Aufmarsch der Rechtsradikalen

Remagen lädt zum Friedensfest

Remagen. Remagen will Paroli bieten. Wenn am Samstag, 24. November, rund 300 Rechtsradikale vom Güterbahnhof zum Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers der Alliierten an der "Goldene Meile" ziehen, werden die Bürger der Stadt gleichzeitig ein großes Friedensfest veranstalten.

Motto: Eine Stadt wehrt sich. "Wir fangen an, uns zu solidarisieren", sagte gestern einer der Initiatoren. Den Aufmarsch der Rechten mit ihren dumpfen Parolen wollen die Remagener nicht untätig hinnehmen. Sie begegnen ihnen vielmehr mit einem "Tag der Demokratie", an dem sich nahezu alle Vereine der Stadt, Organisationen und Institutionen aktiv beteiligen.

Von 11 bis 16 Uhr zeigt sich Remagen in der Innenstadt von seiner multikulturellen Seite: mit Büchertischen, Buffets aus aller Herren Länder, bunt und vielfältig. Die Macher versprechen ein großes Informations- und Unterhaltungsprogramm. Das Ziel: "Wir wollen möglichst viele Menschen in unsere Innenstadt ziehen. Sie alle können so Flagge gegen Rechts zeigen", erklärte Agnes Menacher vom 2010 gegründeten Bündnis für Frieden und Demokratie.

Ein Plakat-"Wald" soll an der Kapelle zur "Schwarzen Madonna" aufgebaut werden mit Bekenntnissen zu Freiheit und Demokratie, zu Frieden und Völkerverständigung. Alle Geschäfte werden bis 16 Uhr geöffnet haben und in verschiedenen Formen Zeichen für Demokratie und Toleranz setzen. Eine Infomeile wird auf der Josefstraße aufgebaut, die Kirchen bieten Vorträge, Gespräche, Filme, Lieder von Frieden, Hoffnung und Gottvertrauen. Mit dabei sein wird übrigens auch die muslimische Gemeinde in Remagen. Die Moschee wird geöffnet sein, Gespräche über den Islam werden dort angeboten.

Bereits am kommenden Sonntag wird die stellvertretende Ministerpräsidentin Eveline Lemke anlässlich des Volkstrauertags zwischen 15 und 17 Uhr an der Gedenkfeier auf dem Bad Bodendorfer Soldatenfriedhof in Sinzig teilnehmen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass rechtsradikale Demonstranten die Geschichte verdrehen", so Lemke.

In diesem Zusammenhang verwies sie auch auf einen neuen Film des Kreises Ahrweiler, der mit den von den aufmarschierenden Rechtsradikalen kolportierten Lügen rund um die Opferzahlen des Gefangenenlagers Goldene Meile in Remagen aufräumt: "Ganz klar: Jeder im Krieg oder in Kriegsgefangenschaft Verstorbene ist ein Toter zu viel. Fest steht aber auch: Die vom Aktionsbüro Mittelrhein und anderen Geschichtsrevisionisten genannten Zahlen von mehr als 10 000 Toten gehören ins braune Reich der Fantasie." Lemke erinnerte, dass auch die getöteten Soldaten auf deutscher Seite Opfer von Hitlers Wahn und des nationalsozialistischen Angriffskriegs gewesen seien.

"Die neuen Nazis stören die Totenruhe und verletzen die Würde der Verstorbenen, wenn sie diese für ihre Zwecke instrumentalisieren", erklärte sie. Auch am 24. November sind Altstadt und Fußgängerzone in Remagen uneingeschränkt zu erreichen. Dieser Bereich ist offiziell Veranstaltungsbereich für das "Fest der Demokratie". Parken ist an diesem Tag in Remagen übrigens kostenlos. Das Bündnis für Frieden und Demokratie hofft, dass an diesem Tag viele Besucher nach Remagen kommen, um so ein Zeichen gegen Gewalt und Terror zu setzen.

Es wird empfohlen, mit dem Auto die Nordeinfahrt zu nehmen. "Remagen ist auch eine tolerante und weltoffene Stadt, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebensweisen willkommen sind und friedlich zusammenleben können. Wir verurteilen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus sowie Diffamierung und Gewalt gegen ethnische, soziale, kulturelle und andere Minderheiten", erklärte Menacher vom Bündnis.

"Den Aufmarsch der Rechtsextremen wollen wir so nicht weiter hinnehmen. Wir werden ihnen gemeinsam einen fröhlichen und lebensbejahenden Tag der Demokratie in unserer Innenstadt entgegensetzen."