Evangelische Kirchengemeinde

Pfarrhaus Oberwinter soll Gemeindezentrum werden

Das alte Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde Oberwinter soll zum Gemeindezentrum umgebaut werden.

Das alte Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde Oberwinter soll zum Gemeindezentrum umgebaut werden.

OBERWINTER. Die evangelischen Kirchengemeinde Oberwinter will 205.000 Euro in den Umbau des alten Pfarrhauses Am Yachthafen investieren. Dieses soll zum Gemeindezentrum samt Mehrzweckraum werden.

Nur ein Thema hat auf der Tagungsordnung bei der Gemeindeversammlung der evangelischen Kirchengemeinde Oberwinter gestanden. Umso ausführlicher wurde dieses besprochen: der Umbau des alten Pfarrhauses Am Yachthafen. „Die Idee ist, dass wir das ehemalige Pfarrhaus zum Gemeindezentrum umbauen“, sagte Pfarrer Michael Schankweiler. Dazu ist er mit seinem Büro bereits umgezogen aus dem Pfarrhaus in das auf der anderen Seite der Kirche befindliche Fachwerkhaus, Hauptstraße 82, in dem auch das Gemeindebüro schon beherbergt ist.

Während im ersten Obergeschoss des alten Pfarrhauses weiterhin die evangelische Bücherei bleiben soll und im obersten Geschoss Wohnraum vermietet ist, soll im Erdgeschoss eine neue Anlaufstelle für die rund 1200 Mitglieder zählende Gemeinde entstehen. Zentrum soll der neue Mehrzweckraum für bis zu 60 Personen werden, für die Bildungsarbeit für Erwachsene, Vorträge von gesellschaftlicher Relevanz, theologische Bildung, aber auch kleine Konzerte, Sitzungen, Seniorentreffs und Konfirmandenunterricht.

Hintergrund ist nach der Aufforderung der rheinischen Landeskirche an die Gemeinden, ihre „Immobilienlandschaft“ an ihre Größe anzupassen, die Abstoßung des ehemaligen evangelischen Gemeindehauses an der Hauptstraße. Vor gut zwei Jahren hatte die Gemeinde es für 220.000 Euro an die Stadt Remagen verkauft, damit dort ein Dorfgemeinschaftshaus entstehe. Noch könne sie deren Saal kostenfrei nutzen. Aber bald werde sie für die Nutzung des bis zu rund 160 Personen fassenden Saals Miete zahlen müssen wie alle anderen, sagte Baukirchenmeister Thomas Dackweiler, der über den Pfarrhausumbau berichtete.

Dieser soll von August bis Ende Januar dauern und ist mit einer Investitionssumme von 205.000 Euro veranschlagt, wobei die Ausstattung mit Stühlen und Tischen und etwa einem Beamer nicht mitberücksichtigt ist. Die Gemeinde rechnet aber auch mit einem Zuschuss von Seiten des Kirchenkreises Koblenz. Sie verfügte nach Angaben der für die Finanzen zuständigen Kirchenbaumeisterin Bahia Mourad-Assenmacher gemäß dem zuletzt verfügbaren Stand vom Januar 2014 über Rücklagen in Höhe von 552.000 Euro, wenn diese wegen Instandhaltungskosten wohl auch mittlerweile nicht mehr ganz so hoch seien.

Für das aktuelle Jahr rechnete sie mit einem Nettobetrag von 33.000 Euro, von dem unter anderem Heizkosten, Blumenschmuck und Kerzen und ein Zuschuss für die Konfirmandenfreizeit zu zahlen seien. „Wir sind nicht arm, aber wir können mit dem Geld auch nicht prassen“, bilanzierte sie, nachdem Dackweiler auch keinen Hehl daraus gemacht hatte, dass der Pfarrhausumbau nur eine von mehreren notwendigen Investitionen sei: „Es bröckelt zurzeit an allen Ecken und Enden.“ Fenster, Heizung, Beleuchtung, Anstrich und Orgel in der Kirche waren nur einige der „Baustellen“, über die bei der Versammlung auch gesprochen wurde, auch mit Ausblick auf die 300-Jahr-Feier der Kirche im Jahr 2023.

Beim Pfarrhaus ist laut Dackweiler die Wahl auf die günstigste von drei Ausbauvarianten gefallen. Bei einer Alternativ-Variante mit Raum für 80 Personen sei beispielsweise die raumakustische Beurteilung ungünstig ausgefallen, und bei der dritten Variante für bis zu 100 Personen wäre ein wenig attraktiver Anbau notwendig geworden. „Der bisherige Mehrzweckraum ist zwar schön, aber zu schmal“, sagte Dackweiler. Der neue Raum samt Zugang und einer Toilette soll zudem barrierefrei werden. Wände müssten aufgebrochen werden, um mehr Platz, mehr Leichtigkeit zu schaffen. Aus statischen Gründen sei dafür eine Stahlkonstruktion nötig.

Eine Küche soll bleiben, eine Garderobe dazukommen und das bisherige Pfarrerbüro zu einem Neben- und einem Lagerraum unter anderem für eine mobile Bühne und die Bestuhlung sowie für ein behindertengerechtes WC umgebaut werden. Mit dem Umbau des Pfarrhauses sollen sich die Aktivitäten der Gemeinde auf dem Areal rund um die evangelische Kirche konzentrieren, wo auch Gemeinde- und Pfarrerbüro, Kindergarten, Spielplatz und Garten angesiedelt sind. Das alles macht nach Angaben von Schankweiler und Dackweiler aber nur Sinn, wenn die Gemeindemitglieder mitmachten und sich in ihrer Kirche engagierten.

Pfarrer Schankweiler: „Im Gegensatz zur katholischen Kirche wollen wir, solange es irgendwie geht, nicht aus dem Ort weggehen, sondern möchten möglichst viel Kirche im Dorf belassen.“