remagener Innenstadthotel ans Beherbergungsnetz gegangen. Angeblich soll es gut angenommen werden.

Ingendahl: Eine offizielle Eröffnung oder Einweihung hat es bislang nicht gegeben. Seit Mai hat es jedoch eröffnet. Ich habe gehört, dass es bereits mehrfach ausgebucht war. Das Hotel wie auch die gesamte dortige Neubebauung haben das Stadtbild angenehm bereichert und erheblich aufgewertet.

Eine Bereicherung wäre es ja auch, wenn das Friedensmuseum wieder öffnen könnte. Kann die Stadt da nicht helfen?

Ingendahl: Dem Vernehmen nach tut sich im Brandschutzbereich etwas. Es sind aber auch noch andere baurechtliche Dinge zu regeln. Zunächst bin ich froh, dass es uns gelungen ist, die provisorische Sonderausstellung in der Rheinhalle anbieten zu können.

Kann die Stadt das Museum nicht kurzfristig übernehmen?

Ingendahl: Grundsätzlich ist diese Einrichtung in der Trägerschaft eines Vereins gut aufgehoben. Als Stadt wären wir auch bereit, uns dort finanziell zu engagieren. Jedoch nicht beim noch agierenden Trägerverein mit seinen aktuell handelnden zwei Personen. Es bedarf hier zunächst einer völlig neuen personellen Konstellation. Ich gehe auch nicht davon aus, dass der jetzige Trägerverein die erforderlichen Baumaßnahmen finanziell stemmen kann.

Wichtiges Thema in Remagen war in den vergangenen Monaten der Verkehrsfluss auf der durch die Stadt führenden Bundesstraße 9. Wir hatten berichtet, dass Maßnahmen ergriffen werden sollen, um gefährliche Situationsbereiche zu entschärfen und die dort gefahrenen Geschwindigkeiten zu drosseln. Wie ist der Stand?

Ingendahl: Im August finden entsprechende Gespräche mit dem Landesbetrieb Mobilität statt. Bislang haben wir positive Signale empfangen. Beispielsweise, dass es durchaus die Bereitschaft gibt, auch größere Maßnahmen umzusetzen. Hierzu gehört möglicherweise auch der Bau eines Kreisverkehrs in Höhe der Bergstraße.

Zu Ihrem Amtsantritt vor einem Jahr hatten Sie sich das Thema Digitalisierung besonders auf die Fahne geschrieben. „Vom Sofa aus“ sollten Bürger ihre Rathausdinge erledigen können.....

Ingendahl: Wir wollen den Bürgern einen einfacheren Zugang zur Verwaltung ermöglichen. Daran arbeiten wir auch. So wird die neue städtische Homepage in der zweiten Jahreshälfte an den Start gehen. Zudem wird die Digitalisierung weiteren Einzug halten, auch verwaltungsintern. Die Ratsmitglieder und Mitglieder der Ortsbeiräte werden mit Tablets ausstaffiert, damit eine papierlose Rats- und Ausschussarbeit erfolgen kann. Unsere innerstädtischen Parkplätze und freie Stellplätze werden mittelfristig mit einem digitalen, auch mit Hilfe von Smartphones oder Tablets abrufbaren Parkleitsystem besser zu finden sein. Und nicht zuletzt wollen wir im gesamten Gewerbepark Süd sowie für alle städtischen Schulen schnelles Internet anbieten. Daran arbeiten wir mit Hochdruck.