Viel Andrang beim elften Kunstsalon

Erstes Street Food Festival beim Kunstsalon in Remagen

REMAGEN. Der Kunstsalon rückte gleichzeitig mit dem ersten Street Food Festival in der Remagener Innenstadt an. Die exotische Kulinarik wurde von zahlreichen Besuchern bestens angenommen.

Neues zum elften Kunstsalon: Neben die Ausstellungen und Aktionen von Ateliers, Galerien und Künstlergruppen mit mehr als 60 Künstlern an 17 Kunststationen im Stadtkern rückte das erste Remagener Street Food Festival. Kein Klacks war das, was sich an mobilen Essständen auf dem Parkplatz an der Grabenstraße versammelte. Mit rund 30 Anbietern auf Rädern rollte eine opulente Versuchung zum pausenlosen Schlemmen an.

Macht Kunst hungrig? Kann man ihr mit vollem Magen besser frönen? Oder bedarf es einer verzehrbaren Belohnung für jene, die sich vorher Kunst angesehen haben? Das ist individuell zu entscheiden. Fest steht nur, dass die Klammer für Kunst und Kulinarik eindeutig Genuss heißt. Allerdings sind der städtische Kunstsalon und das von der Werbegemeinschaft mit einer Eventfirma organisierte „Ess-Ereignis“ zwei völlig eigenständige Veranstaltungen.

Bei der Suche nach einem Termin ohne weitere Großevents in der Region, so Wirtschaftsförderer Marc Bors, kam man auf dasselbe Datum, wobei die Kulinarik schon freitags begann, um am Wochenende parallel mit dem Kunstsalon zu laufen.

Das Kunstereignis bot viel auf, inklusive Arp-Museums-Radtouren zum Skulpturenufer. Italienische Bildkunst zeigte die Galerie Rosemarie Bassi. Gegenüber stellten Molly und Christoph Noebel im Artspace K 2 aus, daneben Margarete Gebauer im Studio MoNo und in Herbert Höckys Galerie Kunstraum Remagen Mitte zogen wunderbar gezeichnete Porträts ein, mit denen Robert Meyer Geflüchteten ein Gesicht gibt. Auch die Kunststation Remagen von Irene Gravender, Gisele Hillen, Rosemarie Griess und Katja Schnee gewährte Einblick. Unterdessen bespielten die Malerinnen von Art am Rolandsbogen, Ursula Böttcher, Eva Schwarz und Uta Waldow, gekonnt die Galerie in den Hypokausten.

Kunst zum Mitmachen gab es sowohl bei der Befragung zu Kunst in Remagen durch Margarete Gebauer und Rosmarie Feuser als auch im Künstlerforum mit der sehenswerten „Regionale II“ von Horst Becker, Uta Grün, Hannah A. Hovermann und Stefanie Manhillen. Letztere animierte zur Ummöblierung ihrer dreidimensionalen Raum-Collage, während treppauf die Ateliergemeinschaft Villa Heros willkommen hieß. Zudem warteten Marianne Kuchta-Schulze mit Keramik und Erika Klassen mit Malerei in ihrem Atelier Kerma auf. Norbert Gramer, Loon-Art, offerierte Malerei und Zeichnung, Thomas vom Dorf Wandobjekte, und in der Kreativwerkstatt „Verwandelt“ präsentierte Anja Kleemann-Jacks unter dem Motto „R(h)ein so schön“ Ansichten und Fundstücke in Fotos, Assemblage und Installation.

Kirmesstimmung zwischen Kunst und Street Food

Einzig mit Angeschwemmtem aus dem Strom arbeitet seit jeher Peter Mallmann. Man staunte über große Wandgestaltungen, „Cello“, „Harfe“ und Figuren. Außerdem schuf er jene Mega-Umwelt-Spinne auf dem Marktplatz, die Menschen in Plastik einwickelt, das sie vorher weggeworfen haben. Die Spinne war eine von zehn beachtlichen Arbeiten der Gruppe Rhein᠆Art auf dem Platz. Leider fanden sie nicht die verdiente Aufmerksamkeit. Besser besucht zeigte sich die Performance „Warten“ mit Hanna Trampert, organisiert durch die Galerie M.A.SH., wo Stefan Zajonz „Stadt, Stein, Gras“ fotografisch akzentuierte.

Wie aber kam das Street Food Festival an? Offenbar sehr gut, jedenfalls am Samstag. Schwer zu sagen, ob die Kunst im Schatten der Gaumenfreuden lag oder sie ansonsten noch weniger Gäste zu verzeichnen gehabt hätte. Der ansehnliche Zuspruch am Nachmittag steigerte sich am Abend zum Gedränge. Es ging exotisch zu, wenn auch Pommes und Co. vertreten waren. Nicht die angekündigten Trucks bestimmten das Bild, sondern überwiegend Stände, Anhänger, Zeltaufbauten.

Statt urbanem Flair lag Kirmesstimmung in der Luft und dem Publikum gefiel das. Die Auswahl war groß. Sollte es „Alles Pasta“ sein, lieber trendgemäß Pulled Pork, gegrilltes saftiges Schweinefleisch oder doch der Burger „Blue Cheese Temptation“, der neben Rindfleisch, Feigen-Waldbeer-Marmelade, würzige Zwiebel, Rucola und Gorgonzola auf sich vereinte? Burger-Fans konnten sich an weiteren Variationen zum Beispiel mit Chili laben. „Megageil“ urteilte ein Gast, der Steak mit Mayo von „Batty“ aus den Niederlanden verkostete.

„Bammm BQ & Rotisserie“ reizte mit dem italienischen Klassiker Porchetta, Schweinebauch gerollt mit Kräutern und Zwiebelchutney. Chilenische Speisen und Wein hielt Anna Aceval Küpper vom „Kochlöffel“ vor. Mit mexikanischer Küche, Tequila und Kombi-Verkauf von Deko-Totenköpfen trat Alfredos Foodtruck an. Ebenso winkten „Kartoffel-Twister“, frittierte Knollenspiralen, Churros, Gebäck aus Spanien, und Crepes.

Nur die Mutigen stoppten bei Insektenkoch Frank Ochmann. Der legt Wert darauf, dass die gebratenen Mehlwürmer, Heuschrecken und Schwarzkäferlarven, die er mit Knobi und Kräutern würzt, „schön „crunchy“ aus der Pfanne kommen. Die Insektenküche ist ehrlich, sind sich Koch und Kunden einig: „Da weiß ich, was ich esse, anders als bei vielem anderem, was es so gibt“, sagte ein Neuling dieser Küche.