Nach Hangrutsch

Lebensgefahr am Rolandsbogen

Remagen. Den Ausblick vom Rolandsbogen auf den Rhein genießen, das dürfte bis auf Weiteres schwierig sein. Der Weg vom Parkplatz hoch zum Rolandsbogen endet vor Absperrgittern. "Achtung Lebensgefahr" warnen Schilder. Grund: Ein Podest des Treppenaufgangs ist samt Geländer weggebrochen und etwa zehn Meter in die Tiefe gestürzt.

Da nun eine Lücke von rund sechs Metern klafft, ist ein Zugang zu Aussichtsplattform und Restaurant nicht mehr möglich.

 Nach Auskunft von Jörg Pierdzig von der Eigentümergemeinschaft Develop-Visio GmbH aus Bonn ist das Ganze bereits am vergangenen Donnerstag passiert, verletzt wurde aber niemand. Dass kein Mensch zu Schaden kam, mag auch daran gelegen haben, dass das Restaurant noch Betriebsferien hat. Geplant war der Saisonstart für Aschermittwoch, der muss jetzt aber erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Ursache für das Wegbrechen des Aufgangs war nach Aussage von Pierdzig eine alte Trockenmauer, die das Podest stützte und nachgegeben hatte. Bereits vor zwei Wochen habe sich das angedeutet, als ein kleines Mauerstück herausgebrochen war, berichtete Pierdzig.

Für Donnerstag hatte die Eigentümergemeinschaft eine Erfurter Spezialfirma mit der Sicherung der Mauer beauftragt: "Das Loch sollte mit Spritzbeton gefüllt und danach eine Netzsicherung angebracht werden", so Pierdzig. Da der Bauleiter jedoch "ein schlechtes Gefühl" gehabt habe, seien die Arbeiten sofort eingestellt worden. Kurze Zeit später gab dann die Mauer nach, das Podest stürzte in die Tiefe.

Für Pierdzig ist das bitter, "weil wir ohnehin im März vorgehabt hatten, die komplette südliche Burgmauer mit Fördermitteln zu sanieren". Nur wenige Wochen vor dieser grundlegenden Baumaßnahme sei die rund 900 Jahre alte Mauer nun eingestürzt. "Gleichwohl hoffen wir, an der Zeitschiene festhalten zu können, dass die Mauer noch innerhalb dieses Jahres saniert werden kann", betonte Jörg Pierdzig.

Als möglichen Grund für das Wegbrechen des historischen Gemäuers vermutet er "eine Durchweichung" des Bodens: "Wir hatten erst im Dezember einen Wasserrohrbruch, bei dem etwa vier Kubikmeter Wasser ausgetreten sind".

Das sah Mirco Alberti vom Landesamt für Geologie und Bergbau am Montag genauso. Es sei "Problem des Bauwerks, nicht des Untergrundes". Eine Sanierung sei angedacht gewesen, "aber wir wurden von den Tatsachen überholt". Eine Gefahr für einen Hangrutsch bestehe nicht. Ein Gutachten müsse jetzt die Baugrundstatik klären.

Beim Restaurant geht er nicht von Problemen aus, da dieses auf Fels gebaut sei. Das Landesamt war vom Kreis als Bauaufsicht eingeschaltet worden.  Der Kreis hat aus Sicherheitsgründen das Gelände für die Öffentlichkeit bis auf Weiteres gesperrt. "Das Gebäude auf dem Rolandsbogen und der dorthin hinführende Weg dürfen derzeit nicht genutzt werden", hieß es am Montagabend aus dem Kreishaus.

Fachleute sollen nun klären, wie es am Rolandsbogen weitergeht. Für Morgen ist laut Pierdzig ein Treffen mit der Bauaufsicht des Kreises sowie einem Statiker und einem Baugutachter geplant. Es folge am Freitag ein Gespräch mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz, bei dem Pierdzig das weitere Verfahren abstimmen will. Die Burgmauer ist laut Kreis denkmalgeschützt. Daher sei auch das Landesamt für Denkmalpflege eingeschaltet worden. Weitere Maßnahmen sowie der Wiederaufbau der Mauer würden noch erörtert. Aus Pierdzigs Sicht geht es zunächst darum, die weggebrochene Stelle zu sichern, möglicherweise mit Netzen: "Damit wurde eine Fachfirma beauftragt."

Weiterhin soll ein alternativer Aufgang zum Restaurant geprüft werden, um dort wieder Gastronomie anbieten zu können: "Aber nur, wenn Experten eine Gefährdung ausschließen", betonte Pierdzig.

"Die Fälle sind nicht vergleichbar"

Der Hangrutsch am Rolandsbogen ruft Erinnerungen an den Hangrutsch in Linz am 5. Januar wach. Damals hatte sich ein Teil des Hanges oberhalb von vier Häusern in der Linzer Innenstadt in Bewegung gesetzt. Eines der Häuser, das akut einsturzgefährdet war, musste schließlich abgerissen werden. So konnte zudem der Hangrutsch doch noch gestoppt und weitere Häuser gerettet werden.

In beiden Fällen waren die Experten des Landesamtes für Geologie und Bergbau des Landes Rheinland-Pfalz vor Ort. "Die Fälle sind nicht direkt vergleichbar", sagte am Montag Geologiedirektor Ansgar Wehinger auf Anfrage. Denn in Linz habe es sich um eine echte Rutschung aufgrund der Bodenbeschaffenheit gehandelt. "Am Rolandsbogen hat aber eine alte Stützmauer versagt, das Erdreich ist anschließend nur nachgerutscht."

Das sei ein völlig anderer Mechanismus als im Falle des Linzer Hangrutsches. Dort war nach anhaltenden Regenfällen ein ganzer Hangteil ins Rutschen geraten. Derzeit wird untersucht, wie genau es dazu kommen konnte und ob der Bau der Häuser direkt am Hang zu dessen Destabilisierung beigetragen haben könnte.