Remagen will Überschwemmungen verhindern

Pflöcke sollen Treibholz aufhalten

UNKELBACH. In Unkelbach hat sich das Hochwasserschutzkonzept zur Vorsorge getroffen. Überschwemmungen sollen in Zukunft verhindert werden. Auch ein Kriseninterventionsteam steht für den Ernstfall bereit.

Es gibt Sachen, da muss man erst einmal drauf kommen. „Fällt Ihnen an dem Spielplatz etwas auf?“, fragte Unkelbachs Ortsvorsteher Egmond Eich am Mittwochabend in die Runde der Bürger, die sich in Sachen Hochwasserschutzkonzept an der Mehrzweckhalle trafen. Des Rätsels Lösung: Der Sand auf dem Spielplatz, der mal gerade 50 Meter vom Feuerwehrhaus entfernt liegt, ist ein Depot für den Hochwasserschutz. Denn statt der sonst üblichen 20 bis 30 Zentimeter ist die Sandschicht auf dem Spielplatz satte 80 Zentimeter stark. Dick genug zum Füllen der Sandsäcke, die im Feuerwehrhaus für den Ernstfall parat liegen. Wer die Idee hatte, da schweigt Eich bescheiden.

Gut zwei Dutzend Bürger waren gekommen, um ihre Anliegen vor- und wenn möglich ins Hochwasserschutzkonzept einzubringen. Ihre Ansprechpartner: Gisbert Bachem vom Remagener Bauamt und Harald Wegener vom Ingenieurbüro Fischer, das von der Stadt mit der Erstellung des Konzeptes beauftragt wurde. Hintergrund: die Starkregenereignisse der vergangenen Jahrzehnte, besonders das vom 4. Juni vergangenen Jahres, als Unkelbach im Wortsinne geflutet wurde.

Denn die Crux des Ortes ist seine Lage. Gibt es extremen Starkregen wie am 4. Juni 2016, kommt das Wasser aus der Nachbarschaft in Richtung Rhein geschossen: aus Oedingen und auch aus Birresdorf. Der Unkelbach wird zum Wildwasser, zwei weitere Bäche machen das Maß voll. Im Dorf ist Land unter.

Hochwasserschutzkonzept soll das Problem beheben

„Wir müssen das Wasser so lange wie möglich zurückhalten“, machte denn auch Bachem klar. Wichtig sei ein zeitversetzter Abfluss. Erste Maßnahmen seien schon oberhalb des Friedhofes und an der alten Mülldeponie vorgenommen worden: 50 000 Euro Baukosten, 20 000 Euro Planungskosten, bezahlt vom Land.

Und damit es weiterhin Geld von außen gebe, dafür müsse eben das Hochwasserschutzkonzept her. Denn einfach so machen kann der Mann aus dem Bauamt nicht. So zum Beispiel Steinschüttungen im Wald, die das Wasser zurückhalten könnten. „Eine Maßnahme, die mit wenig Aufwand zu stemmen ist“, sagt Bachem. Doch seit zwei Jahren ist er mit dem notwendigen wasserrechtlichen Verfahren unterwegs. Durch das Konzept hofft er auf Umsetzung und auch auf Zuschüsse für tonnenschwere Steinbrocken, die, wenn sie abgekippt sind, eine Art Rückhalteraum bilden und für langsameren Abfluss sorgen.

Ein Problem sei auch das Treibholz aus Richtung Oedingen. Dagegen seien bereits oberhalb von Unkelbach Pflöcke quer durch den Bach in den Boden gerammt worden, damit sich die Baumstämme dort verfangen und nicht ins Dorf gelangen und Schaden anrichten. Positiver Nebeneffekt: Das Wasser kann sich dann stauen und fließt langsamer ab.

Vorsorge der Bürger wichtig

Wegener sah zwar in Baumstämmen weniger das Problem, doch die Bürger kritisierten, dass „seit Jahren von der Stadt im Wald am Bach nicht aufgeräumt wird“. Für Wegener wie Bachem ist es wichtig, das Wasser im Wald zu stauen, „denn dort stört es nicht“.

Wichtig für Wegener ist aber auch, das hatte der Ingenieur schon bei der Auftaktveranstaltung zum Hochwasserschutzkonzept in Oedingen klar gemacht, dass auch die Bürger Vorsorge treffen. Das wurde schon beherzigt. So hat ein zugezogenes Ehepaar, das wegen Hochwasser nie am Rhein wohnen wollte, bereits seine Einfahrt höher gelegt, damit, wenn das Wasser kommt, zumindest ein gewisses Maß an Sicherheit da ist.

Sicherheit will auch der Ortsbeirat, der sich bereits vor acht Monaten mit der Thematik befasst hat und eine Art Wunschliste an die Stadt weitergeleitet hat. Dazu gehören unter anderem die Beseitigung von Abflusshindernissen, die Vergrößerung von Durchflüssen an allen Kreuzungsbauwerken und deren Befestigung mit Natursteinen. Auch müsste vor dem Rost an der Kreisstraße 40 der Einlaufbereich befestigt werden. Eine personelle Entscheidung brachte der Ortsbeirat ebenfalls auf den Weg gebracht: Die Gründung eines Kriseninterventionsteams, das im Ernstfall wie bei Überschwemmungen die Arbeit freiwilliger Helfer koordiniert.

Zum Hochwasserschutzkonzept soll es vor der Erstellung noch eine Abschlussveranstaltung in Remagen geben. Ort und Zeit stehen noch nicht fest.