Lebenskunstmarkt in Remagen

Kunsthandwerk und Upcycling lockten Besucher

REMAGEN. Remagen zelebriert seine 17. große Stadtfete erneut als Fest für die Sinne. Die Mischung aus Kunst, provencalischem Markt und Kunsthandwerk kommt bei den Besuchern gut an.

An ihren Probier-Oliven kauend gab am Samstag die Dame Order: „Egal jetzt, Kilo, Pfund, tun Sie mal ordentlich was rein mit dem Schäufelchen.“ Sie musste einfach noch einmal vorbeischauen, wenn der ganze pralle Lebenskunstmarkt wogte.

Schon am Freitag, als der provenzalische mit all seinen verlockenden Düften geöffnet war, hatte sie sich einen Überblick verschafft über das verlockende Angebot der südfranzösischen Händler: Lavendelprodukte, Seife, Gewürze, dazu Oliven, Senfe und Gebäck, erlesene Käse und Würste. „Haben Sie auch Salami vom Esel?“ Aber ja. Schon säbelt die Händlerin ein Scheibchen ab. Nebenan liegen Tüten.

Gebrannte Mandeln? Mitnichten, Mini-Wurst-Mix ist drin, quasi Salami to go. Originelles, auf den Ortsnamen bezogen, kredenzt derweil Wildkräuterkoch Jean-Marie Dumaine, Normanne aus Sinzig. Schalk, der er ist, hat er ein Gericht mit Reh-Magen kreiert. Und auf dem Marktplatz tischt die ortsansässige Gastronomie auf.

Dagegen hinterfragte die Künstlergruppe Rheinart mit der Ausstellung „Unser täglich Brot“ im Pfarrheim die Lebensmittelproduktion. Ins Auge sprang des talentierten Fundholzkünstlers Peter Mallmann toller gelber Bananendampfer. Ebenso gab’s Kunst in der Kulturwerkstatt wie in ansässigen Galerien. Die zeigten etwa Peter Kesslers Zeichnungen (M.A.SH.), Claudio Carlis Baumwelten (Rosemarie Bassi) und klare Foto-Farbkompositionen Gregor Siebenkottens (Artspace K2).

Das Künstlerforum legte sich mit einem verdreht-lohnenden Experiment ins Zeug: Mitglieder suchten sich Partner, ob Kind, Hund oder Lebensgefährte, um sie in weitherziger Form in die Kunstproduktion einzubinden. Wie die Gäste, denen das Wetter hold war, es lieben, ist der Lebenskunstmarkt jedoch vor allem neben den Gaumenkitzlern ein großer bunter Markt auswärtiger Kunsthandwerker und Künstler.

Kunsthandwerk zu erschwinglichen Preisen

Letztere stellten in der Zeltstadt aus, wo man Sina Ohms fantasievolle Gartengestalten antraf, Irene Bartsch-Koziks Collagen von Algen und Blättern und Uwe Reuters in Rost „gemalte“ Bilder. Es gefielen Skulpturen in Bronze und Steinguss von Bildhauer Amrot, alias Ralf Kleine. Der erstmals Beteiligte sprach gelassen aus, welches Risiko die Marktbeschicker eingehen: „Die meisten Leute wollen gar nichts kaufen, nur schauen.“

Weniger hochpreisige Anbieter, zumeist kunsthandwerklich unterwegs mit Schmuck, Filzaccessoires, Keramik, Handgefertigtem aus Leder, Stoff und Holz, kamen indes durchaus auf ihre Kosten. So gewiss die niedliche Objektbilder in Kiesel und Fundglas offerierende Uli Benzschawel. Seine „Geldschneiderei“, Kunst aus Münzen, führte Ulrich Sandrock vor. Mit ideenreichem Upcycling gebrauchter Tischdecken, Kaffeesäcke und Jeans kreiert Vanessa Stenzel aus Klotten sehenswerte „Utensilos“ für zwei Klopapierrollen.

Pausenlos illustrierte Patrocinio, wie witzig sich die Wackelfiguren seiner Schmunzelkarten bewegen. Still saß dagegen Raphael Adjetey Adjei Mayne hinter seinen leuchtend farbigen Afutumix-T-Shirts. Angesprochen, erläuterte der studierte Künstler aus Ghana gerne, wie er die Unikate aus verschiedenen Stoffen näht, handbemalt und ein wenig auch die großartige afrikanische Textiltradition weiterträgt.

Selbst Hand anlegen konnten Kinder beim Bemalen von Jutebeuteln am Stand des Jugendkunstbahnhofs sowie beim „Malen nach Otto Piene“, wobei Feuer außen vor blieb, „ganz bestimmt“, so Arp Museums-Kunstvermittlerin Annette Krapp. Bei Malerin Annette Predeeck durften einzelbetreut Erwachsene ein Bild malen, was immer spannend für die Umstehenden war.

Den ganzen Markt, einschließlich der Kreationen in Frank Bliss‘ Galerie, der „Grünen Oase“ des Evangelischen Gemeindehauses und der Live-Musik konnte niemand erkunden. Aber an allen Orten war genug für Augen, Ohr und Gaumen geboten, nicht zuletzt Humor, denn wem Zwille Zimmermann über den Weg lief, der auch separat von Akkordeonist Matthieu Pallas kreiselte, den durchdrang spontane Heiterkeit. „Entschuldigung Monsieur, ziehen Sie Ihre Frau nicht so“, bat der clowneske Gendarm liebenswürdig, Schon lachten die Angesprochenen und mit „Die mag das“ bot der Mann schlagfertige Verteidigung auf.