In Remagen und Sinzig

Neue Dokumentation über Kriegsgefangenenlager

Wolfgang Gückelhorn (v.l.), Kurt Kleemann und Hans-Peter Kürten vom Friedensmuseum.

REMAGEN. Die Geschehnisse in den Kriegsgefangenenlagern auf den Rheinwiesen in Remagen und Sinzig wurden bislang recht unterschiedlich dargestellt.

Während Neo-Nazis auch 68 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges behaupten, es habe ein Massensterben der Deutschen in den von den Amerikanern bewachten Lagern gegeben und deutsche Soldaten seien dort unter menschenunwürdigen Zuständen eingepfercht gewesen, so kommen die beiden Historiker Kurt Kleemann und Wolfgang Gückelhorn zu einem ganz anderen Schluss.

Ihre gesammelten Fakten haben sie nun in einer Dokumentation "Die Rheinwiesenlager" zusammengetragen, die im Helios-Verlag erschienen ist. "Es starben keine Zehntausende hinter dem Lager-Stacheldraht", stellten die Autoren fest. Fast sieben Jahrzehnte nach dem Ende des verheerenden Weltkrieges wird die Zahl der Überlebenden und somit der Zeitzeugen täglich kleiner.

"Viele Soldaten der ehemaligen Westfront haben nach der Kapitulation Hunger, Leid und Krankheit in den berüchtigten Rheinwiesenlagern erlebt und überlebt", so Kleemann und Gückelhorn. In den Nachkriegsjahren seien Legenden um diese Lager entstanden, "die den Tatsachen nicht standhalten können". So sei die Ursache für die Kriegsgefangenschaft außer Acht gelassen worden, wie auch völlig unzutreffende Zahlen über die angeblich ums Leben gekommenen Soldaten publiziert worden seien.

In der Dokumentation zeigen Fotos und Zeitzeugenaussagen eindrucksvoll das Bemühen der Siegermächte auf, die sich zunächst aufgetanenen Verpflegungsprobleme schnell zu beheben, was auch gelang. Im Mai 1945 wurde in den Lagern Sinzig und Remagen mit annähernd 260.000 Gefangenen die größte Anzahl Menschen erreicht, die verpflegt werden musste.

Hobbyheimat- und Militärhistoriker Gückelhorn und Geschichtswissenschaftler Kleemann vergaßen nicht zu erwähnen, dass weniger als ein Prozent der gefangenen Deutschen in den Rheinlagern ums Leben kamen. Von den russischen Kriegsgefangenen der Wehrmacht starben hingegen 57 Prozent.

Wolfgang Gückelhorn/Kurt Kleemann "Die Rheinwiesenlager Remagen und Sinzig", Helios-Verlag, 26,50 Euro, www.helios-verlag.de