Tag der Demokratie in Remagen

Remagen stellt sich Neonazis entgegen

REMAGEN. Mit dem „Tag der Demokratie“ zeigt die Römerstadt Flagge gegen den jährlichen Aufmarsch der Rechtsextremen. Unterstützung aus Mainz kam nach dem Besuch von Malu Dreyer im vergangenen Jahr nun von Innenminister Roger Lewentz.

Dem alljährlichen Aufmarsch der Neonazis stellte sich die Stadt Remagen auch in diesem Jahr mit einem „Tag der Demokratie“ entgegen. Zahlreiche Gruppen und Vereine, die Kirchengemeinden, Schulen und die im Remagener Stadtrat vertretenen Parteien haben im Kampf gegen die braunen Unruhestifter Einigkeit und Entschlossenheit demonstriert. Dabei erhielten sie einmal mehr tatkräftige Unterstützung aus Mainz. Denn mit Roger Lewentz trat der Landesinnenminister als Hauptredner auf.

Eröffnet wurde das Fest der Demokratie von Pfarrer Frank Klupsch, der evangelischen Pfarrerin Elisabeth Reuter und dem neuen Imam der Türkisch-Islamischen Moscheegemeinde Remagen, Hüseyin, mit einem multireligiösen Friedensgebet. Vom Kreis-Migrationsbeirat und dem Deutschen Gewerkschaftsbund über die Flüchtlingsgruppe Remagen, den Caritasverband, den Jugendbahnhof und der Kreisjugendfeuerwehr bis hin zu den Vereinen „Merida“ und „Schatzkammer Oberwinter“ hatten 22 Einrichtungen, Vereine und Organisationen den Marktplatz und die Marktstraße wieder zur Info-Meile umfunktioniert.

An jedem Stand befanden sich Schilder, auf denen die unmissverständliche Botschaft des Tages zu lesen war: „Demokratie statt Nazis“ und „Vielfalt statt braun“. Zum ersten Mal dabei waren die „Freiheiter“, der Förderverein der Ahrweiler Freiheitswochen. Großes Engagement zeigten nicht zuletzt die Realschule plus und das Gymnasium Nonnenwerth. Sie warben aktiv für Frieden, Freiheit, Toleranz, Integration und Menschenwürde. Zudem hatten sie den Brunnen auf dem Marktplatz zur Mahnwache für die „Opfer unschuldiger Zivilisten in Syrien, Irak, Afghanistan und Jemen“ umgestaltet. Neben Plakaten hatten sie aus Kerzen ein „Herz für die Welt“ geformt. Und mit einer berührenden Lesung auf der Marktplatz-Bühne schilderten neun Schüler der Realschule – darunter auch Flüchtlingskinder aus Syrien – den Weg von der ersten Begegnung und einer gewissen Verunsicherung bis zur „tollen Schulgemeinschaft“. Für Unterhaltung sorgten zudem Kebrom Goytom aus Eritrea mit Akrobatik und Jonglierkunst sowie Bruce Kapusta mit seiner Trompete.

Allerdings hätte man sich gewünscht, dass auch die Remagener Bevölkerung ein noch stärkeres Signal ausgesendet hätte. „Beim Weihnachtsmarkt ist die Marktstraße proppenvoll, aber wenn es darum geht, ein wichtiges Zeichen zu setzen, fühlen sich offenbar nicht so viele Menschen angesprochen“, bedauert Benedikt Weidner vom Franziskus-Gymnasium Nonnenwerth, der sich gemeinsam mit seiner Schulkameradin Kimberly Hoffmann mit einer Umfrage zur Toleranz gegenüber muslimischen Mitbürgern an die Besucher gewandt hatte. „Die Demokratie hält sich heute zahlenmäßig in Grenzen“, kommentierte auch Bürgermeister Herbert Georgi die zunächst zurückhaltende Resonanz auf den „Tag der Demokratie“.

Bei denen, die gekommen waren, bedankte er sich, „das sie sich gegen die Gruppe von Verfassungsfeinden, die Geschichtsfälschung betreiben, stellen“. Und weiter: „Wir sagen nein zum Rechtsextremismus, nein zur Geschichtsfälschung und nein zu den Typen, die sie verbreiten.“ Landrat Jürgen Pföhler stellte fest: „Am Tag, an dem uns die Neonazis wieder ein groteskes Schauspiel bieten, setzen wir ein deutliches Zeichen für Toleranz, Pluralismus und Menschenwürde.“ Darüber hinaus betonte er, dass im Kreis „null Toleranz gegen Rechts“ gelte. Denn die Übergänge vom Populismus zum Rechtsextremismus bis hin zum Rechtsterrorismus seien fließend.

„Der Landesregierung ist es enorm wichtig, dass Sie hier und heute Flagge zeigen gegen jene, die unser Land verändern und kaputtmachen wollen“, erklärte Roger Lewentz. Er freue sich, dass sich Menschen versammelt hätten, denen es nicht egal sei, dass Gruppierungen durch Remagen zögen, die die Stadt als Symbol gegen die Demokratie missbrauchten. „Mit ihrem Kommen machen sie deutlich, dass Sie sich dagegen wehren, für unsere Freiheit kämpfen und ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung abgeben.“ Demokratie müsse Tag für Tag neu erkämpft und mit Leben gefüllt werden. Lewentz versprach, dass auch im nächsten Jahr wieder ein Vertreter der Landesregierung nach Remagen komme. „Denn ich mag mir kein Remagen vorstellen, in dem nur die Rechten ihre Stimme erheben. Nein, auch wir müssen auf den Marktplatz kommen, um uns laut und deutlich gegen diese Leute auszusprechen“, schloss der Minister.